Sonntag, 11. September 2016

Bloggerprojekt: "Die Nachtigall" von Kristin Hannah


Am 19. September erscheint im Aufbau Verlag das Buch „Die Nachtigall“. Dazu veranstaltet der Verlag ein tolles Bloggerprojekt und wir sind dabei (genauer gesagt Tanja, Marie und Tine). Dafür müssen wir jede Woche eine andere Aufgabe erfüllen. Diese Woche stellen wir Euch das Buch anhand von 3 Fragen vor. Wir haben es natürlich bereits gelesen - es hat uns sehr berührt.

Doch zunächst der Klappentext:
Zwei Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich: Während Vianne ums Überleben ihrer Familie kämpft, schließt sich die jüngere Isabelle der Résistance an und sucht die Freiheit auf dem Pfad der Nachtigall, einem geheimen Fluchtweg über die Pyrenäen. Doch wie weit darf man gehen, um zu überleben? Und wie kann man die schützen, die man liebt?
In diesem epischen, kraftvollen und zutiefst berührenden Roman erzählt Kristin Hannah die Geschichte zweier Frauen, die ihr Schicksal auf ganz eigene Weise meistern.


Und das sind die Fragen:
1.) Die Schwestern Isabelle und Vianne gehen ganz unterschiedlich damit um, dass Krieg herrscht. Isabelle reagiert mit Wut und Protest und riskiert ihr Leben, um sich der Résistance und dem Kampf gegen die Nazi-Okkupation anzuschließen. Bei Vianne dominieren hingegen Angst und Vorsicht, schon allein um ihrer Kinder willen bemüht sie sich, jegliche Konflikte zu vermeiden. Welches Verhalten beeindruckt dich mehr, welchen Weg findest du für dich persönlich besser nachvollziehbar oder verständlicher?

Tanja:
Ich kann beide Frauen sehr gut verstehen. Vianne macht alles, um den Krieg mit ihren Kindern irgendwie zu überleben weil sie auf die Wiederkehr ihres Mannes und das gemeinsame Leben „danach“ hofft. Isabell hingegen kämpft für ihre Überzeugung. Sie will ihr Leben leben, brennt auf kurzer Flamme, wie man so schön sagt – aber sie lebt es in vollen Zügen und nimmt alles mit, was sich ihr bietet. Am Kriegsende bereut sie nichts, sie hat alles erreicht, was sie je wollte.
Ich persönlich bin wahrscheinlich eher wie Vianne, aber verstehen und nachvollziehen kann ich beide Lebenswege.

Marie:
Ich kann auch beide Frauen verstehen, wobei mir Isabell näher war. Ich bin zwar auch Ehefrau und Mutter und ich kann auch verstehen, dass Vianne zunächst das Wohl der Kinder im Blick hat, hätte sie aber das ein oder andere Mal schütteln können, weil, sie so wenig Verständnis für ihre jüngere Schwester hat.

Christine:
Auch ich bin Ehefrau und Mutter, aber ich kann mich Marie nur anschließen. Ich wüßte nicht, ob ich nicht alles für mich mögliche tun würde, um gegen den Krieg zu kämpfen. Ich könnte die Füße glaube ich nicht stillhalten. Vianne kann ich auch verstehen, aber ob ich so "nichts" machen könnte, zumindest am Anfang, weiß ich nicht.


2.) Die beiden Schwestern erleben und leben die Liebe ganz unterschiedlich. Vianne liebt wie eine erwachsene Frau, als Ehefrau und Mutter, die für ihre Familie sorgt; Isabelles Liebe hingegen ist stürmisch und impulsiv, mehr der Traum eines jungen Mädchens denn schlichte Realität. Wie hat Isabelle wohl das Gefühl, in der Kindheit verlassen worden zu sein, geprägt? Inwiefern führt Viannes mütterliche Liebe sie zu Mut und Tapferkeit, zur Rettung der jüdischen Kinder? Was lässt die beiden Schwestern wieder zueinander finden, ist es die Liebe – oder der Krieg?

