Dienstag, 3. Mai 2016

Wutentbrannt







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 16.03.2016
  • Verlag : edition oberkassel
  • ISBN: 9783958130319
  • Flexibler Einband 210 Seiten
  • Genre: Krimi






Mitten in KHK Steinbeißers Verabschiedungsfeier, kurz vor den leckeren Häppchen kommt der Anruf: gewaltsamer Todesfall in Zimmer 211 des Hotels am Carlsplatz, Düsseldorf. KHK Clemens von Bühlow leitet die Ermittlungen und darf sich noch am Buffet sein Team zusammenstellen.
Der Tote ist der junge russische Kunststudent Nikolaij Smirnow (Kolja), der neue Star am Kunsthimmel, charismatisch, charmant, sexy und ebenso anziehend, wie in seiner Egozentrik abstoßend. Der Tatort gibt kein klares Bild, doch der Charakter des Toten sorgt für eine Menge Verdächtige. Nicht zuletzt der Lechner Clan. Neues Düsseldorfer Geldadel unbekannter Herkunft, der von dem unnachgiebigen Patriarchen Helmut Lechner kontrolliert und geführt wird. Sein Enkelsohn Sebastian war der Letzte, der ihn noch lebend gesehen zu haben scheint. Ist er deshalb auch gleich sein Mörder, oder doch eher einer seiner Kommilitonen?
Dieses Buch besticht durch seine feinen Anspielungen. Sei es die Zimmernummer 211 (der Mordparagraph im Strafgesetzbuch), sei es der Kontrast zwischen dem ermittelnden Kommissar aus dem alten Landadel gegenüber den reaktionären Neureichen Lechners. Der running gag von Erika Wagner, einer ehemaligen Mordverdächtigen, die mit ihren Freundinnen von Bühlow bisweilen das Leben recht schwer machen kann. Die Möbel und Einrichtungsbeschreibungen lassen erkennen, daß die Autorinnen sich nicht nur oberflächlich mit Kunst und Design auskennen, sondern die hier geschilderte Kunstszene eher eine Herzensangelegenheit ist. Herkunftsgemäß bewegt der Kommissar sich hier auf sicherem Parkett und behält den Durchblick. Anders als bei den Frauen in seiner Umgebung, die auch nicht den Weg zu seinem Herzen bzw. er in ihr Herz zu finden scheint.
Die Ermittlungen führen kreuz und quer durch Düsseldorf, was umso größere Freude macht, wenn man die Ecken kennt. Dennoch erstickt der Feinsinn nicht den Fall, dieser wird logisch und konsequent zu Ende geführt. Ein Ende, dessen Täter nicht so sehr überraschte, wie die tieferen Beweggründe, die Qual hinter der Tat, die sich erst spät herauskristallisiert. Eine Tat im Affekt, die nur wenige Spuren hinterläßt und daher eines Menschenkenners bedarf, um die Zusammenhänge zu erkennen.
Gerade die Schilderungen der Familie Lechner und ihres Despoten haben mir besonders gefallen, aber auch Clemens von Bühlow, seinem Kampf mit einem geeigneten Platz zum Rauchen, dem rechtzeitigen Espresso, einer neuen Wohnung, ehe er die alte geräumt haben muß und dann auch noch die Frauen!
Kurzweilig und ausgesprochen schnell zu lesen, die Seiten fliegen nur so dahin.
Eine Leseempfehlung mit 4,5 von 5 Sternen!