Dienstag, 8. November 2016

Die Finstersteins: Wehe, wer die Toten weckt

von Kai Lüftner




  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Coppenrath; Auflage: 1 (6. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3649619083
  • ISBN-13: 978-3649619086
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 - 11 Jahre


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Der 11-jährige Fred ist mit Baba, der besten Mutter der Welt, von einem kleinen Dorf an der See nach Berlin Köpenick gezogen. Baba hat dort eine Stelle als Friedhofswärterin/-Gärtnerin mit Dienstwohnung neben der Friedhofskapelle des Waldfriedhofs angetreten. Besonders die 12 Familiengruften am hinteren Rand des Friedhofs faszinieren Fred, der abends schon mal die Runde über den Friedhof macht, um nach dem Rechten zu schauen. Besonders Gruft Nr. 7 der Familie von Finsterstein zieht ihn an, denn diese sieht älter aus als der Friedhof, der aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts stammt.
In der Schule machen Aaron Bärbach und seine „Orcks“ Fred als dem Neuen das Leben zur Hölle. Einzig der noch seltsamere aber geniale Franz Ferdinand will mit ihm befreundet sein und der ist irgendwie so schräg, daß er schon wieder richtig cool ist. Nachdem Fred die Gruft der von Finstersteins heimlich betritt,  findet er ein uraltes Schriftstück dessen Rätsel Franz Ferdinand natürlich knackt. Als Fred unabsichtlich durch die alte Schriftrolle die seit über 400 Jahren verschollenen Von Finstersteins erweckt, wird es so richtig gruselig schräg und Fred braucht dringend einen Freund. Die Bärbachs haben es jetzt nämlich nicht nur auf ihn abgesehen…
Optisch besticht das Buch erstmal mit seinem gelben Buchschnitt, aber auch das Cover ist ein Hingucker! Zahlreiche kleine Spinnen und Fledermäuse über die Seiten verteilt lassen unterstreichen die schräge Gruselstimmung und die übrigen Illustrationen kommen witzig auf den Punkt.
Hierzu kommen noch die optisch dargestellten Chatverläufe zwischen Franz Ferdinand alias The Doppel-F-Defender als Chatmaster und Fred, der von Franz Ferdinand stets andere absurde Nicknames erhält. Auf die lohnt es sich echt zu achten! Die kleinen feinen humoristischen Spitzen, die aber auch für Kinder verständlich sind, kamen bei uns besonders gut an und sie mildern auch die Härte der Orcks ab.
Da es Band 1 einer Reihe ist, dauert es eine gewisse Zeit, bis alle Beteiligten und Örtlichkeiten eingeführt sind. Diese sind aber teilweise so herrlich absurd, daß es sich nicht zieht, bis die angekündigten von Finstersteins endlich auf den Buchseiten auftauchen. Auch wenn die von Finstersteins herrlich gruselig schräg sind, mit Bohrerprothese und Leistenkrokodil Peppi als Haustier. Mein wahrer Held bleibt der totale Anti-Held Franz Ferdinand, wobei ich Fred ja auch schon sehr cool finde.
Es ist wirklich toll, was diese freakigen Jungs mit Herz und Humor sich so alles einfallen lassen, obwohl Aaron und seine Orcks ihnen mehr als nur übel mitspielen, während alle Aufsichtspflichtigen wegschauen. Dies ist ein Mysterium, das sich vielleicht in den Folgebänden auflöst, denn auch bei den Orcks fragt sich Fred bisweilen, ob sie Aaron aus eigenen Stücken unterstützen.
Der Autor Kai Lüftner Jahrgang 1975 hat nach dem Sozialpädagogikstudium u.a. als Streetworker und Kabarettist gearbeitet, ehe er sich nun seinen Lebensunterhalt als Kinderbuchautor und Hörbuchregisseur verdient. Der Streetworker macht sich in diesem Buch bemerkbar. Aaron und die Orcks sind echt brutal und alle schauen weg. Das entspricht nicht unbedingt dem Weltbild aller belesenen behüteten Familien, aber eben leider oft der Realität. Für ein Kinderbuch finde ich das aber durchaus vertretbar, eben durch den Kontrast, zu den beiden „Guten“. Die zwei herrlichen Freakt Fred und Franz-Ferdinand reagieren nicht mit sich hochschaukelnder Gewalt, sondern mit Mut, Köpfchen und Hilfe aus der Gruft.
Das Ende der Geschichte läßt einige Fragen offen, denn Band 2 ist bereits fertig und Band 3 wird wohl gerade illustriert. Dennoch finde ich den Knaller am Ende so originell, daß es mich nicht stört, sondern wir mit einem zufriedenen Grinsen das Buch schließen konnten. Es zeichnet sich nicht nur durch einen sehr witzigen, sondern auch sehr flüssigen und in sich schlüssigen Schreibstil auf. Dies fiel mir umso mehr auf, als mich in der letzten Zeit genau dieser Punkt bei anderen Büchern bisweilen störte.
Da meine Tochter sich unbedingt in den Kopf gesetzt hat, dieses Buch an Halloween zu lesen und nicht früher, wurde es uns erst einmal von einer Freundin vom Tisch geschnappt. Anders als wir, war sie mit dem Ende nicht ganz zufrieden. Sie fand das Ende zu abrupt. Ja, es kommt recht schnell, aber der eigentliche „Fall“ ist vorläufig beendet und wie Familie von Finsterstein das findet, erfahren wir sicher im Folgeband. Für uns einfach ein Cliffhanger der unsere Spannung auf Band 2 steigert.


Daher trotz einiger Punkte die vielleicht nicht jedermanns Geschmack treffen, von uns 5 von 5 Sternen mit einer Empfehlung für Jungs und Mädchen ab 9 Jahren.