Dienstag, 13. September 2016

Vergeltung im Münzhaus






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 22.07.2016
  • Verlag : ROWOHLT Taschenbuch
  • ISBN: 9783499269585
  • Flexibler Einband 512 Seiten
  • Genre: Historischer Roman

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Das Ende einer Ära?!

Adelina, die Protagonistin des Buches, kenne ich nun schon seit 11 Jahren -  da erschien mit „Tod im Beginenhaus“ der erste Teil der Reihe und „Vergeltung im Münzhaus“ soll sie nun leider endgültig abschließen. Also habe ich das Buch von vornherein mit einem lachenden und einem weinenden Auge gelesen – genauer gesagt habe ich es regelrecht verschlungen, denn man fliegt nur so durch die Seiten. Wie auch die Vorgängerbände ist es sehr spannend, unterhaltsam und witzig. Letzteres liegt vor allem an den Wortgefechten zwischen Griet und Cristan. Bisher trugen ja eher Adelina und Neklas diese aus, aber sie haben würdige Nachfolger gefunden.

Köln 1408: Clara, eine Bekannte von Adelina und Griet, ist die neue Hebamme der Stadt. Als ihr Vater Urs und dessen Knecht Wendel plötzlich in Köln auftauchen, wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt: Urs hat sie und ihre Mutter vor Jahren ans Hurenhaus verpfändet, um seine Schulden zu tilgen. Damals konnte Clara fliehen und sie will sich ihm jetzt erst Recht nicht unterordnen. Als Urs kurze Zeit später im Haus des Münzhändler Birboim ermordet aufgefunden wird, fällt der Verdacht schnell auf Clara, da sie zum Tatzeitpunkt Birboims Frau behandelt hat. Doch damit nicht genug, wird sie bald noch eines zweiten Mordes beschuldigt!
Griet, Adelinas Zieh-Tochter, will unbedingt Claras Unschuld beweisen und wird Adelina dabei immer ähnlicher. Doch Griet wird durch den Fall von den Dämonen ihrer Kindheit eingeholt.
Dazu kommt, dass Griet immer wieder von ihrem neuen Nachbarn Cristan Reese, einem Hauptmann der Stadtwache, abgelenkt wird. Eigentlich soll sie ihm nur bei der Befragung von Clara helfen, doch auch er hütet offenbar ein dunkles Geheimnis!

Schon der Einstieg in das Buch ist gut gelungen, denn „Erstleser“ werden auf sehr charmante Weise abgeholt, da alle Personen und ihre Zugehörigkeiten erzählerisch vorgestellt werden.
Bei diesem Adelina-Teil geht es, neben dem zu lösenden Mord, hauptsächlich um Griet und Cristan. Durch Claras Verhaftung und die Zusammenarbeit mit Cristan muss auch Griet sich ihrer Vergangenheit stellen und evtl. damit abschließen. Dazu kommt, dass Cristan ihr ein ungewöhnliches und verlockendes Angebot macht. Mir hat ihre Entwicklung im Laufe der Handlung sehr gut gefallen. Zu Beginn ist Griet verängstigt und introvertiert, aber schon bei Claras Verhaftung wächst sie über sich hinaus. Nur wenn es um ihre eigenen Belange geht, kann sie diese Kraft lange nicht einsetzen.
Auch Cristan Rees ist ein interessanter Charakter. Lange ist unklar, worin sein Geheimnis besteht und wenn ich ehrlich bin, wäre ich nie darauf gekommen (verraten wird hier aber nix ;-) ). Er ist extrem einfühlsam und rücksichtsvoll, nicht nur im Umgang mit Griet, und so hat er sich bald in die Herzen aller Familienmitglieder geschlichen. Doch wenn sein Geheimnis ans Licht kommt, bringt er sie alle in Gefahr.
Aber die Burkas waren schon immer eine ungewöhnliche Familie mit einem tollen Zusammenhalt. Sie kümmern sich rührend umeinander, sei es um den behinderten oder um die traumatisierte Griet. Vitus habe ich schon in den vorangegangenen Büchern besonders ins Herz geschlossen. Er hat ein sehr gutes Gespür für Menschen und Tiere und ist extrem liebenswert.
Adelina und ihr Mann Neklas sind sehr besorgte Eltern, die Griet so gut wie irgend möglich behüten und beschützen möchten. Sorgenvoll betrachten sie daher, dass Cristan sich Griet nähert und sie dadurch sehr aufwühlt.

Und so ganz nebenbei gilt es ja auch noch, den Tod von Claras Vater aufzuklären. Der Fall wird immer verzwickter. Warum wohnte er bei dem Münzwechsler, wenn sie sich gar nicht leiden konnten? Er hatte schon in Aachen Dreck am stecken – hat sich vielleicht jemand aus seiner Vergangenheit an ihm gerecht?! Und auch Birboim hat wohl keine saubere Weste.

„Vergeltung im Münzhaus“ ist ein würdiger Abschluss der Adelina-Reihe *tränchenwegdrück*. Ende gut, alles gut. Fast alles. Ich zitiere mal Adelina: „Manchmal komme ich mir vor, als wäre ich nur eine Figur in einer Geschichte, die jemand erzählt. ... Wir hören ja nicht auf zu leben, bloß weil wieder einmal ein Kapitel unserer Familiengeschichte abgeschlossen ist. “

Und wie heißt es so schön: Jedes Ende ist ein neuer Anfang!