Donnerstag, 28. Juli 2016

Gekoffert und verschleppt

Spannend und phantasievoll




von Lisa Brenk


Broschiert: 512 Seiten
Verlag: Wölfchen Verlag
ISBN-13: 978-3943406672
Genre: Jugendbuch/ Fantasy

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Robert Julius Caillou findet sich - nachdem er mit Hilfe eines Koffers entführt wurde - zwischen seltsamen Männern wieder, die ihn zum Magier ausbilden wollen. Doch Robert hat nur ein Ziel: abzuhauen und zurück zu seiner Familie zu gelangen. Warum sollte er auch ein Magier werden wollen?

Gemeinsam mit einem neuen Freund und dem geheimnisvollen Koffer, der ihn herbrachte, macht sich Robert auf eine spannende Reise. Auf seinem abenteuerlichen Weg begegnen ihm die skurrilsten Dinge und er macht unerwartete Bekanntschaften. Doch findet er auch die Hilfe, die es ihm ermöglicht wieder nach Hause zu kommen?

Lisa Brenk nimmt den Leser mit in eine spannende und sehr facettenreiche Welt. Gleich von Beginn an haben mich ihre kreativen Ideen überzeugt. Der Einfallsreichtum der Autorin scheint beinahe grenzenlos und immer gab es neue Dinge und Wesen zu erforschen und kennenzulernen: seien es lebendige Möbel, Jobbezeichnungen wie der Vorbeigeher oder so geheimnisvolle Menschen wie den Möglichmacher. Es hat großen Spaß gemacht all das zu entdecken.

Auch wenn es für mich ein paar langatmigere Passagen gab, so ließ sich das Buch dennoch flüssig und angenehm lesen. Der Stil gefällt mir, vor allem die Idee, die Geschichte von Faunus, den der Leser erst im Laufe des Buches besser kennenlernt, erzählen zu lassen. Durch seine Einleitung und auch die immer wieder eingestreuten kurzen Einschübe und Erklärungen entsteht eine ganz eigene Atmosphäre. Dazu tragen auch die tollen Zeichnungen und die ganze Aufmachung bei. Hut ab für die Autorin, denn sie hat nicht nur ein spannendes Buch geschrieben, sondern auch noch selbst so sehr liebevoll und gekonnt illustriert!

Der Stil und die Aufmachung erinnern ein bisschen an Walter Moers „Die Stadt der träumenden Bücher“. Auch sonst habe ich mich während des Lesens stärker als sonst immer mal wieder an andere Romane, wie zum Beispiel die Harry Potter Bücher oder auch die ersten Scheibenweltromane erinnert gefühlt. Trotzdem ist es eine wunderbare, völlig eigenständige Geschichte, die von den bunten Ideen und der bildhaften Sprache lebt. Vor allem Immerstadt sprüht vor Lebendigkeit und nur zu gerne würde ich dort auch mal auf Entdeckungsreise gehen.

Der Protagonist Robert ist mit dreizehn Jahren zwar noch recht jung, aber er wirkt reif ohne übertrieben erwachsen zu scheinen. Seine Handlungen und Überlegungen sind insgesamt passend für sein Alter und ich mochte ihn einfach sehr.

Das Ende war ebenfalls stimmig, da es gut duchdacht war und alles schlüssig erklärt. Dennoch war es mir in den letzten Kapiteln fast ein wenig zu viel und ich hätte mir gewünscht, dass die Person, die letztlich eine Schlüsselrolle spielt schon früher in Erscheinung getreten wäre. So hatte ich ein wenig das Gefühl, dass am Ende einfach der große Unbekannte auftaucht und alles klärt. Dies ist aber auch der einzige größere Kritikpunkt, den ich habe.

Mein Fazit: „Gekoffert und verschleppt“ ist ein spannender Jugendroman, der vor Einfallsreichtum sprüht und den Leser in eine komplexe und magische Welt entführt, wo er gemeinsam mit Robert auf eine abenteuerliche Reise gehen kann. Ich freue mich schon sehr auf eine Fortsetzung und auf ein Wiedersehen in Immerstadt.