Dienstag, 24. Oktober 2017

Wer ist B. Traven?






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 14.10.2017
  • Verlag : Tropen
  • ISBN: 9783608503470
  • Fester Einband 224 Seiten
  • Genre: Roman
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Vorab Hinweis:

Zwar wurde mir von Lovelybooks bzw. dem Verlag ein kostenloses Leseexemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung!

Showdown in der Wüste

1947 bekommt der junge Journalist Leon Borenstein die Chance seines Lebens: Er soll den Schriftsteller B. Traven entlarven! Bisher weiß niemand, wer hinter dem Pseudonym steckt, doch Vermutungen gibt es viele. Leons Vorteil – er darf beim Dreh des Films „Der Schatz der Sierra Madre“ dabei sein. Die Romanvorlage und auch das Drehbuch stammen von Traven und auch wenn dieser nicht selbst dabei sein wird, so ist doch zumindest sein Vertreter Hal Croves in der mexikanischen Wüste vor Ort. Als Tarnung dient Leon ein Interview mit Humphrey Bogart. Ach ja, ein Problem gibt es noch: Bisher hat niemand die Suche nach Traven überlebt ...

Leon hat am Anfang nicht wirklich den Anreiz, Traven zu entlarven. Mexico ist toll, Bogart erweist sich als cooler Typ und exzellenter Schachpartner und dann ist da ja auch noch die geheimnisvolle María, die immer wieder seine Nähe sucht. Leon genießt die Zeit, sieht es eher als bezahlten Urlaub. Zumal er Croves nicht wirklich näher kommt. „Ich habe hier etwas wiedergefunden, was uns in L.A. Längst verloren gegangen ist: Leidenschaft und Wahrhaftigkeit.“ (S. 70)
Ob er das Interview mit Bogart je abliefert, wird nicht mal erwähnt – und ist dann irgendwie auch gar nicht mehr so wichtig, denn María verschwindet mit seinen Aufzeichnungen.

Die Figur Leon hat mich überrascht. Er wirkt viel älter, ist ein echter Gegenpart für den knapp 50jährigen Bogart, dabei ist er erst Mitte 20. Vielleicht liegt es an seiner Vergangenheit? Seine jüdischen Eltern sind mit der Familie kurz vor dem 2. Weltkrieg von Braunschweig nach Amerika emigriert. Während sein Vater nie über diesen Umbruch hinweggekommen ist, fühlt sich Leon als Amerikaner. „Kann man das überhaupt? Amerikaner werden? Ich meine, nicht dem Pass nach, sondern mit dem Herzen?“ „Es war jedenfalls leichter, als Deutscher zu bleiben.“ (S. 57). Mich hat verblüfft, dass es für die Deutschen wohl gang und gäbe der war, ihre Namen zu amerikanisieren.

Die Suche führt Leon später zurück nach Europa, genauer gesagt nach Wien. Auch das ist noch zerstört, überall stehen zerschossene Panzer. Dort trifft er auf Konstantyn – meinen liebsten Nebendarsteller. Der ist ein verarmter ungarischer Adliger mit gesellschaftlichen Ambitionen, Humor und einem Saal voller vor den Nazis geretteter Bücher: „Wir haben sie nur etwas länger ausgeliehen, um sie in Sicherheit zu bringen. Wenn sich die Zeiten beruhigt haben, geben wir natürlich alles zurück.“ (S. 129)

Einen kleinen Dämpfer erfuhr meine Begeisterung bei Leons Ermittlungen in Acapulca – zu viele Zufälle, brutale Gewalt in Form von Wrestling, Stierkampf, Prügeleien und soziale Ungerechtigkeiten (da spricht das Mädchen aus mir).

Der Autor hat Realität und Fiktion extrem gekonnt gemischt. Den Film gibt es wirklich, Bogart hat eine der Hauptrollen gespielt und die Drehorte stimmen auch – nur Leon ist Torsten Seiferts Fantasie entsprungen.

Mein Fazit: Ein Buch für alle Film- und Wild-West-Fans. Männer wird es stellenweise sicher eher begeistern als Frauen. Aber es ist extrem spannend, weil es, obwohl es unter Roman läuft, sehr viele biografische Berührungspunkte mit realen Personen hat. Und die eine oder andere Illusion wird auch gleich zerstört – oder wusstet ihr, dass Goldstaub gar nicht fliegen kann (wie am Ende des Films), weil er viel schwerer ist als Luft?!

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