Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ich treffe dich zwischen den Zeilen






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.10.2017
  • Verlag : Knaur Taschenbuch
  • ISBN: 9783426520758
  • Flexibler Einband 320 Seiten
  • Genre: Roman
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Heilende Worte

Loveday schreckt die meisten Menschen durch ihr Äußeres erst einmal ab: schwarzgefärbte Haare, Piercings und voller Tätowierungen entspricht sie so gar nicht der Vorstellung einer Angestellten im Antiquariat. Zudem ist sie recht einsilbig und menschenscheu. Aber sie liebt Bücher und ihren Beruf, da bricht ihre raue Schale manchmal auf.
Eines Tages taucht Nathan im Laden auf und lädt sie zum Poetry-Slam ein – endlich findet sie einen Weg, sich auszudrücken, wenigstens einen kleinen Teil von sich preiszugeben. Ihr größtes Geheimnis aber, das Drama ihrer Kindheit, kann sie niemandem anvertrauen, nicht mal ihm „... ich könnte mir niemals sicher sein, ob er mich liebte oder ob er Mitleid mit mir hätte.“ (S. 236) Trotzdem kommen sie sich näher – zu nah für Loveday?
Und dann werden im Antiquariat genau die Penguin-Klassiker abgegeben, die ihre Mutter früher hatte. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht ihre sind?! Auch dass das Kinderbuch, welches plötzlich auf ihrem Arbeitstisch liegt, aussieht wie das ihres Vaters, kann kein Zufall sein ...

Nach dem Klappentext hatte ich eine Liebesgeschichte voller literarischer Anspielungen erwartet, schließlich zieren Lovedays Körper die Anfänge ihrer liebsten Romane und es funkt sofort zwischen Nathan und ihr. Aber je mehr sie sich Nathan öffnet, um so mehr kommen die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend hoch und bruchstückhaft lässt sie den Leser daran teilhaben. Man ahnt bald, in welche Richtung das alles führen wird, aber etwas zu ahnen und es dann zu wissen sind zwei paar Schuhe.

Loveday ist eine gebrochene, introvertierte Persönlichkeit. Sie hat sich in sich zurückgezogen – wenn sie niemanden mehr an sich ranlässt, kann man ihr auch nicht wehtun. Vor Jahren hatte sie einen Freund, dem es ähnlich ging: „Wie mir war ihm sein Leben abhanden gekommen, und auch ihn hatten die Bücher gerettet.“ (S. 106), aber er wurde bald zum Albtraum.
Durch Nathan, der selber auch keine Bilderbuchkindheit hatte, und die auftauchenden Bücher gerät Lovedays Welt aus den Fugen. „All die Jahre hatte ich geglaubt, ich wäre meiner Vergangenheit entkommen. Dabei war es nur eine Frage der Zeit gewesen, dass sie mich aufstöberte.“ (S. 133). Sie muss sich darüber klar werden, ob sie sich weiter verstecken und ihre Erlebnisse verdrängen will oder ob sie damit abschließt und einen Neuanfang startet.
Begleitet wird sie dabei neben Nathan auch von Archie. Der ist Chef, Freund und im wörtlichen Sinne zweifacher Lebensretter in Personalunion. Vor allem rettet er sie vor sich selbst. Archie ist ein echtes Original. Die Geschichten, die er über sein Leben erzählt klingen nicht immer real und würden für mindestens 3 Leute reichen. Aber er ist ein herzensguter Mensch und kann Geheimnisse wahren – ein echter Schatz.

„Ich treffe Dich zwischen den Zeilen“ ist meiner Meinung nach kein Liebesroman. Es ist dramatisch, poetisch, aufwühlend und schmerzhaft – für Loveday und den Leser. Aber es macht auch Mut und vermittelt Hoffnung. Mein Tipp für alle Fans von Mhairi McFarlane´s „Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt“.