Montag, 7. November 2016

Schon Wieder? Weihnachten bei Familie Thalbach





Erscheinungsdatum Erstausgabe : 31.10.2016 
Verlag : Random House Audio 
ISBN: 9783837134629 
Audio CD 
Genre: Weihnachten

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Bei Weihnachten mit Familie Thalbach mußte ich sofort an Loriots Familie Hoppenstedt denken, da konnte ich einfach nicht nein sagen, das Hörbuch mußte bei uns Einzug halten! Nun habe ich auch die völlig unbedeutende Frage geklärt, ob es nach Katharina und Anna noch eine weitere Generation gibt (ja, Anna’s Tochter Nellie) und gelernt, daß Pierre Besson der Bruder der unvergleichlichen Katharina Thalbach ist. Den Hund konnte ich mir in dieser Hörbuchkonstellation mit Texten von Herbert Rosendorfer, Charles Dickens, Joachim Ringelnatz, Theodor Sturm und Marie Luise Kaschnitz nicht so ganz vorstellen. Den Schimmelreiter kenne ich ja, aber einen Weihnachtshund?
Außerdem heißt es bei uns alle Jahre wieder: Dani hast Du nicht mal wieder eine schöne Weihnachtsgeschichte, die der Papa auf dem Adventskaffee der Nachbarschaft vortragen kann? Ganz klar, ich brauchte dringend diese CD.
Was da wohl auf uns zu kam? CD an: Also, mit Familie Hoppenstedt haben die Thalbachs nichts gemein. Hundsgemein ist die Geschichte des Weihnachtsdackels von Herbert Rosendorfer schon. Wer den Humor von dessen Ballmanns Leiden, oder Lehrbuch des Konkursrechts mag, der mag auch den Weihnachtsdackel. Auch „Engel gefällig“ von Hans Dieter Hüsch ist ein Gedicht mit einem Augenzwinkern auf die Verkitschung und Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes. Alles in Allem sind die Texte aber durchaus besinnlich und unkitschig. Bis auf den Auszug aus Charles Dickens Weihnachtsgeschichte sind sie übrigen Texte auch nicht so bekannt, wobei man auch die Schilderung des Weihnachtsfestes im Hause Cratchit nicht als abgedroschen bezeichnen kann. Am besten gefielen mir die erste (Alle Jahre weider von Marie Luise Kaschnitz)  und die vorletzte Geschichte (Der allererste Weihnachtsbaum von Hermann Löns), wobei letztere etwas märchenhaft war und sicher auch Kindern gefallen könnte.
Da einige der Texte schon ein paar Jährchen alt sind, stellte sich bei mir auch die Frage nach Weihnachtsbräuchen und wie es zu diesen kam. Das fand ich sehr interessant und regte mich zum Nachforschen an.
Man muß wirklich sagen, Familie Thalbach sind Vollblutschauspieler. Sie beherrschen ihr Handwerk und sprechen die Texte mit der jeweils passenden Betonung. Anders als es das Cover vielleicht vermuten läßt, handelt es sich nicht um Klamauk zur Weihnachtszeit. Über Weihnachten als Fest der Liebe wird sich nicht lustig gemacht, aber bisweilen schon über die Leute, die es zu irgendetwas verkommen lassen, was mit Weihnachten nichts mehr gemein hat. Es sind durchaus weihnachtliche Texte, allerdings eher für Erwachsene, des intellektuellen Anspruchs wegen, nicht wegen einer etwaigen Schlüpfrigkeit. Wer übrigens auf Hund Ziggi wartet, muß sich ein wenig gedulden, denn er bellt den Abschlußweihnachtsgruß, wenn ich sein Gebell richtig verstanden habe.
Für den Adventskaffee hat mein Vater jedoch eine andere Geschichte gewählt, deren Länge er passender fand, diese hier waren ihm zu kurz oder zu lang. Doch stellt dies für mich kein Bewertungskriterium dar.
Die CD mit einem Bild von Hund Ziggi im blinkenden Stoffgeweih ist wirklich schön gestaltet (Tiere und Kinder ziehen immer!). Allerdings wäre es schön gewesen, wenn bei der Trackliste auch die Dauer der Titel angegeben wesen wäre. So mußte ich die CD in den Computer legen, um meinem Vater dies als Richtschnur für seine Textauswahl zur Hand zu geben. Die Papphülle ist in weihnachtlichen tannengrün gehalten und faßt im Klappdeckel die Familienmitglieder ohne Hund und ihre bekanntesten Auftritte zusammen. Bei Nellie Thalbach unterlief leider ein kleiner Tippfehler. So gehe ich entgegen des Klappentextes davon aus, daß sie 2016 unter der Regie ihrer Großmutter in dem Stück „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams mitspielte. Aufgrund der Buchstabendreher mußte ich kurz nachdenken ;) Dem Hörgenuss tat das aber keinen Abbruch, es weckte nur meine Hirnzellen.
Eine durchaus nicht ganz gewöhnliche Mischung aus heiteren, besinnlichen und schwarzhumorigen Weihnachtsgeschichten. Hervorragend vorgetragen vom Thalbach-Clan dem ich gerne 4 von 5 Sternen verleihe.
Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses leicht schräge Vorweihnachtsrezensionsexemplar beim Bloggerportal.