Montag, 22. Januar 2018

Ein mögliches Leben





  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 23.02.2018
  • Verlag : Ullstein Buchverlage
  • ISBN: 9783550081859
  • Fester Einband 352 Seiten
  • Genre: (Historischer) Roman

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Vorab Hinweis: Zwar wurde mir vom Verlag ein kostenloses Leseexemplar zur Verfügung gestellt,  dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung!



Ein Traum von Licht und Freiheit

... ist das Amerika hinter dem Stacheldraht, nach dem sich Franz und die anderen deutschen Kriegsgefangenen sehnen. Amerika ist das komplette Gegenteil zum dunklen Hitlerdeutschland, wo die jungen Männer aufgewachsen sind. Groß, hell und weit. Es zeigt sich als Land der (relativen) Freiheit, von dem man nachts träumen kann.

1944. Der 2. Weltkrieg ist noch nicht vorbei, auch nicht im Lager in Hearne (Texas) Die Gefangenen bekommen zwar genug zu Essen, aber das (Über)Leben ist hart. Sie müssen genau wie die Schwarzen auf den Kartoffel- und Baumwollfeldern arbeiten. Außerdem gibt es zwei Lager im Lager: 100%ige, die an den Endsieg glauben und solche, die nur noch das Kriegsende und nach Hause wollen. Zwischen den Hitleranhängern und ihren Gegnern kommt es immer wieder zu blutigen Kämpfen auf Leben und Tod.

An all das erinnert sich Franz, als er 70 Jahre später mit seinem Enkel Martin noch einmal nach Texas fliegt und u.a. mit ehemaligen Wärtern redet, um die Erinnerungen zu überprüfen und für die Nachwelt aufrecht zu erhalten, z.B. durch Martin.

Man denkt ja immer, man hat alles schon mal gehört oder gelesen, doch dann kommt wieder ein Buch, dass die bisherige Weltsicht auf den Kopf stellt.
Da ich in der DDR geboren und aufgewachsen bin, war mir nicht bewusst, dass die Amis tausende Kriegsgefangen in ihren Truppenschiffen nach Amerika brachten. Ich wusste nicht, dass es ehemalige Auswanderer gab, die nach Deutschland zurückkehrten, um auf Hitlers Seite zu kämpfen – dass es auch in New York riesige Kundgebungen und Demonstrationen FÜR Hitler gab.

Nach der Leseprobe hatte ich eine Großvater-Enkel-Geschichte vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Amerikareise erwartet. Martin weiß so gut wie nichts über Franz, schon gar nicht über die Zeit damals. Doch auch sein eigenes Leben ist ihm irgendwie fremd. Als Lehrer wird immer nur für ein Schuljahr angestellt und dann wieder entlassen. Er hat eine Tochter mit einer fast Unbekannten, aber sie haben ein ungewöhnliches Arrangement und kümmern sich gemeinsam das Mädchen. Martin ist irgendwie ziellos und es wird Zeit, dass er endlich im Leben ankommt. Die Reise und der damit verbundene Abstand von der Normalität helfen ihm dabei.

„Ein Mögliches Leben“ ist eine Ode an die Freundschaft, Kameradschaft. Es geht darum, auf der richtigen Seite und zu seinen Überzeugungen zu stehen, auch wenn es gefährlich ist. Außerdem zeigt der Roman, wie wichtig Familie ist und wie sehr die eigene Vergangenheit spätere Generationen beeinflusst.

„Es war nicht immer leicht. Mit allem, was bei uns so passiert ist.“ „Nein, ... es war nicht leicht.“ (S. 46)