Freitag, 10. November 2017

Die Leute von Nr. 37







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 09.10.2017
  • Verlag : Heyne
  • ISBN: 9783453438965
  • Flexibler Einband
  • Genre: Roman 




Die dunklen Seiten von Paris

Edward ist nach dem Unfalltod seiner Schwester nach Paris in die Dachwohnung einer Freundin „geflohen“. Nicht nur dort oben, in der ganzen Stadt ist es unerträglich heiß – viel zu heiß für den Frühsommer. Nach ihm lernt man nach und nach die anderen Bewohner des Hauses Nr. 37 kennen, welches leider nicht in einer der bevorzugten Lage der Metropole steht. Es hat seine besten Zeiten schon lange hinter sich, genau wie die meisten Bewohner. Da ist Frédérique, die im Vorderhaus einen Buchladen betreibt, in dem so gut wie nie ein Buch verkauft wird. Madame Marine ist seit über 30 Jahren die Gardienne und Frisörin des Hauses. César ist Bankangestellter und der Vorsitzende der Eigentümergemeinschaft, seine Frau Chantal Bibliothekarin. Anaïs war früher Kindergärtnerin und hatte ganze Gruppen im Griff – ihre 3 eigenen Kleinkinder sind ihr allerdings zu viel, saugen sie aus. Ihr Mann Paul steht rat- und hilflos daneben.
Alle haben Probleme und Geheimnisse. Bei einigen geht es sogar schon ums nackte Überleben – aber noch verheimlichen sie es. Doch dann zieht in die leere Wohnung ausgerechnet ein junges muslimisches Paar ein und die Angst wird groß: „Das ist das Ende der Welt. ... Wir werden Gefangene in unserem eigenen Zuhause sein.“ (S. 106) Und als kurz darauf ein Terroranschlag die Stadt erschüttert, fühlen sich die Zweifler bestätigt.

Leider konnten mich „Die Leute von Nr. 37“ nicht erreichen, ich hatte etwas anderes erwartet. Ein gemütliches Mietshaus in Paris, Café au Lait, Croissants, Nachbarn die sich streiten und vertragen – das Klischee eben.
Dazu kommt, dass die Handlung genau so träge und langatmig ist wie das heiße, schwitzende Paris. Selbst die wirklich schlimmen Szenen erreichen mich irgendwie nicht - man bleibt seltsam distanziert. Dabei ist es gut, auch mal das andere dreckige wahre Paris der Vorstädte gezeigt zu bekommen, abseits der Touristenzentren mit seinem Ausländerhass, den ganzen Obdachlosen und der hohen Arbeitslosenquote. „Paris soll Spaß machen. ... Dem Postkartenidyll entspricht es nicht. Überall findet man Gewalt, Spannungen oder Ungerechtigkeiten.“ (S. 119)
Auch waren mir einige Handlungsstränge zu vorhersehbar, andere Protagonisten dafür zu verwirrend und ihre Beweggründe nicht nachvollziehbar. Schade, das Potential war da. Leider nur 2 Sterne.