Mittwoch, 8. Juni 2016

Shylock is my name

von Howard Jacobsen



  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Vintage (4. August 2016)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0099593289
  • ISBN-13: 978-0099593287

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Tja, diese Rezension wird eine Herausforderung, denn ich empfand das Buch als sehr sperrig. Hatte ich den merchant of venice, der die Vorlage für diese Auftragsarbeit ist, im Unterricht sehr gerne gelesen, nachdem ich entdeckte, weshalb wir die Oxford-Uni-Ausgabe verwendeten, fehlte mir eine derartige Aufarbeitung für dieses Buch leider, auch wenn einige Beiträge in der Leserunde sehr hilfreich und erhellend waren.
Tja, worum geht’s auf einem Friedhof im Goldenen Dreieck im Norden Englands trifft der reiche Kunstmäzen Strulovich auf den orthodoxen Shylock, der am Grab seiner Frau Leah Zwiesprache mit ihr hält. Nach einem Verrat ihrer gemeinsamen Tochter, ist das Grab seine einzige Ansprache. Fasziniert nimmt Strulovich ihn mit in sein Haus, wo seine eigene Frau nach einem Schlaganfall in ihrem eigenen Körper gefangen ist und seine minderjährige Tochter Beatrice meist seinen Anblick nicht ertragen kann.
In unmittelbarer Nachbarschaft, aber in anderen reichen Kreisen lebt die schönheitschirugisch optimierte Plurabelle (kurz für Anna Livia Plurabelle Cleopatra a Thing of Beauty is a Joy Forever Christine), die der strahlende Stern in ihrer eigenen Verkupplungs-realitiy-show ist. Gemeinsam mit ihrem mondänen schwulen-besten-Freund D’Anton amüsiert sie sich über ihre zahlreichen Verehrer und versucht vergeblich ihre innere Leere zu füllen. Da scheint es ihr eine unterhaltsame Abwechslung zu sein, die junge jüdischstämmige Beatrice mit dem geistig schlichten drittklassigen Fußballer mit Naziruf zu verkuppeln….
So sperrig wie Plurabelles Name, ist auch die Geschichte und für mich auch die Sprache. Viele andere in der Leserunde waren gerade von der poetischen Sprache angetan. Ich dachte jedoch oft genug: bitte komm mal auf den Punkt. Als Lektor hätte ich radikal gekürzt. Für meinen Geschmack wurde gerade zu Beginn des Buches zu viel lamentiert. Die Personen waren mir zu extrem, zu krass, einfach nicht von dieser Welt. Sympathisch war mir niemand wirklich. Manchmal mag ich extrem schräge Charaktere in Büchern, aber irgendwie kam bei mir kein Schmunzeln auf, ich konnte mich mit der Exaltiertheit von Plurabelle nicht verbünden und Shylock war mit zu hart und kalt. Irgendwie fehlte mir das neben aller Extreme Liebenswürdige. Wäre es kein Buch aus einer Leserunde gewesen, hätte ich es sehr früh abgebrochen, denn Freude am Lesen hatte ich keine. Dabei war das Buch nicht nur schlecht, es hatte zu Recht auch seine Liebhaber. Aber das Thema der Bedeutung ein jüdischer Vater zu sein, reißt mich nicht wirklich mit. Die Gedanken zu den Religionen und ihrem Verhältnis  untereinander waren jedoch nicht uninteressant, aber bitte nicht immer und immer wieder. Bei aller Längen, war das Buch jedoch auch gespickt mit wirklich zitierwürdigen Gedanken. Und gerade diese intelligenten Überlegungen waren es, die für mich die Lektüre nicht zu einer reinen Zeitverschwendung machten, wenn es schon kein reines Vergnügen war.
Da ich aber Lesen als Genuß empfinde, dieser bei diesem Buch jedoch nicht wirklich aufkommen wollte, kann ich diesem Werk allenfalls 2,5 Sterne geben, wegen der teilweise wirklich brilliant formulierten Gedanken aufgerundet auf 3 Sterne. 

Es ist ein Werk das spaltet und so hat es auch glühende Verehrer gefunden, wenn auch nicht in mir. Wer mal ein etwas anderes Buch sucht, und sicher ist, daß er sich auch von wirklich zähen Buchanfängen nicht schrecken läßt, vielleicht auch noch ein Vater einer Tochter aus einer Beziehung verschiedener Religionen und Kulturen ist, könnte sich hier durchaus gut aufgehoben fühlen.