Dienstag, 19. Juli 2016

Die Medica und das Teufelsmoor



Dramatische Suche der Medica


Genre: Historischer Roman
Autor: Christiane Lind
Format: broschiertes TB
Umfang: 448 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch
ISBN: 978-3-7466-3130-1
Preis: 9,99 €




Der historische Roman "Die Medica und das Teufelsmoor", am 19.06.2015 im Aufbau Taschenbuchverlag erschienen, ist die Fortsetzung von "Die Heilerin und der Feuertod". Obwohl ich den ersten Teil von Christiane Linds historischer Reihe über die Heilerin Aleke nicht kenne, hatte ich keine Schwierigkeiten mit dem Einstieg in den zweiten Teil.
Der Prolog beginnt im Jahr 1378 in Salerno, wo Aleke sich zur Medica ausbilden lässt. Mittlerweile sind sieben Jahre vergangen, seit Aleke mit ihrem Gatten Righert Braunschweig verlassen hat. Christiane Lind gewährt uns hier einen kurzen Blick in das Leben der Scolasticae, die sich stark von den anderen Studenten unterscheidet.
Die eigentliche Geschichte startet drei Jahre später 1381 in zwei Handlungssträngen. In Bremen treffen wir auf Aleke und ihren Gatten Righert, im zweiten Handlungsstrang auf Kersten, Alekes Cousin in Braunschweig.
Aleke hat ihr Studium erfolgreich beendet und auch ihr Ehemann ist ein gut ausgebildeter Fernhändler mit beeindruckender Auslandserfahrung. Eigentlich sollte die Basis für eine erfolgreiche und sichere Zukunft der beiden gelegt sein. Doch die Bürger Bremens machen es Aleke und Righert nicht leicht. Weder sie, als weibliche Medica, noch er als zugereister, nicht ursprünglich aus der Hansestadt stammender Händler finden Unterstützung oder gar Anerkennung. Als dann auch noch die Geschäfte Righerts unterwandert werden, begibt er sich auf eine gefährliche Reise, um Ware in Brügge zu beschaffen.
Ausgerechnet das Schiff, auf dem Righert nach erfolgreichen Einkäufen die Heimreise antritt, wird von Piraten ausgeraubt. Alle gehen davon aus, dass Righert den Überfall nicht überlebt hat. Einzig Aleke ist sich sicher, dass ihr Mann noch lebt. Und so hört sie auf ihre innere Stimme und begibt sich auf eine abenteuerliche und nicht minder gefährliche Suche nach ihrem geliebten Mann.

Christiane Lind holt den Leser mit kurzen Rückblicken ab, so dass sich die wichtigen Geschehen und Zusammenhänge aus Teil Eins in Erinnerung bringen oder für „Neulinge“ wie mich schnell erschließen. Durch ihre eingehenden Landschafts- und Personenbeschreibungen erzeugt sie klare Bilder im Kopf des Lesers. Vor allem das düstere Teufelsmoor erscheint als teils mystische, teils gruselige Szenerie vor dem inneren Auge.
Die Roman-Charaktere wie die Protagonistin Aleke oder ihr Ehemann Righert und dessen stumme Schwester Lucke, der treue Knecht Smalejohann, die gutherzige Freundin Rina von Bremhen sowie der teuflische Cort Valeberghes und der etwas grobe ostfriesische „Hovetling“ Uko Ukena – um nur einige zu nennen - werden lebendig, greifbar und nachvollziehbar beschrieben und entwickelt. Sogar der Kater Maustod bekommt eine besondere Rolle mit ganz eigenen Zügen. Hier werden Personen und Emotionen hautnah vermittelt.
Ein ausführliches Personenregister am Anfang des Buches hilft, den Überblick über die Charaktere zu behalten; denn die teilweise altertümlichen und für unsere Ohren ungewöhnlichen Namen sind nicht unbedingt gängig und einprägsam, aber der handelnden Zeit entsprechend zeitgemäß.
Neben dem spannenden und dramatischen Plot werden zahlreiche medizinische Aspekte der damaligen Zeit, Entstehungsdetails zu den Hansestädten - vor allem den Rollen Bremens und Braunschweigs - sowie die Uneinigkeit und Hinterlist der Ostfriesen und Piraten non chalant eingebunden. Hier zeigt sich die gute und ausführliche Recherche der historischen Hintergründe, die sich auch im Anhang des Buches wiederspiegeln. Er startet mit einem Glossar, das die im Buch extra kursiv gedruckten Wörter erläutert. Danach folgt ein Abschnitt zu den historischen Hintergründen, in die die Geschichte gebettet wurde. Hier finden sich zum Beispiel Informationen zum Sohn des Ostfriesen Hovetling Ukena, den es tatsächlich gab. Ein Absatz ist sogar eigens den Frauen gewidmet, die an der Schule von Salerno waren. Zum anderen findet man Informationen zu Heilkräutern, die in der damaligen Heilkunde immens wichtig waren und heute eine Renaissance erleben. Als weiteres Plus gibt es ausgewählte Literaturempfehlungen.

Einzig einen winzig kleinen Wermutstropfen muss ich anmerken: Für meinen Geschmack wurde die Liebe und innere Verbundenheit zwischen Aleke und Righert vor allem am Anfang des Buches zu oft betont. Hier wäre vielleicht ein bisschen weniger mehr gewesen. Das war aber auch der einzige Kritikpunkt zu dem ansonsten runden, spannenden und informativen Historienroman um Aleke und ihre Lieben.

Fazit:
Toll recherchierter Historienroman mit spannendem und dramatischen Plot, der nicht nur unterhält, sondern auch lehrreich ist. Hier merkt man, dass die Autorin mit vollem Herzen Recherche mit Fantasie und Schreibfreude kombiniert hat.