Dienstag, 31. Mai 2016

Ziemlich schwerwiegend

Toller Beginn, etwas schwaches Ende

 
von Elizabeth Horn


Taschenbuch: 408 Seiten
Verlag: Montlake Romance
ISBN-13: 9781503937048
Genre: Liebesroman


Clara ist ziemlich unglücklich mit ihrer Figur. Während sie am liebsten so einige Kilos verlieren würde, hätte ihre beste Freundin Marion gegen ein paar Pfunde mehr nichts einzuwenden.

So wirklich glücklich sind die beiden allerdings auch ansonsten nicht. Marion ist zwar beruflich erfolgreich, aber schon lange auf der Suche nach ihrem Traummann. Clara hingegen ist zwar verheiratet und braucht selbst nicht zu arbeiten, doch ihr Mann scheint kein allzu großes Interesse mehr an ihr zu haben. Ganz anders ist da Carl, der charmante Konditor, den Clara über ein Opernforum kennenlernt. Ihre Pfunde scheinen ihn nicht zu stören und Clara braucht sich bei ihm nicht zu verstellen. Carl schätzt sie so, wie sie ist und zwischen den beiden entsteht eine tiefe Freundschaft. Doch reicht den beiden das auf Dauer?

Elizabeth Horns Roman beginnt wunderbar humorvoll und lebendig. Clara und Möhrchen, wie Marion seit der gemeinsamen Kindheit liebevollgenannt wird, sind trotz ihrer Unterschiede ein tolles Gespann und ich mochte die beiden auf Anhieb. Die Plänkeleien zwischen den beiden waren voller Wortwitz und den teils ironischen Unterton mochte ich sehr.

Doch so viel man auch schmunzeln konnte, eine gewisse Ernsthaftigkeit schwang immer wieder mit, wodurch diese Szenen für mich sehr gelungen waren. Man spürt, dass die Gewichtsprobleme nicht alles sind. Vor allem Clara hat kein allzu großes Selbstbewusstsein.

Leider muss ich sagen, dass der wirklich tolle Beginn immer mehr zu einer recht kitschige Liebesgeschichte wurde, in deren Verlauf Clara ein paar Sympathiepunkte eingebüßt hat. Durch die Bekanntschaft mit Carl, der sie wirklich auf Händen trägt, blüht sie regelrecht auf. Trotzdem ist sie voller Selbstzweifel, und statt mal ein offenes Gespräch suchen, nutzt sie Carl teils eher als Lückenbüßer, sonnt sich in seiner Aufmerksamkeit und scheint obendrein ihre beste Freundin fast zu vergessen. Unsympathisch ist mir Clara zwar nicht geworden, allerdings ist sie keine Identifikationsfigur für mich.

Von den Gewichtsproblemen verschiebt sich der Fokus immer mehr auf die Romanze zwischen Carl und Clara. Das ist an sich nicht schlimm, da ich durchaus gerne Liebesgeschichten lese. Auch dass es ein bisschen schnulzig ist, ist für mich für einen Liebesroman völlig in Ordnung. Allerdings habe ich den anfänglichen Humor und die Spritzigkeit gerade im letzten Drittel sehr vermisst.

Zu vieles wirkte letztlich stark konstruiert, vor allem das Ende, und die Figuren waren sehr schwarz-weiß gemalt. Dass gerade auch Claras Ehemann sehr blass bleibt und auf seine Oberflächlichkeit reduziert wird, finde ich sehr schade.

Mein Fazit: Elizabeth Horn hat einen wirklich angenehmen Schreibstil, der mich trotz aller Kritik begeistern konnte. Die erste Hälfte ihres Romans besticht vor allem durch seine Lebendigkeit und einen tollen Humor. Beides ist im zweiten Teil leider fast gänzlich verloren gegangen. Zudem konnte mich vor allem das Ende nicht überzeugen, auch wenn ich mir für die Protagonisten durchaus ein Happy End gewünscht habe. So komme ich am Ende leider nur auf drei bis dreieinhalb Sterne.