Samstag, 24. September 2016

Interview mit Ernest Nybørg inklusive Gewinnspiel!!!




Lieber Ernest,
wir kennen uns bereits aus deinen Leserunden zu Deiner Lena Halberg Trilogie,von der bisher Paris ´97 und New York ´01 erschienen sind. An diesen ersten beiden Teilen haben mich vor allem die starken, teilweise realen Hintergründe fasziniert. Du nutzt in dieser Trilogie jeweils ein weltbekanntes tragisches Ereignis, dass du aber nicht zum Mittelpunkt des Buches machst. Bei Dir stehen vielmehr Geschehnisse vor, nach und neben der global „publikumswirksamen“ Tragödie im Vordergrund. Der dramatische Unfall Dianas und der Anschlag auf die Twin Towers in New York sind vor über zehn Jahren geschehen, doch Deine Bücher beginnen mit Ereignissen in der Gegenwart, denen große politische und wirtschaftliche Verstrickungen im Hintergrund ablaufen, die so realistisch dargestellt werden, dass sie bedenklich realistisch wirken. Daher bin ich nun sehr gespannt auf den dritten und wohl leider letzten Teil der Reihe London ´05. Hier bin ich vor allem gespannt wer der „große Böse“ Strippenzieher sein wird, denn Bronsteen kann es wohl nicht mehr sein ... Doch nun freue ich mich erst einmal, dieses Interview mit dir führen zu dürfen!


Dein Nachname klingt nordisch und Dein Vorname erinnert an einen berühmt berüchtigten und weltbekannten amerikanischen Schriftsteller. Da drängen sich mir doch Fragen nach Deiner Herkunft, Deinen Wurzeln und nach einem etwaigen Zusammenhang zu Hemingway auf! Würdest Du Dich unseren Lesern bitte kurz vorstellen?
Ich stamme von einer Musiker- und Theaterfamilie ab und lebe am Stadtrand von Wien. Der Nachname hat eine Verbindung mit Dänemark, die jedoch nur im Namen präsent ist. Mit Hemingway bin ich (leider) nicht verwandt, lese ihn, als einen der allergrößten Erzähler, jedoch sehr gerne. Ich selbst habe Musik in Wien und Literatur in Amerika studiert. Danach folgten Theater und Film.


Du bist ja ganz schön in der Welt herumgekommen und Deine beruflichen Aktivitäten beschränken sich - soweit ich informiert bin – nicht nur auf die reine schriftstellerische Arbeit. Auch Bühnen- und Filmarbeit spicken Deine Laufbahn. Magst Du uns etwas dazu erzählen?
Nach meinem Studium war ich länger am Theater und adaptierte vorwiegend literarische Stoffe für die Bühne. Einige Jahre später kam dann auch der Film. Seitdem arbeite ich als Drehbuchautor und Regisseur, vor allem mit dem Schwerpunkt auf Dokumentarfilm, was mit dem Schreiben gut zusammengeht.

Wo hast Du eigentlich überall gelebt?
Ich verbrachte speziell durch die Filmarbeit viel Zeit im Ausland, die mich wirklich weit herumbrachte. Längere Aufenthalte waren in Mittelamerika und in Kanada, aber auch rund um das Mittelmeer habe ich einige Lieblingsplätze, wo ich immer wieder bin.

Was hat Dich motiviert Literatur zu studieren?
Das Lesen.

Neben Literatur hast Du auch Musik studiert. Du bist musisch also breit ausgerichtet. Spielst Du selber Instrumente? Wenn ja, welche?
Seinerzeit gerne Klavier und ein wenig Gitarre, ich bin aber nicht mehr in Übung. Heute beschäftige ich mich vorwiegend mit Klang-Sampling und Sounddesign, das ich dann auch in den Filmen verarbeite.

Nicht jeder der Literatur studiert wird auch Schriftsteller. Was war Dein eigentliches Berufsziel oder wolltest Du immer in Richtung Bühne, Film und Literatur? Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Schreiben war bei mir seit der Jugend präsent, doch die ersten Wünsche kreisten um Theater und Film. Über den Film bin ich dann auch zum Buch gekommen. Wenn man über viele Jahre Drehbücher schreibt, die inhaltlich eine sehr knappe Form des Erzählens verlangen, liegt der Wunsch nahe, Geschichten mit mehr Facetten und einem breiteren Hintergrund zu schreiben; das kann nur ein Buch leisten. 

Schreibst Du ausschließlich Politthriller oder auch in anderen Genres?
Ich schreibe auch andere Sachen, vor allem natürlich Drehbücher, aber die Thriller sind der Schwerpunkt.

Welches ist dein literarisches Erstlingswerk?
"Die Essenz des Todes" – ebenfalls ein Politthriller, aber aus dem Milieu der Pharmaindustrie.

Und wie viele Bücher hast Du bisher veröffentlicht? Du kannst sie gerne auch nennen!
In der Belletristik zuerst die "Essenz des Todes", das ich vor vielen Jahren schon als Drehbuch geschrieben hatte, und nun die Trilogie um die Journalistin Lena Halberg:
"Paris '97", "New York '01" und "London '05" (das kommenden Frühjahr erscheint)

Woher nimmst Du die Ideen für deine Bücher?
Leider leben wir ja in einer Zeit, wo die Nachrichten aus aller Welt voll von politischen Machenschaften sind. Ideen für Stoffe gibt es also eine Vielzahl. Mich interessiert an den Dingen immer, wer im Hintergrund von deiner Sache profitiert.

