Samstag, 21. Oktober 2017

Tausend Teufel

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 13.10.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 13.10.2017
  • Verlag : dtv Verlagsgesellschaft
  • ISBN: 9783423261708
  • Flexibler Einband 368 Seiten
  • Genre: historischer Kriminalroman 
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"...ich sehe nicht tausend Menschen. Wissen Sie, was ich sehe? Ich sehe tausend Teufel!"

Dem neuen Kriminalroman von Frank Goldammer habe ich schon entgegengefiebert, war ich doch bereits vom Vorgängerroman "Der Angstmann" total begeistert. 

"Tausend Teufel", erschienen am 13.10.2017 beim dtv-Verlag. 
Gelungenes Cover, passend zur Buchreihe! 

Wieder spielt die Geschichte in Dresden. 
Nachdem Oberkommissar Max Heller den Angstmann in den letzten Kriegstagen zur Strecke bringen konnte, ist etwas Zeit ins Land gegangen. Inzwischen ist der Krieg vorbei, und die Alliierten haben die Macht übernommen. 
1947 - ein bitterkalter Winter! Noch immer gleicht die Stadt einem Trümmerfeld, doch die Sowjets haben jetzt hier das Sagen. 
Kurz hintereinander werden zwei russische Offiziere tot aufgefunden. In der Nähe des Tatortes sichtet Heller einen herrenloser Rucksack mit dem abgetrennten Kopf eines Mannes und stürzt sich sogleich in die Ermittlungen. Allerdings sind die sowjetischen Machthaber wenig begeistert, dass sich der Kommissar in ihre Angelegenheiten mischt. 
Wird es Heller trotzdem gelingen, diesen kniffeligen Fall zu lösen?

Nun ja, wenn man als Leser gleich zu Beginn des Romans einen Rucksack mit einem abgetrennten Kopf präsentiert bekommt, könnte man von einem gruseligen Einstieg sprechen. 
Danach wird es erst einmal ruhiger, die Gerüchteküche kocht, aber die Ermittlungen kommen nicht richtig voran. Wer, mit wem, warum und wieso, gilt es zu klären. Der Fall ist ziemlich verworren. 
Genaues Lesen ist vorteilhaft, um alle Zusammenhänge im Detail zu erfassen. 
Gerade in dem Moment, als die Szenerie drohte ein wenig zäh zu werden, thematisiert Goldammer quasi ohne Vorwarnung ein erschreckendes und beklemmendes Szenario , das einem als Leser die Sprache verschlägt. Die Gefühle fahren Achterbahn, denn es geht um das Schicksal von Kindern. Ich war schlichtweg fassungslos und spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte mich die Geschichte total vereinnahmt. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. 
Die Bestürzung hielt übrigens bis zum Schluß an, denn das Ende zwingt den Leser zu neuen Denkanstößen. 
Der eigentliche Kriminalfall ist plötzlich nur noch Nebensache und wird vom Zeitgeschehen und einzelnen Menschenschicksalen überrollt. Alles wirkte auf mich glaubhaft, lebendig und realitätsnah, so dass ich mich gedanklich ins Jahr 1947 versetzt fühlte. Das Stetting ist perfekt. 

Mit Max Heller hat der Autor einen interessanten Charakter geschaffen. Er lässt sich politisch nicht in eine Ecke treiben, so stark der Druck auf ihn auch sein mag, damals von den Nazis nicht und später nicht von den Kommunisten. Er geht seinen eigenen Weg, gradlinig und zielstrebig, obwohl ihm die eine oder andere Zuwendung in Zeiten von Armut und Hungersnot das Leben erleichtern könnte. Das macht Max Heller als Ermittler und Familienmensch für mich so stark und sympathisch. 

"Tausend Teufel" - ein fesselnder Kriminalroman, der das Zeitgeschehen eindrucksvoll widerspiegelt, starke Emotionen hervorruft und lange nachklingt. 
LESEN!!!