Montag, 5. September 2016

Die Postmeisterin







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 12.08.2016
  • Verlag : List Verlag
  • ISBN: 9783471351321
  • Fester Einband 384 Seiten
  • Genre: Historischer Roman

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1612: Vor 15 Jahren wurde Herzogin Jakobe ermordet. Nur deren Sohn Moritz konnte die Kammerfrau Aliz retten und heimlich aufziehen. Inzwischen lebt sie mit ihm und ihren eigenen Kindern Tile und Anni in Wöllstein und betreibt neben ihrer Herberge auch eine illegale Postroute. Als Moritz von den Häscher der Familie von Taxis (welche das Postmonopol besitzt) aufgegriffen wird, kommt die Lawine ins Rollen – man will nicht nur Aliz und ihren Postreitern ans Leder, auch Moritz Vater und Jakobes Verwandte suchen nach ihm, um ihre Interessen durchsetzen zu können. Die Jagd auf Moritz und Aliz beginnt!

Bereits der Prolog, in dem Jakobe ermordet wird und Aliz mit Moritz fliehen muss, ist extrem fesselnd. Diese Dramatik zieht sich durch das ganze Buch und macht den Leser atemlos. Helga Glaesener baut die Spannung sehr schön auf: immer wenn man denkt, man ist der Auflösung etwas näher, kommt die nächste Überraschung – das gefiel mir ausnehmend gut!

Aliz ist eine mutige, einfallsreiche Frau. Sie kämpft wie eine Löwin für ihre Kinder. Aber sie verschweigt ihnen auch vieles, um sie und sich selbst zu schützen.
Moritz hat sich inzwischen zu einem verwegenen jungen Mann entwickelt. Er ist in die Tochter seines Lehrherren verliebt und bräuchte viel Geld, um diese heiraten zu können. Deshalb will er den illegalen Posthandel groß ausbauen und geht (zu viele?!) Risiken ein.
Aliz Sohn Tide wirkt fast autistisch. Er lebt in seiner eigenen Welt, mag Tiere lieber als Menschen und wird schnell jähzornig. Leider ist es sehr vertrauensvoll gegenüber Fremden, was ihn in mehr als eine brenzlige Situation bringt.
Anni ist noch sehr kindlich, wird von ihrer Familie nicht ernst genommen. Dabei versteht sie bereits mehr, als den Anderen klar ist ...
Eine tolle Gegenspielerin ist Aliz Schwägerin Josefa. Sie hat selber Dreck am Stecken, gönnt aber niemandem die Butter auf dem Brot und legt Aliz immer wieder Steine in den Weg. Sie ist so herrlich unsympathisch - man kann sie von Beginn an hassen ;-).
Auch Symon von Anderrath ist ein interessanter Charakter, da er sich lange nicht in die Karten gucken lässt, auf wessen Seite er eigentlich steht und was seine Intensionen sind.

Helga Glaesener ist bekannt für ihre gut recherchierten Romane mit realem Hintergrund. Im hier vorliegenden Buch ist Vinzenz Fettmilch Moritz Lehrmeister. Der hat 1614 den judenfeindlichen „Fettmilch-Aufstand“ angeführt. Seine Geschichte ist sehr gut mit der Handlung verwoben – so macht Historie Spaß!

Die Ausstattung des Buches ist großartig. Die alte Stadtansicht von Frankfurt auf dem Cover ist sehr stimmig und findet sich auch innen auf dem Bucheinband wieder.
Wie schon bei der „Beutelschneiderin“ sind der Buchtitel und die Kapitelüberschriften in wunderschöner Sütterlinschrift gehalten und die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer Initiale – das begeistert mich als bibliophile Leserin! Ein großes Lob hierfür auch an den Verlag oder Grafiker.

Mein Fazit: Ein toller historischer Roman mit realem Hintergrund, Spannung und Abenteuer.