Montag, 5. Dezember 2016

Liliane Susewind: Ein Eisbär kriegt keine kalten Füße

von Tanya Stewner


  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (13. Oktober 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3737340005
  • ISBN-13: 978-3737340007
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren
  • Genre: Kinderbuch

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Dies ist der 11. Band der Lilliane Susewind Reihe, die zu Recht ein Dauerbrenner ist. Die Bände müssen nicht zwangsläufig in der chronologischen Reihenfolge gelesen werden, um sie zu genießen.
Lilliane Susewind ist inzwischen 11 Jahre alt. Seit bekannt wurde, daß sie mit Tieren sprechen kann, war der Presserummel um sie groß und sie ist noch immer fotoscheu. Doch langsam bessert es sich und sie kann sich wieder freier bewegen.
Während der Hochzeitsvorbereitungen der Zoodirektorin Evelyn Essig-Steinmeier und dem Tierparkdirektor Herrn Grimm-Hartmüller stehen auf Hochtouren laufen, kommt ein Hilferuf eines anderes Zoos an: Das Eisbärenkind Milky hat seine Mutter infolge einer Krankheit verloren und ist nun verwaist. Eisbärenmänner scheren sich nicht um den Nachwuchs, könnte dann nicht der Zoo, in dem die berühmte Tierdolmetscherin Lilliane Susewind arbeitet weiterhelfen? Eisbärenkinder sind in Zoos sehr beliebt, doch ihre Aufzucht ist schwierig! Aber natürlich will Lilli dem Kleinen in Not gerne helfen. Allerdings entpuppt der sich als eisgezeichneter Frechdachs! Er ist wild und liebt es zu kitzeln. Seine Energievorräte scheinen unerschöpflich!
Auch der neue Tierarzt Dr. Schrummfinkel ist von Milky ebenso fasziniert wie von den Ligern und den Hängebauchschweinferkeln. Ständig macht er irgendwelche Fotos, was nicht nur Lilli nervös macht. Selbst die Tiere mögen ihn nicht, was stört sie nur so sehr?

Meine Töchter 9 und 7 Jahre alt, waren wie auch alle anderen Mädels dieser Leserunde hellauf begeistert! Klar, sie sind eindeutig die Zielgruppe. Auch wenn mit dem hochbegabten gutaussehenden total beliebten Jesajah ein Junge eine zentrale Figur einnimmt, dies ist eindeutig ein Mädchenbuch. Das läßt sich aber auch schon an dem zuckersüßen Cover entnehmen. Ja, denn die Geschichte ist auch süß, aber nicht unerträglich süß, sondern genau richtig. Denn in ihr steckt noch viel mehr! Es ist teilweise so spannend und dramatisch, daß meine Töchter ganz still wurden und mich nur noch mit großen Augen ansahen. Die Kleine hatte Tränen in den Augen und unerträglich spannend und auch ungerecht fand sie das Geschehen. Da das Buch ab 8 Jahren zum Selberlesen empfohlen wird, gibt es natürlich ein wirklich glückliches Ende.
Sehr lustig fanden die Mädchen, wie Milky den Tierarzt in Schrumpf-Pinkel umtaufte, überlegten uns, daß Schlumpf-Pinkel auch lustig wäre und so wurde auch die Sprachkreativität angeregt. Milky ist zwar ein ganz Wilder, hat aber im Nu die Herzchen der Kinder erobert! Sein höchstes Lob eisgezeichnet ist bei uns ebenso in den alltäglichen Sprachgebrauch über gegangen wie: „Oh, wie schön, ich habe kalte Füße!“  Nebenbei erfahren die jungen Leser natürlich auch einiges über die jeweiligen Zootiere. Eisbärenmänner kümmern sich nicht um den Nachwuchs. Ein Punkt über den wir bis dato nie nachgedacht haben. Die Kinder eines männlichen Löwen und eines weiblichen Tigers heißen Liger und gibt es tatsächlich (das mußten wir doch nachschauen!). Das Buch dreht sich um Freundschaft, Verantwortung und Hilfsbereitschaft für Tiere und daß man auch mal was wagen muß. Nicht zuletzt stellt Lilli auch fest, wie sehr sie an ihrer Gabe hängt und daß sie gar nicht mehr traurig darüber ist, daß sie nicht so ist wie andere Mädchen. Wir finden es auch toll, daß Lilli anders ist! Sonst hätten wir nicht so mit ihr gebibbert, gelacht und mitgefiebert!
Die Bilder sind wunderschön, aber eher sparsam über das Buch verteilt. Zusammen mit den Vignetten zum Kapitelanfang gaben sie aber den Kindern viel zu schauen und zu entdecken. Die genauere Betrachtung der ganzseitigen Illustrationen lohnt sich auf jeden Fall!
Die Schrift ist angenehm groß und für geübtere Leseanfängerinnen (wegen des Umfangs von rund 200 Seiten) sehr schön zu lesen. Die Satzlängen sind jetzt nicht banal, aber auch nicht zu kompliziert. Der Stil ist nicht gedrechselt, sondern abwechslungsreich, so daß ich als vorlesende Mutter auch richtig meinen Spaß an dem Buch hatte und bereitwillig noch mehr Liliane Susewind Bände vorlesen werde (ja, es gibt auch Bücher, die ich mich weigere vorzulesen, da ich mich nicht beim Vorlesen langweilen mag!).

Fazit: 
Die zwei Zuhörerinnen und die Vorleserin vergeben einstimmig 5 von 5 Sternen mit ganz klarer Leseempfehlung!