Arbeitest Du aktuell an einem Buchprojekt? Wenn ja, an welchem?
Ich schreibe gerade am finalen Teil der Lena-Halberg-Trilogie. Dieser handelt von den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn im Jahr 2005 und geht der Frage nach, wer damals möglicherweise in die Sache verwickelt war.


Nun zu den üblichen Standardfragen ;o):

Was machst Du, wenn Du nicht gerade ein Buch schreibst? (Anmerkung: Beruf und/oder Hobbies?)
Als Ausgleich zum Schreiben reise ich sehr gerne und schaue mir die Schauplätze des nächsten Romans an. Zu Hause mache ich ausgedehnte Spaziergänge, daneben liebe ich es Musik zu hören, vor allem Klassik und Oper, und besuche gerne Ausstellungen und Museen.

Hast Du eine Sammelleidenschaft? Wenn ja, welche?
Ich sammle hauptsächlich Bücher – nach denen ich gerne auf Flohmärkten stöbere – und meine große Liebe gehört alten Teppichen, die suche ich immer, wenn mich eine Reise in die richtige Gegend führt.

Treibst du auch Sport? Wenn ja, würde uns natürlich brennend interessieren welchen?
Also keine Sportart, wo es um Wettkampf oder Gewinnen geht, aber als Ausgleich zum Schreiben bin ich regelmäßig im Fitnessclub, wenn ich in Wien bin, und unterwegs spaziere ich bei jeder passenden Gelegenheit auf Bergen herum.

Hast Du eigene Tiere?
Drei Hunde, die mich sehr auf Trab halten.

Trotz all Deiner Aktivitäten und Deines doch sehr bewegten Lebens hast Du meines Wissens auch noch Familie? Bist Du deshalb sesshaft(er) geworden?
So sesshaft bin ich eigentlich gar nicht, aber eine Familie ist der beste Grund sich wieder auf zu Hause zu freuen.

Magst Du uns etwas über Deine Familie erzählen?
Verheiratet - natürlich mit der besten Ehefrau von allen -, Vater von fünf inzwischen erwachsenen Kindern, die jetzt ziemlich verstreut wohnen. Und die drei Hunde, denn die gehören untrennbar dazu.

Was würdest Du machen, wenn Du 1 Mio € auf dem Konto hättest? Würdest Du Dein Leben ändern?
Keinesfalls! Bin genau dort angekommen, wo ich hinwollte.

Wie würden Dich Deine Freunde beschreiben?
Ist fast immer gut aufgelegt, kann sich aber auch wochenlang zum Schreiben zurückziehen und ist dann sauer, wenn er gestört wird. Er plaudert gerne, ist aber oft schwer zu treffen, da er wieder einmal weg ist.

Und wenn Du Feinde hättest, wie würden sie Dich beschreiben?
Ich hoffe voller Ehrfurcht.

Trinkst Du lieber Kaffee oder Tee?
Tee zum Frühstück und sonst Unmengen an Kaffee.

Welches ist Dein Leibgericht? Und kochst Du gerne selber?
Esse gerne, vor allem in gemütlicher Runde, koche sehr selten und erklärte Lieblingsspeise gibt es keine.  

Hast Du einen Lieblingsort und verrätst Du ihn uns auch?
Es ist ein altes Steinhaus an einer Küste im östlichen Mittelmeer – mehr wird nicht verraten.


Da wir ein Buchblog sind, interessieren uns natürlich auch Deine Lesegewohnheiten!

Erinnerst Du Dich an Dein erstes selbst gelesenes Buch? Wenn ja, welches Buch war es?
Da erinnere ich mich an das erste Buch, das ich selbst von meinem Taschengeld gekauft habe, das war "Der Lederstrumpf" von J.F.Cooper. Ich war damals 11 Jahre alt und das Buch habe ich bis heute.

Welches Buch hast Du als letztes gelesen und welches Buch liest Du aktuell?
Im Moment lese ich die Krimis von Matti Rönkä - charmante "Roadmovies" durch die Seele Finnlands.

Welches Buch hat Dich bisher am meisten beeindruckt oder beeinflusst und warum?
Der Fokus ändert sich je nach Zeit und Befindlichkeit. Hier einige meiner "All-Time-Standards":
Nur wenige bringen die Stimmung einer Szenerie so auf den Punkt wie Cormac McCarthy oder Christoph Ransmayr. Und in seiner Art des beinahe fotografischen Erzählens mag ich Patrick Deville sehr. Ja und dann gibt es da noch den "Huckleberry Finn" von Mark Twain - schöner kann man über den Wunsch nach Freiheit und Abenteuer nicht erzählen.


Verrätst Du uns Dein Lebensmotto?
Noch nie konkret darüber nachgedacht, aber vielleicht seinen Neigungen nachgehen und Dinge suchen, die Spaß machen.

Und zum Abschluß:
Welche Frage wolltest Du schon immer mal gestellt bekommen oder hast du eine Frage an uns?
Keine offene Frage, ich wünsche aber allen Lesern die beste Unterhaltung und spannende Stunden mit meinen Büchern.


Danke! Wir freuen uns schon sehr auf den dritten Teil Deiner Lena Halberg Trilogie London ´05, der im Frühjahr 2017 erscheint!!!

Wer Lust auf mehr bekommen hat, findet hier unsere Rezensionen zu Band 1 und 2:
New York ´01

Und wer nun noch die Gewinnspielfrage richtig beantwortet, kann Paris ´97 und New York ´01 als Taschenbuch gewinnen! In welcher Stadt spielt der dritte und letzte Teil der Lena Halberg Trilogie? Die Auslosung findet am 01. Oktober statt!