Dienstag, 21. Juni 2016

Das Licht hinter den Wolken

Komplexe und gut durchdachte Fantasy


von Oliver Plaschka


Broschiert: 687 Seiten
Verlag: Klett-Cotta
ISBN-13: 978-3608961386 
Genre: Fantasy



In einer Welt, in der die Magie immer mehr zu versiegen scheint, ist die junge April eine Außenseiterin. So lange sie sich erinnern kann, sieht sie eine magische, zweite Sonne und macht sich eines Tages auf diese zu finden. Unterwegs trifft sie auf den Faelv Janner und bald schon ziehen die beiden mit den sagenumwobenen Schwertern Schneeklinge und Banneisen durch das Land.

Ein zweiter Erzählstrang handelt von dem Magier Sarik, der nach jahrhundertelangem Schlaf erwacht und sich kaum an etwas erinnern kann. Einzig ein Irrlicht ist sein treuer Freund und Begleiter.

Im dritten Erzählstrang entwickelt sich die Senatorentochter Cassiopeia zu einer Kriegerin, die Rache am Mörder ihres Vaters nehmen will.

Nach und nach werden alle Erzählstränge zusammengeführt und die unterschiedlichen Charaktere treffen aufeinander. Doch kann es für alle ein glückliches Ende geben oder bedeutet der Sieg des einen die Niederlage des anderen?

Oliver Plaschka hat einen sehr komplexen Fantasyroman geschaffen, der sich langsam aufbaut und dessen unterschiedliche Erzählstränge nach und nach sehr gekonnt immer enger verwoben werden. Neben den aktuellen Geschehnissen werden auch immer wieder Rückblicke in das Leben der Charaktere gegeben. Dazu kommen Sagen und Geschichten aus dem Kaiserreich und über seine Bewohner. Dadurch ist es nicht immer ganz so einfach den Überblick zu behalten. Dennoch greift alles logisch in einander und findet einen durchdachten und passenden Schluss. Vor allem das letzte Kapitel rundet die Geschichte nochmals zusätzlich ab, da sie einen wunderbaren Bogen zum Beginn des Buches schlägt.

Von den vielen Charakteren waren mir das Irrlicht und Cassiopeia die liebsten Figuren. Gerade Cassiopeia war für mich letztlich eine tragische Figur, die ein Spielball anderer Mächte war. Doch im Gegensatz zu April, auf die dies ebenso zutreffen ist, hat mich ihre Geschichte mehr berührt und ich habe mit ihr mitgelitten. Zu April habe ich nie so recht den Zugang gefunden, auch wenn ihre Reise spannend war.

Der Stil ist flüssig und zieht einen schnell in seinen Bann. Dennoch habe ich manchmal ein wenig die Spannung vermisst, so dass es mir vielfach nicht allzu schwer fiel, das Buch zumindest für eine Weile aus der Hand zu legen. Woran es genau lag, kann ich nicht sagen. Rein formal betrachtet kann ich es an nichts festmachen. Vielleicht lag es daran, dass ich mit April nicht so warm wurde oder das die eingeflochtenen Rückblenden zwar für sich genommen ebenso spannend waren, wie das heutige Geschehen, jedoch immer wieder die Handlung unterbrochen haben. Dessen ungeachtet waren sie interessant und für das Geschehen wichtig.

Mein Fazit: Trotz meiner Kritikpunkte hat mir Oliver Plaschkas Fantasyepos sehr gefallen und ich kann ihn guten Gewissens allen Liebhabern komplexer Fantasy weiterempfehlen. Für mich war es das erste Buch dieses Autors, aber das nächste wartet bereits.