Montag, 1. Mai 2017

Liebe und Tod

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 23.11.2016
  • Aktuelle Ausgabe : 23.11.2016
  • Verlag : Europa Verlag
  • ISBN: 9783958900431
  • Fester Einband 336 Seiten
  • Genre: Roman
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Als ich auf der Leipziger Buchmesse am Stand des Europa Verlages dieses Buch im Regal stehen sah, zog mich das Cover magisch an. 

Die Aufmachung des Buches ist ansprechend. Schlägt man "Das Sacher" auf, wird man direkt mit den Charakteren des Romans bekanntgemacht. 

Wer kennt sie nicht, die Sachertorte, ein österreichische Spezialität, die von Franz Sacher im Jahr 1832 kreiert wurde. 
Zur Einstimmung auf den Roman findet der Leser auf den ersten Seiten das Rezept für eine originale Sachertorte und einen kurzen Exkurs über die Entstehung. 

Der Roman beginnt damit, dass Eduard Sacher, der Besitzer des Hotels de l'Opera (das spätere Sacher) im Sterben liegt. 
Er hinterlässt seine Ehefrau Anna und seine drei Kinder. 
Franz Sacher ist wenig begeistert, dass Schwiegertochter Anna das Hotel weiterführen möchte, doch Anna trotzt aller Gegenwehr und geht unbeirrt ihren Weg. 
Marie, ein elfjähriges Mädchen, arbeitet im Hotel und verschwindet plötzlich spurlos auf dem Heimweg. 
Zwei Ehepaare, Georg und Konstanze von Traunstein und Martha und Maximilian Aderhold begegnen sich im Hotel. Eine Begegnung mit Folgen...  
Zum einen ist das Gut Traunstein in Niederösterreich Schauplatz der Ereignisse, zum anderen auch Berlin.
Alles trifft sich im Sacher und so bleibt das Hotel der Mittelpunkt des Geschehens, in welchem alle Handlungsstränge zusammengeführt werden. 
Die Autorin lässt die politischen Ereignisse in Europa und den damit verbundene Untergang der Monarchie mit einfließen. 


Dennoch hatte ich irgendwie etwas anders erwartet. Ich dachte, es sei die Familiensaga der Sachers. Sicher blendet die Story ab und an in das Leben der Anna Sacher und ihrer Kinder, aber meistens werden die Erlebnisse der beiden Paare beschrieben, in die auch die der verschwundenen Marie einbezogen sind. 

Der Roman ist sehr interessant und lässt sich angenehm flüssig lesen. Es geht um Verführung, Sehnsucht und die Suche nach dem eigenen Ich. Auch an Spannung mangelt es nicht. 
Charakterstarke Frauen prägen die Handlung, ob man Martha, Konstanze, Anna oder auch Marie betrachtet. Eher blass gezeichnet scheinen mir die Herren der Schöpfung. 

Der Tod und die Liebe sind Themen, die von jeher die Literatur bestimmen. Rodica Doehnert stellt die beiden quasi als Begleitpersonen ihrer Akteure in die Szenerie und lässt sie so lebendig werden. Damit gibt sie ihrer Handlung den besonderen Effekt. 

Trotzdem wünschte ich mir die Story etwas bildhafter und ausgeschmückter und manchen Charakteren hätte mehr Tiefgang gutgetan. 
Man spürt schon beim Lesen, dass Rodica Doehnert Drehbuchautorin ist. Die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen hätten für meinen Geschmack etwas fließender sein können.  

Insgesamt ist "Das Sacher" ein interessanter und romantischer Lesestoff, der hinter der Kulisse des Untergangs einer alten Welt von der Lust der (süßen) Verführung zu berichten weiß.