Sonntag, 3. Juli 2016

Das Geheimnis von Benwick Castle






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 25.05.2016
  • Verlag : Dryas Verlag
  • ISBN: 9783940258601
  • Flexibler Einband 272 Seiten
  • Genre: Historischer Krimi

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1937 kurz vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges sucht Literaturprofessor John Stableford eine neue Inspiration für einen 2. Detektivroman, nachdem der erste ein großer Erfolg wurde.
Da kommt es wie gerufen, daß sein Verleger einen Brief aus den schottischen Highlands erhält in dem Stablefords Roman Alter Ego Blake mit seinen Helfern zur Aufklärung des Verschwindens eines exzentrischen Burgherren Alaisdair Benwick eingeladen wird.
John Stableford reist mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Harriet, seinem Freund dem Psychiater Dr. Percy Holmes und dessen Flamme der Psychoanalyterin Lady Penelope in die absolute Einöde der eh schon recht einsamen Highlands. Dort treffen sie auf eine eingeschworene Gemeinschaft, die auf Geheiß des Herren der „Festung“ die Artussage nachspielen. Sie werden mit Sir und Lady angeredet, auf Ritterlichkeit eingeschworen, dürfen keinen Arzt aufsuchen und müssen nach den Überresten des sagenumwobenen Camelot suchen und ein Fabeltier suchen. Doch die Gemeinschaft der 11 macht das nicht freiwillig, sie sind dem verschwunden Major Benwick alle auf die eine oder andere Art ausgeliefert und haben damit alle ein Motiv für einen Mord ohne Leiche.
Dieser Krimi ist klasse. Er ist im Stil der großen Klassiker von Agatha Christie und Sir Arthur Conan Doyle und immer wieder gespickt mit Anspielungen auf diese. Sprachlich sind diese sehr elegant in die Geschichte eingewirkt.
Auf der ersten Seite der nicht zu überlesende Hinweis auf das nützliche Golf-Glossar (nein, es ist kein Krimi nur für Hartgesottene Golfspieler) und die handgezeichnete Karten der umgebauten Whiskey Distillerie.
Der Fall ist wirklich kniffelig, man grübelt und statt der Lösung näher zu kommen, tauchen immer neue Puzzleteile auf, die einen immer weiter verwirren. Kaum scheint etwas nachvollziehbarer zu werden, tauchen neue Fragen auf. John Stableford läßt sich jedoch nicht von den Theorien seiner Freunde ablenken, sondern sammelt Fakten und schaut genau hin, fragt präzise nach. Dabei ist die Atmosphäre der Highlands ebenso gut eingefangen, wie der Geist der Zeit. Die Hitlers Einfluß in Deutschland wird ebenso thematisiert, wie die tiefen seelischen Wunden der Heimkehrer aus den Schützengräben zumeist aus der Normandie und Flandern. Nicht nur körperlich leiden die, die damals als junge Männer frohgemut und optimistisch dem Kriegsaufruf folgten noch an den Kriegsfolgen, auch seelisch sind nicht nur Albträume zurückgeblieben. Die steigende Bedeutung der Psychiater und Psychoanalytiker in dieser Zeit eine logische Folge des Krieges. Aber es ist kein Anti-Kriegsbuch, sondern ein historischer Krimi, der zwischen den zwei großen Kriegen der europäischen Geschichte spielt. A propos Geist, natürlich ist es in den Highlands so nebelig und geheimnisvoll, daß sich die Gänsehaut sich quasi von alleine auf der Haut bildet und die Frage nach einem Spuk in „Benwick Castle“ sich nach und nach in das Leserhirn schleicht. Nebenbei wird das Bild der Artussage klarer und es ist wirklich interessant mehr über seine Fakten, Thesen und Legenden zu erfahren, die Suche nach dem Täter wird hierdurch jedoch nicht unnötig überfrachtet, sondern einfach nur bereichert. Eine gefällige Sprache, die sich quasi von alleine liest, ohne seicht zu sein, sondern den Roman einfach toll abrundet und Kopfkino pur bietet. Nicht nur das miese Wetter vor dem Fenster läßt das Gefühl aufkommen sich mitten in den Highlands zu befinden.
Wer nun denkt, klingt ja ganz nett, aber zu kopflastig, der irrt. Die Charaktere werden wirklich gut gezeichnet (klar, sind ja auch eine Psychoanalytikerin und ein Psychiater im Team) und gerade die vier ermittelnden Freunde wachsen einem wirklich so sehr ans Herz, daß man auf ein baldiges Erscheinen von Band 3 hofft, um zu erfahren ob Dr. Holmes es schafft über seinen Schatten zu springen….. Wer sich nun fragt: „Was für ein Schatten?“ dem bleibt nur eins übrig: selbst lesen, es lohnt sich! Versprochen! 5 von 5 Sternen mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung nicht nur für Fans klassischer Krimis oder historischer Romane!