Donnerstag, 13. Juli 2017

Jane Austen. Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt


Ein schöner Überblick über Jane Austen, ihre Zeit und ihre Werke


von Holly Ivins


Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (April 2017)
ISBN: 9783421047694
Genre: Sachbuch

Zum Buch


„Ledige Frauen haben einen fatalen Hang dazu, arm zu sein – was doch ein recht starkes Argument zugunsten der Ehe ist.“ (Jane Austen an ihre Nichte Fanny)







Wenn es bloß nicht so schwer wäre, den eigenen Traummann zu finden. Das führt uns Jane Austen in ihren Romanen immer wieder vor Augen. Wie lange brauchte Emma, um zu erkennen, dass Mr. Knightley der Richtige ist? Oder was ist mit Anne Elliot aus „Überredung“? Und wie war das eigentlich damals, zu Jane Austens Zeit? Wann hat sie eigentlich genau gelebt und wie?
Diesen und noch vielen weiteren Fragen geht Holly Ivins Buch „Jane Austen – Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt“ nach. In sieben Kapitel unterteilt beleuchtet sie für uns Jane Austens Leben, ihre Werke und die Zeit, in der sie lebte.

Nach einer kurzen Einleitung geht es zunächst um Janes Leben, ihre Familie und die Bedingungen unter denen sie ihre Romane schrieb - etwas, das in ihrer Zeit für eine Frau als gar nicht schicklich, sondern schon eher als skandalös galt, und weshalb Jane, wie so viele andere auch, anonym veröffentlichte. Besonders spannend fand ich schon ganz zu Beginn die Tatsache, dass wohl niemand mehr genau weiß, wie Jane Austen eigentlich aussah.

Das zweite Kapitel des Buches beschäftigt sich mit der Zeit, in der Jane Austen lebte. Neben einem geschichtlichen Abriss, geht es vor allem um das damalige Gesellschaftsbild und die Etikette in der Regency-Zeit. Rückblickend hat manches auf uns einen gewissen Reiz, während anderes reichlich umständlich erscheint. Während wir persönlich oder online über diverse Social-Media-Kanäle keinerlei Hemmungen haben, auch mit Wildfremden in Kontakt zu treten, so durfte man sich damals nur dann einer unbekannten Person vorstellen, wenn man einen höheren Rang als diese bekleidete. Selbst Gleichgestellte mussten warten, bis der Zeremonienmeister oder ein Bekannter sie einander vorstellte.

Im dritten Kapitel geht es neben den Orten, an den Jane selbst gelebt hat, auch um die Schauplätze in ihren Romanen.

Um den Stellenwert von Romanen (nicht sehr angesehen), die Bedeutung einer Leihbücherei (sehr beliebt) und schreibende Frauen im allgemeinen und Jane Austen im Besonderen, geht es im vierten Kapitel. Dazu gehört auch eine Übersicht, über einige Adaptionen ihrer Werke, sowie Bücher, in denen Jane Austen selbst als Inspiration diente. „Der Jane Austen Club“ von Karen Joy Fowler dürfte vielen Austen-Fans ein Begriff sein, doch wer kennt „Sense and Sesibility ans Sea Monsters“ von Ben H. Winters oder „Persuasion ….in Space!“ von W. Bill Czolgosz?

Das fünfte Kapitel ist ganz Jane Austens Romanen gewidmet und stellt neben einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung vor allem die auftretenden Figuren vor.

Im sechsten Kapitel geht es um Jane und die Liebe – sowohl in ihrem eigenen Leben als auch in ihren Romanen und das letzte Kapitel gibt einen Überblick über einige ausgewählte Verfilmungen, sowohl Fersehadaptionen als auch große Hollywood-Verfilmungen.

Übersichtlich gegliedert beleuchtet das Buch also Jane Austens Leben und ihre Werke aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. So gut und gründlich dies eigentlich ist, ist es dennoch mein Hauptkritikpunkt an Holly Ivins Buch. Dadurch, dass alles aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird, hatte ich immer wieder das Gefühl, den ein oder anderen Punkt doch bereits mindestens einmal gelesen zu haben. 

So lernen wir zum Beispiel in der Übersicht über die Schauplätze, dass Mr. Knightley sein eigenes Haus aufgibt, um zu Emma nach Hartfield zu ziehen, in der Vorstellung seiner Person heißt es, dass er anbietet nach Hartfield zu ziehen, um Emma heiraten zu können und später, im Unterthema „Hochzeitsglocken in Janes Romanen“, wird sein großer Moment als derjenige beschrieben, als er sich bereit erklärt, sein Haus aufzugeben und zu Emma nach Hartfield zu ziehen, um sie heiraten zu können, ohne dass sie ihren Vater allein lassen muss. Auch wenn es immer um andere Aspekte ging, so haben mich diese Wiederholungen, die es nicht nur in Bezug auf Emma und Mr. Knightley gibt, doch immer wieder gestört.


Zudem habe ich am Ende des Buches ein Quellen- und Literaturverzeichnis vermisst. Das ist zwar nicht zwingend notwendig, hätte das Buch für mich jedoch nochmals besser abgerundet. 



Mein Fazit: Abgesehen von der genannten Kritik, war das Buch informativ, übersichtlich und ließ sich leicht lesen. Mir hat es Spaß gemacht, auf diese Weise in Jane Austens Welt einzutauchen und vor allem die regelmäßigen Einschübe, die mal lustiger Natur waren oder einfach nur zusätzliches Wissen am Rande vermittelten, fand ich sehr gelungen. Auf jeden Fall ein tolles Buch für jeden Jane Austen-Fan, in dem es viel zu entdecken gibt und das sich auch für später als Nachschlagewerk anbietet.