Tanja:
Natürlich ist Isabell von ihrem Aufwachsen ohne Mutter geprägt und sie grollt Vianne, dass diese sich nicht ausreichend um sie gekümmert hat. Aber diese hatte es auch nicht gerade leicht – von heute auf morgen soll sie ihrer Schwester die Mutter ersetzen. Zu diesem Zeitpunkt kann sie das (noch) nicht, aber als sie selber Mutter ist, weitet sie diese Liebe auch auf die jüdischen Kinder aus.
Letzten Endes führt der Krieg die Schwestern wieder zusammen. Durch ihn lernen sie sich wieder besser kennen und haben ihre Liebe zueinander wieder entdeckt.

Marie:
Vianne war damals unreif und litt selber unter dem Verlust der Mutter und dem Liebesentzug des Vaters. Aber sie weiß, dass Isabelle als kleines Kind noch mehr gelitten hat und weniger Möglichkeiten hatte, Ersatz zu finden. Vianne fand in ihrer Freundin Rachel und ihrem Ehemann wichtige Bezugspersonen, die Isabelle nicht hatte. Isabelle sucht nach ihrer Stellung im Leben und legt sich eine harte Schale zu. Diese ermöglicht ihr das harte Leben als Fluchthelferin. Vianne hingegen geht eher den Weg des geringsten Widerstandes. Direkt mit den hilflosen Kindern konfrontiert, kann sie diese aber nicht ins Verderben abschieben und wächst aus der Not in ihre Helferrolle für jüdische Kinder. 
Der schreckliche Krieg bringt die Schwestern letztlich zueinander.

Christine:
Isabelle leidet genau wie Vianne durch den Verlust der Mutter und den Absturz des Vaters. Doch durch das unterschiedliche Alter und die Personen, die in ihrem Leben eine Rolle spielen (Isabelle: Vater, Vianne und Vianne: Mann, Kind, Rachel) gehen sie unterschiedlich mit dem weiteren Leben um. Wenn ich, wie Isabelle vom Vater ständig nur weggeschickt werde prägt mich das als junges Mädchen. Vianne zeigt mit der Zeit auch ihren Mut, indem sie jüdische Kinder rettet, was sie in meinem Ansehen stark gehoben hat. Man kann als Mutter nicht die Augen vor solchen Tatsachen schließen und ihre Liebe zu ihrer besten Freundin Rachel läßt sie für Ari alles tun. Somit ist der Anfang gemacht und sie kann nicht nur Ari retten.
Ich denke in erster Linie ist es der Krieg, der sie wieder zusammenbringt.


3.) Nimm dir Zeit, um über Beck nachzudenken. Ist er ein Charakter, der bei dir Sympathie ausgelöst hat? Hattest du den Eindruck, dass er ein guter Mensch war, oder wollte er einfach nur Vianne verführen? Was denkst du über sein Ende?

Tanja:
Ich fand Beck sehr sympathisch. Er war extrem rücksichtsvoll, hat versucht, nicht zu sehr in ihr Leben einzudringen und wollte ihr immer wieder helfen. Aber letzten Endes ist er auch nur ein Mann, er ist allein in einem fremden Land, vermisst seine Familie und körperliche Nähe. Ich glaube nicht, dass er sie von Beginn an verführe wollte. Sein Ende tat mir leid, aber die Schwestern hatten meines Erachtens keine andere Chance.

Marie:
Auch ich fand Beck sympathisch. Er war Erfüllungsgehilfe, der aber den Blick für das Schreckliche und das Gute nie verlor. Ich denke nicht, dass er von Beginn an eine Verführung im Blick hatte. Sein Tod tat mir leid und war irrwitzig, unsinnig, aber wahrscheinlich unausweichlich. 

Christine:
Ich fand Beck sympathisch, weil man immer wieder gemerkt hat, dass ein weicher Kern in seinem Inneren steckt und er in all der Schrecklichkeit das Beste für Vianne möchte. Ich denke, dass sich die Gefühle für sie erst mit der Zeit entwickelt haben. Sein Ende war tragisch und es hat mir fast etwas Leid für ihn getan, aber leider war keine andere Möglichkeit vorhanden.