Mittwoch, 19. Oktober 2016

Crime & Psycho


Ein Raum voller Bücher, viele Menschen und vorne steht ein gefesselter und geknebelter Mann. Wo bin hier gelandet?


Ganz eindeutig: in der Buchhandlung Wolf in Bruchsal. Im Rahmen der 3.bruchaler Lesezeit gab es eine ganz besondere Veranstaltung. Frau Wolf, die Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung, hatte an diesem Abend die Autoren Ivonne Keller und Daniel Holbe zu einer gemeinsamen Lesung eingeladen. 

Während Frau Keller mit psychologischen Spannungsromanen ihre Leser begeistert und die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt stellt, so schreibt Daniel Holbe nicht minder spannende Krimis. Fans dieses Genres dürfte er als der Autor bekannt sein, der nach Andreas Franz‘ plötzlichem Tod, dessen literarisches Erbe fortführt. Wie er selbst sagt, war es eine große Herausforderung, als Droemer Knaur ihm anbot, den bereits begonnenen zwölften Krimi der Reihe um Julia Durant zu beenden. Doch der Erfolg gab ihnen Recht und so ist mit „Der Fänger“ in diesem Jahr inzwischen der 16. Band erschienen, in denen die erfolgreiche Kommissarin ermittelt. Zudem veröffentlicht Daniel Holbe auch unter eigenem Namen Krimis.

Bei Ivonne Kellers Romanen spielt die Polizei hingegen keine allzu große Rolle. Ihr geht es um die betroffenen Menschen und sie ist fasziniert von der Frage, was in den Menschen vor sich geht, die kurz davor sind durchzudrehen. So ist auch Angst das große Thema ihres neuen Romans „Unglücksspiel“. Drei Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, stehen im Vordergrund und jede hat mit ihren eigenen Ängsten zu kämpfen.

Zwei ganz unterschiedliche Bücher, eine Lesung. Wie es dazu kam, ist dennoch schnell beantwortet. Als sich die Autoren vor zwei Jahren auf der Buchmesse kennenlernten und bei einer denkwürdigen Heimfahrt das Taxi teilten, war schnell klar, dass sie auf einer Wellenlänge liegen und gerne gemeinsam etwas auf die Beine stellen würden.
So entstand das Programm zu einem spannenden und lustigen Abend, in dem die beiden nicht nur aus den jeweiligen Büchern lesen, sondern auch allerhand andere Dinge erzählen – oder halt vorführen. Daniel Holbe wollte für seinen Krimi wissen, ob, beziehungsweise wie schnell, sich ein Opfer befreien kann, wenn es mit Gürtel und Klebeband gefesselt und geknebelt wurde. Wie wir feststellen durften dauert es gar nicht so lange. Es empfiehlt sich also im Falle eines Falls eine andere Fesselungstechnik anzuwenden… 

Auch sonst gab es viel zu lernen. Frau Keller verfasst ihre Romane zum Beispiel nicht in den heimischen vier Wänden, sondern bevorzugt die örtliche Bibliothek. Daneben ist für sie auch die S-Bahn ein toller Ort zum Schreiben. Gut, dass es Monatsfahrkarten gibt. So kann man notfalls stundenlang mit der Bahn hin-und herfahren.

Als besonderes Bonbon für das Publikum haben die beiden jeweils eine Schlüsselszene aus dem Buch des anderen vorgelesen. Das Besondere daran: die Szene ist für das jeweilige Buch nicht übermäßig wichtig, doch sie beruht auf einem gemeinsamen Erlebnis der beiden. Wer herausfinden will, um welche Szene es sich handelt, besucht am besten selbst eine Lesung der beiden. Oder wer beide oder eines der Bücher schon kennt: ihr dürft gerne die Kommentarfunktion zum Spekulieren nutzen.


Gegen Ende der Lesung hatte Frau Wolf noch eine tolle Idee: eine Interviewlotterie. Aus einer Schüssel mit einfachen (?) Entweder-Oder-Fragen durften die Autoren je zwei Zettel ziehen. Bei der Frage nach Kaffee oder Tee waren sich beide noch einig (Kaffee!), aber bei der Entscheidung zwischen Strand oder Städtetripp, war Frau Keller überrascht, dass ihr Kollege sich sofort an den Strand wollte. Beinahe zähneknirschend entschied sich Daniel Holbe dann noch für das Schwimmen mit Haien, während Ivonne Keller kurzerhand beschloss zu krank für Haie oder Bungee-Jumping zu sein. 

