Sonntag, 9. April 2017

Die Zitronenschwestern







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 13.03.2017
  • Verlag : Penguin
  • ISBN: 9783328100409
  • Flexibler Einband 448 Seiten
  • Genre: Roman 
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Elettras Mutter Edda liegt seit 1 Jahr im Koma, die Familienbäckerei ist inzwischen Bankrott und Elettra weiß nicht, wie es weitergehen soll. Da findet sie in den Sachen ihrer Mutter eine Fahrkarte zur Isola del Titano. In dem dortigen Kloster Santa Elisabetta hat ihre Mutter anscheinend viele glückliche Jahre verbracht, leider hat sie nie darüber gesprochen – genau so wenig wie über Elettras Vater.

Auf Titano angekommen muss Elettra feststellen, dass die Bewohner der Insel merkwürdig, geheimnisvoll und sehr schweigsam sind. Das Kloster wurde längst aufgegeben, es scheint unbewohnt. Aber dann stellt sie fest, dass noch mindestens drei junge Frauen dort autark leben: Lea, Dominique und Nicole. Außerdem hört sie immer wieder Stimmen und Schritte – Geister, der Wind??? Trotzdem nimmt Elettra Leas Angebot an und bleibt im Kloster. Sie meint nämlich, ihre Mutter dort spüren zu können, ihrer Herkunft endlich näher zu kommen. „Jeder kommt an dem Ort an, den das Schicksal für ihn bestimmt.“ (S.40) Und sie will dem Geheimnis unbedingt auf den Grund gehen, aber die Bewohner schweigen. Überhaupt – angeblich kann sich niemand auf der Insel an Edda erinnern ...
Aus der geplanten Kurzreise werden Monate. Ihre Freundin bittet sie, endlich wieder heimzukommen: „Irgendwann muss man die Vergangenheit loslassen, spätestens, wenn sie die Gegenwart zu bestimmen droht.“ (S. 161), aber Elettra fühlt sich im Kloster und auf der Insel heimisch.

„Die Zitronenschwestern“ war für mich kein einfaches Buch. Die Geschichte war mir stellenweise zu mystisch und erinnerte stark an „Chocolat“ von Joanne Harris. Während dort der Duft der Schokolade die Menschen verführt, ist es hier der Duft von Eddas Anisbrötchen und der überall wachsenden Zitronen, welcher Elettra auf die Insel führt und dort festhält. Außerdem störte mich, dass die Witwen der verunglückten Seefahrer als ausgestoßen gelten und sich am liebsten in Luft auflösen sollten. M.E. ist nicht unüblich, dass Frauen ihre Männer überleben?!

Elletras „Mitbewohnerinnen“ im Kloster sind sehr verschieden und tragen an ihrem eigenen Kummer. Lea wuchs als Waise im Kloster auf, aber inzwischen gehört es ihr. Sie war immer die Ausgestoßene und genießt jetzt ihre Führungsposition. Nicole und Dominique gehören zu den unerwünschten (jungen) Witwen. Beide lassen niemanden wirklich an sich heran, Nicole auf nette Art, während Dominique sehr verschlossen, abweisend und regelrecht verbissenen ist. Aber letzten Endes ergänzen sich die 4 Frauen perfekt.
Isabelle Fouchett, die uralte Inselhebamme, ist ebenfalls regelmäßig im Kloster zu Besuch und hilft, wenn es brenzlig wird bzw. mischt sich immer dann ein, wenn Elettra kurz vor der Aufdeckung des Geheimnisses zu stehen scheint. Ihre Verbindung zu Eddas Vergangenheit bleibt lange nebulös.
Das Geheimnis um Elettras Vater wird dann nach 2/3 des Buches - mit für mich viel zu pathetisch und zu viel Drama - aufgelöst und war nicht mehr wirklich überraschend. Außerdem wäre diese Aufdeckung für mich das ideale Ende des Buches gewesen, aber Valentina Celebni klärt noch das letzte Fitzelchen Ungereimtheiten auf und zieht das eisern bis zum Happy End durch.