Sonntag, 5. Juni 2016

Pernilla oder warum wir nicht in den sauren Apfel beißen mußten

von Silke Schlichtmann und Susanne Göhlich


  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (14. März 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446250891
  • ISBN-13: 978-3446250895
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 - 11 Jahre



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Dies ist Band 2 der Geschichte von Familie Petersen aus Buxtehude. Familie Petersen sind: Papa Hannes, Bestatter und Gitarrenspieler, Mama Anita, Regionalthrillerautorin, Lars, 15 Pubertist mit unreiner Haut und Mitglied in der Band die Buxtehuder Beatles, Ole 10, empathisch, ausredegewandt und leider ein Magnet für schlechte Schulnoten, Pernilla 8, sehr familiär, mit Leib und Seele Schwester, geht den Dingen gerne auf dem Grund und Tierbestatterin, Sten 1 Jahr schmeißt gerne seinen Becher um, krabbelt und brabbelt. In weiteren Nebenrollen: Oma Hilde, nimmersiegender Quell unendlicher weiser Sprichworte für jede passende und unpassende Gelegenheit, Opa Albert, Uroma Alma mit schlappen 109 noch richtig fit und Onkel Heinrich der zur Zeit für 3 Monate in Australien ist. Dazu kommen Pernillas beste Freundin Ina, die die Klasse wiederholt und doch so viel weiß, der fiese Fiete, der Pernilla immer küssen will (iiiiiii!), Frau Rettig ihre Klassenlehrerin, Frau Miller ihre fast allwissende Horterzieherin, Regenwürmer, Wüstenrennmäuse, Bestattungsansorge, Frank Feidt…..
Pernilla und Ina haben sich beim Versteckspiel mit Ole in einem leeren Sarg in der Schreinerei versteckt und lauschen heimlich, daß auf Grund von Geldsorgen, das Haus mit Schreinerei wohl verkauft werden muß, weil sie seit Monaten keine Aufträge mehr bekommen und ein gewisser Frank Feidt Mutter Petersen eine Verleumdungsklage androht, da er behauptet, er wäre in dem letzten Thriller als Mörder dargestellt worden und nun blieben seine Kunden aus.
Natürlich wollen die Petersenkinder nicht in eine kleine 4 Zimmerwohnung ziehen und von Sozialleistungen leben. Daher beschließen sie, der Sache auf den Grund zu gehen und ermitteln!
Diese wunderbar warmherzige Familiengeschichte ist ein herrlicher Mix. Voller Slapstick Momenten, Missverständnissen, Weisheit (nicht nur von Oma Hilde, sondern auch bisweilen von den Kindern), überraschenden Wendungen und echtem Zusammenhalt.
Auch als sehr erfahrene Krimileserin und Anwältin, die weiß, daß das Böse nie ruht, hat mich das Ende wirklich überrascht, auch wenn wir mit einem weinenden Auge feststellen mußten, daß das Buch nach „nur“ knapp 300 Seiten schon vorbei ist. Die Ermittlungen bei der Bestattungskonkurrenz, die unter der Last der Aufträge fast zusammenbricht, während bei Petersen die Holzwürmer auf den Särgen tanzen, die Regenwurmrettung, das Aufspüren des geheimnisvollen Frank Feidt, eigentlich ist ständig was los, in dieser Chaos Familie. Aber man erfährt viel von den Gedankengängen und Überlegungen der Kinder. Wobei die Älteren den Jüngeren oft Missverständnisse und neue komplizierte Zusammenhänge und Begriffe erläutern, was für das Lesealter 9-11 eine echte Bereicherung ist. Denn nicht alle Kinder kennen den Unterschied zwischen Hartz IV und dem Harz. Dabei ist es wunderbar locker leicht, geschrieben und doch wirklich sprachlich ansprechend und eben teilweise zum Brüllen komisch. Wer hätte gedacht, daß es bei einer Bestatterfamilie, bei der der Tod zum täglichen Leben gehört, so lustig zugeht?
Abgerundet wird dieses literarische Erlebnis nicht nur für Kinder durch viele kleine lustige Zeichnungen und die wirklich witzigen Kapitelüberschriften die Neugierde wecken und eine kleine Vorschau auf die kommenden Seiten bietet.
Absolute Leseempfehlung, auch wenn man Band 1 nicht kennt. Dennoch werde ich meinem Patenkind zum 9. Geburtstag wohl Band 1 schenken. 5 von 5 Sternen!