Montag, 10. Oktober 2016

Blätterrauschenl

von Holly-Jane Rahlens


  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 3 (27. Februar 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499216868
  • ISBN-13: 978-3499216862
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren
  • Genre: Jugendbuch 

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Dies ist Band 1 einer Reihe, die mit Federflüstern fortgesetzt wird.

Blätterrauschen ist die Buchhandlung von Cornelia in einem zentral gelegenen Kiez im heutigen Berlin, in der es neben ausgewählten Büchern auch die unterschiedlichsten Bonsais gibt. Alle zwei Wochen findet im Hinterzimmer der Buchhandlung eine Jugendleserunde statt. Jedes der Kinder/Jugendlichen erhält einen speziell zu ihm passenden Bonsai zur Pflege. Eines Nachmittags im Spätherbst sind nur der 13 jährige Zeichner Oliver, die 13 jährige wunderschöne Rosa, die seit einem Unfall eine Handprothese trägt und die 12 jährige pummelige aber hochintelligente Iris zur Leserunde in ihrem Wohnblock. Die Buchhandlung liegt nämlich in einem typischen Berliner Stadthaus mit Vorderhaus, Hinterhaus und großem Hof mit Garten, Gartenschuppen und Hausmeister (das ist theoretisch Olivers Vater, tatsächlich machen die Arbeit aber Oliver und seine Mutter). Plötzlich wird es draußen ganz still, ebenso still wie in der Buchhandlung und im Hinterzimmer. Kein Laut ist zu hören und dennoch spüren die 3 jungen Leser eine seltsame Präsenz im Raum. Irgendetwas stimmt da nicht und dann klopft es ganz laut und nachdrücklich an die Hintertür zum Hof, wo ein großer, merkwürdiger etwa 14 jähriger Junge steht und unbedingt hinein möchte. Von da an überstürzen sich die merkwürdigen Ereignisse, in denen die Kinder keine Ahnung haben wie ihnen geschieht und nur Cornelia eine Ahnung zu haben scheint, was da so eigentlich vor sich geht! Es beginnt eine Jagd durch Zeit und Raum, bei der die Kinder versuchen zu verstehen was vor sich geht, doch schweigen sich die Befragten aus!

Das Buch hat einen sehr spannenden Einstieg und geht auch direkt interessant weiter. Die 4 Protagonisten sind sehr unterschiedlich und auf den ersten Blick keine klassischen Helden. Allerdings ergänzen sich ihre Fähigkeiten und Charaktereigenschaften sehr gut! Iris die Allwissende, Rosa die Emotionale und Mutige, Oliver der loyale Beobachter und Colin der Retrozeitreisende der an die Werte der heutigen Zeit glaubt und unsere Zukunft kennt. Allerdings ist es den Menschen aus dem 23. Jahrhundert verboten mit den Kindern über unsere Zukunft zu sprechen. Hieraus ergeben sich interessante Spannungen und ein großes Dilemma. Sehr gut gefiel mir, wie in diesem Buch nebenbei Fremdwörter erklärt werden. Iris weiß natürlich alles, Oliver traut sich manchmal zuzugeben, daß er es nicht weiß und Rosa ist froh, daß Oliver die Erklärung erhält. Das finde ich sehr hilfreich, denn wer lernt heute noch altgriechisch und kennt sich mit dem Dilemma der Gottheiten aus?
Neben der Lösung eines echten Dilemmas und Zukunftsszenarien geht es nebenbei aber auch um Bücher, deren Zukunft und deren Bedeutung. Sicher ein schönes Bonbon für junge Leseratten!
Meine emotionale Bindung an die jungen Protagonisten war aber recht schwach. Erst als Rosa sich gegen Ende der Geschichte selbst vom Heldenthron stürzt, kam sie mir emotional näher. Auch ihre Unsicherheit im Umgang mit ihrer Prothese brachte sie mir näher. Denn warum soll man sich nicht gerade in die Hauptperson hineinversetzen können, die nicht mehr alle Gliedmaßen hat? Unperfekt sie sie alle, genau wie die Leser auch. Sehr schön auch am Ende die Botschaft, daß in jeder Katastrophe auch Raum für schöne Momente und Menschlichkeit bleibt.

Thematisch ist es ein tolles „was wäre wenn?“ Experiment. Im Mittelteil verliert es sich für meinen Geschmack ein bißchen zu viel in den Neuerungen des 23. Jahrhunderts, da hatte ich einen leichten Durchhänger. Aber andere interessieren sich ja gerade für diese Aspekte. Ich hätte da etwas mehr „Drama Baby!“ gebrauchen können… Lange hielt diese Gefühl aber nicht an, so daß ich eigentlich ziemlich schnell wieder in der Geschichte drin war. 

Das Cover ist schon äußerlich auffallend und erinnert irgendwie an einen gemütlichen Buchladen und paßt ausgezeichnet zur Covergestaltung von Band 2 Federflüstern. Allerdings bin ich persönlich mehr ein Fan von gedruckten Hardcovern, da Schutzumschläge recht empfindlich sind und ich mich so nicht traute es in meine Handtasche zu stecken um es in der Schwimmbadcaféteria weiterzulesen. 

Nun bin ich gespannt auf die Fortsetzung und vergebe gerne 4 von 5 Sternen!