Dienstag, 13. März 2018

Wiesenstein

Buchdetails:

Erscheinungsdatum Erstausgabe: 06.02.2018

Aktuelle Ausgabe: 06.02.2018

Verlag: C.H.Beck

ISBN: 9783406700613

Fester Einband: 552 Seiten

Genre: Roman








Eine Werbeanzeige des Verlags C.H.Beck machte mich neugierig. 
Seit ich „Die Weber“ in der Schule gelesen habe, interessiere ich mich für die Werke des großen deutschen Dichters Gerhart Hauptmann.
Ich war sehr gespannt und wollte mehr über die Villa Wiesenstein erfahren, jenem prächtigen Anwesen im Riesengebirge, in welchem die Familie Hauptmann residierte. 

Hans Pleschinskis Geschichte beginnt im Jahr 1945 im zerstörten Dresden.
Gerhart Hauptmann war hier mit seiner Frau Margarete in einem Sanatorium zur Erholung. Doch nun zieht es die beiden in ihre Heimat nach Schlesien zurück. Mit militärischem Begleitschutz werden sie zum Zug gebracht und ihre strapaziöse Reise Richtung Osten beginnt.
Endlich auf Wiesenstein angekommen, hoffen sie, ihr luxuriöses Leben weiterleben zu können, samt Zofe, Butler, Gärtner, Köchin, Sekretärin und eigenem Masseur. Doch die Zeiten haben sich geändert, russische und polnische Truppen sind im Anmarsch und das alte Schlesien droht unterzugehen. 

Hans Pleschinski beschreibt detailreich, bildhaft und einfühlsam den Lebensabend des großen Genies Gerhart Hauptmann, der langsam seiner Vitalität beraubt wird. Geplagt von körperlichen Gebrechen, versucht er sich geistig mühsam mit seiner Dichtkunst bei Laune zu halten.
Die große Flucht, das Ende des Krieges und der drohende Verlust der Heimat gehen nicht spurlos an der Familie Hauptmann vorüber. Was bleibt am Ende?

Eindrucksvoll beleuchtet Pleschinski alle Facetten des berühmten Autors und bindet auch Hauptmanns Tagebuchnotizen mit ein. 
Ich war überrascht, wie der große Dichter es aufgrund seiner Popularität verstanden hat, sich die jeweiligen Machthaber zunutze zu machen und dabei weiter im Luxus schwelgen konnte. Ich hatte das Gefühl, er dreht sein Fähnchen gerne nach dem Wind, ohne sich konkret festzulegen. 
Die beschriebenen Orte und das Zeitgeschehen wirkten auf mich lebendig, so dass ich mich gut in die Szenerie hineinversetzen konnte. 
Interessant fand ich auch die Bezüge zu anderen Schriftstellern wie Gerhart Pohl, Thomas Mann und Johannes R. Becher.

Pleschinskis literarischer Schreibstil passt gut zur Thematik.
Für mich war „Wiesenstein“ dennoch eine Herausforderung. Pleschinski geht auf mehr als 500 Seiten sehr in die Tiefe, beleuchtet Hauptmanns Werke ausgiebig. Das erfordert ein hohes Maß an Konzentration. An einigen Stellen fand ich das Buch etwas ermüdend, habe mich teilweise durch die Seiten gekämpft. 
Die Mühe hat sich gelohnt, denn am Ende des Romans eröffnete sich mir ein umfassendes, mitunter völlig verändertes Bild, des großen deutschen Dichters Gerhart Hauptmann. 

Alles in allem dürfte klar sein, dass dieser poetische und anspruchsvolle Lesestoff nicht für jedermann geeignet ist.
Der Roman trägt Sachbuchcharakter und sei Literaturliebhabern besonders ans Herz gelegt. 








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