Mittwoch, 28. März 2018

Die Sprache des Schmerzes

Herzlich willkommen bei den Nichtohnebuch-Mädels!


„Die Sprache des Schmerzes“ - ein Buchtitel, der schon eine gewisse Dramatik assoziiert! 



Ich möchte euch Thomas Juchmann vorstellen, einer der Charaktere aus Leonie Haubrichs neuem Thriller. 
Er wurde für einen Mord verurteilt, den er nie begangen hat. Sagt er jedenfalls!
Nun ist es Thomas gelungen aus dem Maßregelvollzug zu fliehen und er sucht die Konfrontation mit dem Gutachter, der damals für seine Verurteilung verantwortlich war.

Christopher Günther (Ehemann von Liz Günther) hatte damals Thomas mittels eines „Rorschachtests“ überführt.

Habt Ihr schon von diesem Test gehört? 
Ich nicht. Daher habe ich recherchiert, Wikipedia befragt und für Euch einige Hintergrundinformationen zusammengetragen. 

Alles begann mit diesem Spiel: 
Man nimmt Farbe oder Tinte und tropft sie auf ein Blatt Papier, faltet dieses in der Mitte zusammen und wartet kurz bis die Farbe getrocknet ist. Klappt man nun das Blatt auf, offenbart sich ein Bild, welches viel Raum zur Interpretation lässt. 
Auch dem 1884 in Zürich geborenen Hermann Rorschach gefiel dieses Spiel.  Er bezeichnete es als „Klecksografie“. 
Eigentlich wollte er Künstler werden, doch dann studierte Rorschach Medizin und wurde Psychiater. 
Sein Schweizer Kollege Szyman Hens veröffentlichte 1917 eine Doktorarbeit über seine Versuche, die Fantasie von Probanden mittels Farbklecksen zu untersuchen. 
Diese Idee übernahm Rorschach und daher ist auch der Test nach ihm benannt: 



Wie funktioniert nun der Test: 

Der betreffenden Person werden zehn Tafeln mit speziell aufbereiteten Tintenklecksmustern in einer bestimmten Reihenfolge vorgelegt. Die Tafeln können beliebig gedreht werden. Dann wird die Testperson gefragt, was das sein könnte. Der Psychologe gibt ihr ferner den Hinweis, dass es keine richtigen oder falschen Antworten gibt. 
Während die Testperson die Tafeln betrachtet, werden die Äußerungen, Handhabung der Tafeln und Reaktionszeiten notiert. 
Danach erfolgt eine umfangreiche Auswertung der Daten. 

Könnt Ihr Euch vorstellen, dass man mit diesem Test tatsächlich einen Mörder überführen kann? Für mich ist das vergleichbar mit „Kaffeesatz lesen“. Auch in Fachkreisen war der Rorschachtest von Anfang an umstritten. 
Befürworter hingegen meinen, dass die Auswertung durch Fachleute zuverlässig sei. Der Test könne viele Bereiche der Persönlichkeit darstellen,  die durch andere psychologische Tests nicht zu erfassen sind. 

Kommen wir aber zurück zum Thriller und lassen Thomas Juchmann die Dinge aus seiner Sicht schildern: 

„Der Gutachter meinte, ich würde meine negativen Gefühle unterdrücken. Ich sei aggressiv. Gewalttätig, hätte deswegen auch Sabine geschlagen. Ich hätte ein Problem mit der Impulskontrolle. Ich sei schuldig, eindeutig.
Ja, ich bin ein Idiot, ein Trottel, manchmal aufbrausend. Sabine hat allen Grund, auf mich wütend zu sein. Aber eins bin ich nicht:
Ich bin kein Vergewaltiger.
Ich bin kein Mörder.
Männer wie diesen Gutachter kenne ich. Sie müssen immer recht haben. Können keinen Fehler eingestehen.“

(Auszug aus „Sie Sprache des Schmerzes“, Leonie Haubrich)

Gutachters Christopher Günther sieht die Sache ganz anders:

„Christopher hatte es damals vorsichtig formuliert, obwohl er sicher war, dass Juchmann noch zu ganz anderen Verbrechen fähig gewesen wäre mit seinem Lächeln, mit dem er auf extreme Gewaltdarstellungen reagierte. Der Rorschachtest mit seinen Tintenklecksbildern, der wissenschaftlich umstritten war, war für Christopher in diesem Fall ein unverzichtbares Hilfsmittel gewesen. Dass dieser Test bereits über hundert Jahre lang Anwendung gefunden hatte, brachte einen großen Erfahrungsschatz für die Auswertung mit sich. Sicher, damit erhielt niemand definitive Aussagen, aber es war wie ein Pendel, das in die eine oder die entgegengesetzte Richtung zeigte. Und bei Juchmann war es eindeutig gewesen.
Der Test hatte Christophers ersten Eindruck bestätigt: Wie Juchmann fixierte! Wie ein Krokodil, ohne ein Blinzeln, kalt. Ein Raubtier, das andere in seiner Gegenwart frieren ließ. Das anderen Schaden zufügte ohne Zögern.“

(Auszug aus „Die Sprache des Schmerzes“, Leonie Haubrich) 

Was glaubt Ihr? Ist Thomas unschuldig und der Gutachter hat sich geirrt? Oder ist Thomas doch ein Mörder? 
Findet es heraus!  
Es lohnt sich, diesen spannenden, kurzweiligen Thriller mit Nervenkitzel und Gänsehautfeeling zu lesen! 

Viel Spaß wünscht
Patricia von „Nichtohnebuch“