Mittwoch, 11. Mai 2016

Spiegelspringer



Eine gelungene Geschichte mit sympathischem Protagonisten

 
von J.K. Wildling


Format: ebook
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 83 Seiten
Genre: Fantasy



Als Michael in einer gefährlichen Situation zufällig erfährt, dass er durch Spiegel springen kann, gerät sein Leben aus den Fugen. Die Gabe des Spiegelspringens hat er offensichtlich von seinem Vater geerbt. Dieser starb bereits vor zehn Jahren bei einem Unfall und sein Tod macht Michael immer noch zu schaffen – vor allem, da ihm seine Mutter keinen Halt geben kann.

Durch seinen unfreiwilligen Sprung durch den Spiegel erkennt Michael, dass die vermeintlich fiktiven Geschichten, die ihm sein Vater immer erzählte, in Wahrheit sehr real waren. Während Michael noch versucht seine Gabe zu erforschen, sehen andere in Michael eine immer größer werdende Gefahr und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Kann er einen Ausweg finden?

Da es sich um eine Kurzgeschichte von etwa 80 Seiten handelt, habe ich sie in einem Rutsch gelesen und hatte einen wirklich schönen Leseabend, da mir die Geschichte gut gefallen hat. Vor allem den Schreibstil habe ich als sehr angenehm empfunden.
 
Der Fokus liegt ganz klar auf Michael und seine Figur ist sehr detailliert herausgearbeitet. Ich konnte mich gut in seine Gefühlswelt hineinversetzen und nachvollziehen, wie ihm besonders die Situation mit seiner alkoholkranken Mutter zu schaffen macht. Michaels Sorgen und Ängste wurden sehr eindringlich und authentisch beschrieben. Die übrigen Figuren sind nicht ganz so ausführlich charakterisiert. Trotzdem blieben sie nicht blass und ich konnte sie mir ebenfalls gut vorstellen, allen voran seine Freundin Julia, die einen starken und klugen Eindruck machte.

Sehr gelungen wurden Rückblenden und Erinnerungen die in die Geschichte eingewoben und haben das Geschehen für mich runder gemacht. Zudem war es aus meiner Sicht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen aktuellen Ereignissen und der Vergangenheit.

Der Beginn der Geschichte schildert gut die Ausgangssituation und lässt ein komplexes Bild von Michaels Situation entstehen. Der Übergang zum zweiten Kapitel kam für mich etwas schnell und ich hätte mir etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht. Vor allem Michaels erste Versuche im Spiegelspringen hätte ich gerne begleitet. Generell wäre es schön gewesen, wenn die Geschichte etwas länger gewesen wäre. Es gab viele Ideen, die man noch genauer ausarbeiten könnte. Gerade am Ende hatte ich das Gefühl, dass sehr viel in verhältnismäßig wenige Seiten gepackt wurde.

Doch trotz der vielen Ereignisse am Ende hat mir der zweite Teil der Geschichte etwas besser gefallen als der Erste. Die Seiten schienen nur noch vorbeizufliegen.

Mein Fazit: Eine gelungene, phantastische Geschichte, die ohne Fabelwesen und Ähnlichem auskommt, dafür jedoch mit einem sympathischen Protagonisten punkten kann und sich durch einen angenehmen Schreibstil auszeichnet.