Zum Abschluss wurde noch fleißig signiert und danach waren Daniel Holbe und Ivonne Keller bereit, mir noch ein paar Fragen zu beantworten, die nicht schon zuvor zur Sprache kamen. Denjenigen von Euch, die regelmäßig bei uns vorbeischauen, dürften die Fragen bekannt vorkommen…

Können Sie sich vorstellen mal in einem ganz anderen Genre zu schreiben?
Ivonne Keller: Unter dem Pseudonym Alice Golding veröffentliche ich bereits romantische Komödien.

Daniel Holbe: Ja, auf jeden Fall.

Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?
Daniel Holbe (lacht): Reich, berühmt, gutaussehend… 
 
Ivonne Keller (lacht noch mehr): Die seh ich nie, die hängt dauernd mit dem Holbe ab. 

Wie würden Ihre Feinde Sie beschreiben?
Ivonne Keller: Hat immer das letzte Wort.

Daniel Holbe: Ist die Frage ernst gemeint? Natürlich auch reich, berühmt… Oder ebenfalls: Hat immer das letzte Wort.
 
Erinnern Sie sich an Ihr erstes selbst gelesenes Buch? Wenn ja, welches Buch war es?
Ivonne Keller: Die vornehme Katze Suleika.

Ivonne Keller wusste sogar noch, dass es in Schreibschrift geschrieben war sie das Buch wohl im Jahr 1976 gelesen hat. Das hat mich beeindruckt, denn mal Hand aufs Herz: wer von euch kann sich noch so genau erinnern? 

Daniel Holbe: Tom Sawyer. Das war zwar nicht das erste, aber das, was mir immer noch im Gedächtnis ist.
 
Gibt es eine Figur aus Ihren Büchern, mit der Sie sich liebend gerne mal auf einen Kaffee zusammensetzen würdest?
Ivonne Keller: Eigentlich habe ich das Gefühl, ich hätte schon mit allen einen Kaffee getrunken. Aber besonders mit Silvie aus „Hirngespenster“ würde ich mich gerne treffen.

Daniel Holbe: Ich habe schon mit Julia Durant telefoniert. Mehr geht nicht.

Telefoniert?

Ja, Julia Fischer, die Sprecherin der Hörbücher, rief mich an. Ihre Stimme ist für mich einfach die von Julia Durant.

Nachdem Sie beide während der Lesung so gut harmoniert haben, hat sich mir regelrecht die Frage aufgedrängt, ob sie sich vorstellen könnten, gemeinsam ein Buch zu schreiben. 
Ivonne Keller: Herr Holbe und ich haben schon mal eine Kurzgeschichte zusammen geschrieben. Sie heißt Bitter & zart und ist in der Anthologie "Törtchen Mördchen" erschienen. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und ich würde es jederzeit wieder tun. Auch bei einem Roman würde ich nicht grundsätzlich nein sagen, allerdings haben wir beide noch so viele Ideen für eigene Projekte, dass ich gar nicht weiß, wann wir das noch machen sollten. Aber "sag niemals nie".

Daniel Holbe: Kurzgeschichten fast immer. Die kriegt man am ehesten mal unter zwischen den großen Buchprojekten. Aber ein gemeinsames Buch, am liebsten etwas Skurriles im Krimibereich, das wäre schon eine besondere Herausforderung. Irgendwann bekommen wir das hin - WENN das Universum uns zur selben Zeit eine Lücke beschert. Also stimme ich vollkommen überein mit meiner werten Kollegin: Sag niemals nie ;-) 

Ich bin gespannt... 
An dieser Stelle darf ich mich nochmals bei Ihnen bedanken, dass Sie spontan bereit waren ein kurzes Interview für unseren Blog zu geben. Herzlichen Dank.

Mein weiterer Dank geht an Frau Wolf, denn ohne sie hätte es dieses Interview nicht gegeben. Also auch an Sie: Vielen herzlichen Dank.


 
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Mein Fazit des Abends: Ich durfte zwei wunderbare und sympathische Autoren kennenlernen und hatte einen rundum gelungenen Abend mit spannenden Einblicken und Anekdoten. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen eine Lesung der beiden zu besuchen, wenn sie mal in Eurer Nähe sind.