Montag, 25. Juli 2016

Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 25.07.2016
  • Verlag : Magellan
  • ISBN: 9783734850271
  • Fester Einband 304 Seiten
  • Sprache: Deutsch 

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Der sechzehnjährige Graham liebt Comics – und seine beste Freundin Roxy, die seit Kindertagen im Haus nebenan, in der Nähe von New York wohnt. Durch eine Tür im Zaun gehen beide in der jeweils anderen Familie ein und aus, als wären sie jeweils ein Teil auch der Familie des anderen. Aber wie soll er ihr das endlich sagen, sieht sie in ihm vielleicht nur eine Art Bruder? Als Graham erfährt, dass der Autor ihres gemeinsamen Lieblingscomics auf der New Yorker Comic-Convention seinen ersten öffentlichen Auftritt seit 20 Jahren plant, sieht er seine Chance gekommen: Er wird Roxy auf der Comic-Con erobern! Denn welcher Ort wäre besser geeignet, um ihr seine Liebe zu gestehen, als dieses legendäre Treffen von Superhelden und galaktischen Schurken? Graham hat drei Tage, um Roxy von sich zu überzeugen. Er plant alles ganz genau (nun gut, nicht ganz so akribisch wie sein bester Freund Casey, der sie ebenso, wie Roxy’s beste Freundin die perfekte Felicia zur Comic-Con begleitet….) Doch auch die beste Planung hilft nicht, wenn auf der Comic-Con alles anders kommt, als gedacht!

Ich lese eigentlich gerne querbeet, aber eher keine Comics und wenig Science Fiction (ähäm, in den letzten Jahren gar nicht, aber ich bin ja mit Captain Kirk und Captain Future aufgewachsen) und ich war noch nie auf einer Comic Convention. Nach diesem Buch hätte ich aber tatsächlich richtig Lust dazu. Mir ging es da genauso wie der sagenhaften Felicia Obayashi, Roxy’s bester Freundin, die freitags einfach nur so mitkam, ohne Erwartungen und ohne irgendwie im Comic-Fieber zu sein, aber so angesteckt wurde von der Atmosphäre und dem begeisterten Glühen dort, daß ich nun mal schaue, ob die nächste Comic Con tatsächlich Stuttgart ist und ob da nicht noch was in Köln ginge… Felicia ist japanischer Abstammung und scheinbar so perfekt, daß die Jungs sie schon ein wenig argwöhnisch anschauen. Auch der Leser erwartet von ihr nicht viel und so ist gerade sie es, die die Leser mit am Meisten beeindruckt und überrascht, wenn sie Graham eindringlich und mitfühlend anschaut und dann sowohl warmherzige als auch weise und tiefblickende Worte spricht. Das Schöne an diesem Buch, neben vielem anderen ist nämlich, daß nicht nur die Hauptperson total sympathisch ist und man wirklich mit ihm mitfühlt und grinst, sondern auch die Nebencharaktere wirklich toll und liebevoll ausgearbeitet sind.

Dank Felicias zuerst wenig begeistert aufgenommener Idee, freitags gleich am Speed-Dating teilzunehmen, lernt das kleine vierer Grüppchen neue Leute kennen und ihr Kreis vergrößert sich. Nicht unbedingt zu Grahams Freude, aber auch nicht wirklich zu seinem Schaden, wie sich später zeigt.

Denn eines steht fest: die Freunde reifen auf der Comic Con unglaublich heran. Sie werden jetzt nicht unbedingt sofort erwachsen, aber in 3 Tagen deutlich erwachsener und damit meine ich nicht altklug.

Der Schreibstil ist wirklich leicht lesbar, fluffig, aber nicht platt. Nicht nur Felicia gibt weise Worte von sich, ohne dabei belehrend zu nerven. Ja, man kann auch als Leser tolle Mädels ohne offensichtlichen Fehl und Tadel mögen. Denn wie Felicia an einer Stelle so schön sagt: „Wann kapiert Ihr Jungs es endlich, daß wir Mädels auch nur Menschen sind, wir ihr und hört auf, uns auf ein Podest zu stellen!?“ (naja, sinngemäß, wenn auch nicht Wort wörtlich). Ebenso wie den rothaarigen Schlaks Graham, dessen Hoffnung mit seiner Nerd-Brille wenigstens ein bißchen an Clark Kent (Superman’s Name im zivilen Leben) zu erinnern sogar gar nicht so abwegig ist. In dem Jungen steckt Potenzial!

Das Buch läßt einen immer wieder grinsen. Es sprüht vor Wortwitz und ist gespickt mit Anspielungen an legendäre Comics, Sci-Fi-Serien, Fantasy-Serien und Bücher und eben eine Hommage an die legendären Teenie-Filme der 80er von John Hughes (Pretty in Pink, Breakfast Club….). Grahams viel zu früh verstorbene Mutter hat als Filmwissenschaftlerin diese Filme geliebt und diese Liebe, ebenso wie ihre Filmsammlung an Graham und Roxy weitergegeben. Das ist so gelungen, daß wir alle in dieser wunderbaren Leserunde, daß große Bedürfnis hatten, das Wochenende gemütlich mit John Hughes Werken zu verbringen ;)

Sarvenaz Tash wurde in Teheran geboren, wuchs in Long Island auf und lebt heute in Brooklyn. Ihren Uniabschluss machte sie in Filmwissenschaft, und obwohl sie großen Spaß daran hatte, ständig mit einer Kamera durch die Gegend zu rennen, hat sie nebenher immer auch geschrieben. Sie liebt die Filme von John Hughes und die Musik der Sechziger. Ihr Liebe zu den Filmen von John Hughes spiegelt sich in zahlreichen Anspielungen an seine legendären Teenie-Filme der Achtziger wieder, nebst wohl imaginären Panel auf der Comic Con mit Regisseur und Schauspielern des Films Pretty in Pink. Nicht nur diese Anspielungen sind ein guter Grund, weshalb auch ältere Semester (hüstel, erröt) an diesem Buch richtig Spaß haben. Es macht ja keinen Sinn sein Alter zu verheimlichen, krampfhaft versuchen jünger auszusehen oder ähnliches, aber im Hirn und beim Lesen kann man jung bleiben und mit diesem Buch gelingt es hervorragend!

Ich war mir beim Lesen etwas unschlüssig, ob dieses Buch, welches aus Sicht Grahams geschrieben ist, wirklich mehr für Jungs oder Mädels oder gleichermaßen für beide ist.

Ganz klar war mir jedoch: das Buch ist toll! Es ist warmherzig, aber nicht kitschig, witzig, aber mit Esprit und einfach wunderschön!

Uneingeschränkte Leseempfehlung nicht nur für die Altersgruppe 14-17. 5 von 5 Sternen.