Dienstag, 21. Juni 2016

Tote haben kein Zahnweh

Ein humorvoller Krimi mit einer ungewöhnlichen Ermittlerin


von Isabella Archan


Broschiert: 336 Seiten
Verlag: Emons Verlag
ISBN-13: 978-3954517763
Genre: Kriminalroman




Die Zahnärztin Dr. Leocardia Kardiff hat seit ihrer Kindheit ein großes Problem: Sie hat riesige Angst vor Spritzen. Um besser mit ihren Ängsten umgehen zu können, geht sie regelmäßig zur Therapie und findet sich nach einer Sitzung plötzlich der ermordeten Witwe Kernbach gegenüber. Da sie ihr grausiger Fund sehr beschäftigt und ihre Neugier geweckt ist, beginnt sie auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen – sehr zum Missfallen von Hauptkommissar Jakob Zimmer, der nicht viel von Alleingängen, schon gar nicht solche von Zivilpersonen, hält.

Kein Wunder, dass Dr. Leo sich nicht nur Freunde macht und vor allem auch die Aufmerksamkeit des Mörders auf sich zieht.

Isabella Achan bringt mit Dr. Leo eine ungewöhnliche Ermittlerin, die mir vom ersten Moment an sympathisch war. Sie ist liebenswert, chaotisch und einfach echt. Auch wenn sie bei Weitem nicht immer rational handelt und wahnsinnige Gedankensprünge macht, so konnte ich mich gut in ihre Welt eindenken. Nur was sie jemals an Magister Heinz gefunden hat, das habe ich nicht verstanden. Aber das ist auch völlig nebensächlich.

Es macht riesigen Spaß an Leos Seite zu ermitteln und mitzuerleben, wie sie immer wieder mit Hauptkommissar Zimmer aneinandergerät. Nach und nach deckt Leo ein Puzzlestück nach dem anderen auf und ist der Polizei dabei oft eine kleine Nasenlänge voraus.

Neben Leo und den Kommissaren erweckt die Autorin gekonnt weitere Charaktere zum Leben, die sich alle durch ihre unterschiedlichen Eigenarten auszeichnen, so dass man das Gefühl bekommt, es mit lebenden Personen zu tun zu haben.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und mit einer wundervollen Prise Humor versehen. Vor allem der Einstieg ist sehr ungewöhnlich und die Autorin schafft es, dass man selbst bei dem Mord eher schmunzeln muss als eine Gänsehaut bekommt. So ist auch die Geschichte nicht spannend in dem Sinne, dass man sich im Dunkeln nicht mehr vor die Tür traut, sondern fesselnd, weil man wissen will, was Leo als nächstes tut und ob sie dem Mörder nicht einmal zu oft zu nahekommt. Der lockerleichte Ton zieht sich beinahe durch den gesamten Krimi und macht einen Teil seines Reizes aus. Zudem ist die Geschichte durchdacht und in sich logisch.

Neben dem bereits erwähnten Beginn gibt es noch ein, zwei weitere Stellen, deren Stil aus dem üblichen Rahmen fällt. Das mag nicht jedermanns Sache sein, doch mir hat dieser formale Bruch gefallen. Da diese Passagen allerdings sehr kurz sind, dürften sie auch Lesern, denen das nicht so zusagt, nicht allzu sehr stören.

Mein Fazit: Auch wenn die spannenden Stellen den amüsanten Szenen zahlenmäßig unterlegen sind, so hat das mein Lesevergnügen in keinster Weise beeinträchtigt. Der Krimi war durchdacht und besticht durch seine unkonventionelle Ermittlerin. Mir hat es sehr gut gefallen und ich empfehle den Krimi gerne weiter.