Donnerstag, 6. April 2017

Die Villa am Meer







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 20.03.2017
  • Verlag : Goldmann
  • ISBN: 9783442485956
  • Flexibler Einband 576 Seiten
  • Sprache: Deutsch 
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Warnemünde um 1900: Katharina entscheidet sich gegen ihren heimlichen Verlobten Joachim. Er hat nie offiziell bei ihrem Vater um sie angehalten und geht auf eine zweijährige Schiffsreise, die für seine weitere Kariere wichtig ist – so lange will sie nicht warten. Stattdessen heiratet sie kurz entschlossen den 20 Jahre älteren Hofkorbmacher Olaf Borchers. Er bietet ihr ein ruhiges und sicheres Leben.
Fünf Jahre später hat Katharina zwei Söhne geboren, fühlt sich ansonsten aber überflüssig. Ihrem Mann geht es nur noch um den gesellschaftlichen Aufstieg. Seine Frau hat hübsch auszusehen und zu repräsentieren, von einer Mitarbeit in der Firma hält er nichts. Dabei ist ihr Plan wirklich revolutionär. Anstatt die Strandkörbe nur herzustellen und zu verkaufen, könnten sie diese auch selbst am Strand aufstellen und vermieten.
Joachim hat inzwischen Greta geheiratet. Diese entstammt einer ehemals reichen Familie und erhofft sich von ihm ebenfalls ein sicheres Leben und den gesellschaftlichen (Wieder-)Aufstieg – wenn er nur endlich Kapitän wird. Sie bringt gerade ihre Tochter zur Welt, als Joachim verunglückt und Gretas Pläne zerschellen ...

„Die Villa am Meer“ erzählt die Geschichte der Seebäder (und des Strandkorbverleihs) aus der Sicht zweier Frauen: Katharina, einer reichen Unternehmergattin, und Greta, einer Frau mit Ambitionen. Beide sind nicht glücklich, hatten sich ihre Ehen und das Leben anders vorgestellt.

Katharina ist eine moderne Frau und damit unbedingt nicht ihrer Zeit, aber zumindest ihrem Mann weit voraus. Sie sieht sich nicht nur als Hausfrau und Mutter – zumal ihr Mann eine langjährige Geliebte hat – sondern will sich selbst verwirklichen, ein eigenes Geschäft aufziehen. Und der Erfolg gibt ihr letzten Endes Recht, der Strandkorbverleih läuft sehr gut. Aber je erfolgreicher sie wird, desto mehr entfremdet sie sich von den Vorstellungen ihres Mannes für seine Frau. Er kommt damit nicht zurecht, flüchtet sich in die Arme seiner (altmodischen) Geliebten, die seiner Rollenvorstellung nur zu gern entspricht, und in immer gewagtere Spekulationen.

Greta hingegen sieht den gesellschaftlichen Aufstieg schon vor sich, als Joachims Unfall ihre Pläne zunichte macht. Aber auch, als Katharina Joachim einen sehr guten Job anbietet, ist sie nicht glücklich. Sie weiß, dass zwischen ihnen mal etwas war und torpediert mit ihrem jahrelangen Misstrauen ihre Ehe.

Die Handlung ist fast ein Kammerspiel, getragen von den 2 Frauen und ihren Männern. Ihre Dynamik bestimmt das ganze Buch. Die anderen Figuren sind für den Roman zwar auch wichtig, bleiben aber am Rand und nehmen von dort Einfluss auf die Handlung. Das habe ich so noch nie bewusst wahrgenommen, aber es funktioniert hier ausnehmend gut.

Micela Jary erzählt in „Die Villa am Meer“ eine sehr spannende und unterhaltsame Geschichte mit viel Ostseeflair – ein echter Sehnsuchtsroman.