Samstag, 22. April 2017

Die Festung am Rhein







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 16.03.2017
  • Verlag : Bastei Lübbe
  • ISBN: 9783404175192
  • Flexibler Einband 607 Seiten
  • Genre: Histo / Krimi / Liebe
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Leben gegen Leben
1815 wird nach der Schlacht bei Waterloo ein preußischer Leutnant schwer verwundet von einem französischen Offizier gefunden. Schon mit seinem Tode rechnend ist er erstaunt, dass dieser ihn mit den Worten: „Ein Kampf um Freiheit, der zu einem Kampf um Macht wurde.“ (S. 293) am Leben lässt.

1822 entsteht in Coblenz die Festung Ehrenbreitstein. Bei dem Bau werden neue Verfahrensweisen und Materialen getestet. Selbst der Bauplan ist geheim, die Arbeiter bekommen täglich nur einen Auszug davon. Deshalb ist der Ingenieur Premierleutnant Rudolph Harten auch sauer, dass immer wieder Besucher über die Baustelle geführt werden. Als dann herauskommt, dass ein Teil der Baupläne verschwunden ist, macht sein Vorgesetzter Capitain von Rülow ihn dafür verantwortlich. Rudolph soll die gestohlenen Pläne wieder auftreiben, sonst wird er abgesetzt – dabei lebt er für dieses Projekt. Noch ohne sein Zutun wird der Halbfranzose Christian wegen des Diebstahls verhaftet, ohne dass man allerdings Beweise bei ihm findet. Rudolph ist irritiert, dass Christian beharrlich leugnet, und beginnt ihm zu glauben – ist er evtl. wirklich unschuldig? Aber wer war es dann und vor allem warum?
Auch Christians Schwester Franziska ist von dessen Unschuld überzeugt. Franziska und Rudolph versuchen zuerst getrennt, die wahren Schuldigen zu finden, merken dann aber schnell, dass sie zusammen mehr erreichen können und kommen sich dabei näher, als gut für sie ist.

Vor dem Hintergrund des Baus der ersten deutschen vollständig neu geplanten Festungsanlage und einer tollen landschaftlichen Kulisse erzähl Maria W. Peter eine interessante Spionage- und Liebesgeschichte.
Franziska und ihr Bruder Christian sind als Halbfranzosen und Katholiken Außenseiter, denn die Preußen sind evangelisch. Zudem versucht die preußische Regierung, den Geist der französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) wieder einzudämmen. Franziska und Rudolph könnten also verschiedener nicht sein und trotzdem fühlen sie sich zueinander hingezogen. Leider war es mir stellenweise etwas zu viel Verzweiflung Drama um die zwei. „Wir alle tragen die Narben dieses Krieges. ... Und es gibt keinen Grund, den alten Wunden auch noch neue hinzuzufügen ...“ (S. 264)
Auch die Spionagegeschichte ist zwar interessant, aber für mich nicht spannend genug aufgebaut. Mir war schon nach ca. 100 Seiten klar, wer da alles mit drin hängt.
Leider habe ich mich auch mit dem Anfang des Buches etwas schwer getan. Da ich die Gegend und die Festung nicht kenne, fand ich die sehr ausführlichen Beschreibungen etwas ermüdend, da hätte die Story etwas mehr Tempo vertragen können. Aber die Landschaftsbeschreibungen haben viel wettgemacht.

Mich hat „Die Festung am Rhein“ nicht durchgängig überzeugen können. Ich denke aber, dass jemand, der einen Bezug zu der Gegend oder Festung, hat dem Buch deutlich mehr abgewinnen wird.