Montag, 30. Mai 2016

Die Geister von Ure

Gelungene Verflechtung alter Sagen zu einer ganz neuen Geschichte


von Carmen Capiti


Taschenbuch: 360 Seiten
Verlag: Nina C. Egli
ISBN-13: 9783033055704
Genre: Phantastischer Roman

Oldarn lebt in einem beschaulichen Bergdorf. Als die Existenz seines Dorfes bedroht ist, macht er sich auf die Suche, um Rettung zu finden und einen begangenen Fehler wiedergutzumachen. Schon nach kurzer Zeit trifft er auf den mysteriösen und menschenscheuen Exer. Dieser bietet ihm Hilfe an, wenn Oldarn im Gegenzug auch ihm hilft.
So begibt sich das ungleiche Paar auf eine gefährliche Reise durch Ure, die viele unvorhersehbare Überraschungen und Begegnungen bereithält. Je länger Oldarn unterwegs ist, desto mehr glaubt er daran, dass an den alten Geschichten über Geister, die man sich in seiner Heimat erzählt und über die auch Exer allerhand zu berichten weiß, etwas Wahres dran sein könnte. Doch können sie wirklich Herzenswünsche 
erfüllen? Und wie hoch ist der Preis dafür?

Schon mit dem ersten Satz befördert Carmen Capiti uns mitten in das Geschehen und wir lernen den Protagonisten Oldarn kennen. Ich mochte ihn auf Anhieb. Er machte einen sympathischen, aber etwas unerfahrenen Eindruck. Es war toll mitzuerleben wie sich Oldarn verändert und gewissermaßen reift. Langsam wird aus dem unsicheren jungen Mann jemand, der eigene Entscheidungen trifft und auf dessen Rat gehört wird.

Auch sein Reisegefährte Exer verändert sich, doch ist er eigentlich bis zum Ende nicht wirklich greifbar, was seine Rolle für mich umso spannender gemacht hat. Schweigsam, menschenscheu, eigenartig, aber an sich einer von den Guten? Oder doch eher jemand, den man meiden sollte?

Ebenso wie ich an Exers Motivation gerätselt habe, hatte ich auch keine Ahnung, worauf alles hinauslaufen könnte und welche Entwicklungen es geben könnte. Dennoch war es durchweg spannend und ich habe atemlos mitgefiebert. Mit vielen Wendungen hätte ich nie gerechnet, doch es war immer in sich schlüssig und gut durchdacht.

Gut gefallen hat mir, dass die Autorin sowohl ihren Protagonisten als auch uns Lesern immer wieder schöne und wohlverdiente Pausen gegönnt hat, so dass das Tempo nicht zu hoch wurde.

Lediglich am Ende ging es mir dann doch ein bisschen zu schnell. Die Auflösung ist passend, dennoch hätte ich mir dort ein paar Zeilen mehr gewünscht, besonders im letzten Kapitel. So kam das Ende etwas abrupt.

Der Roman basiert auf unterschiedlichen Innerschweizer Sagen, die am Ende dem Leser auch kurz zusammenfassend vorgestellt werden. Auch wenn ich mir die ein oder andere Sage nochmal genauer anschauen werde, es war sehr interessant zu lesen, worauf die Geschichte basiert und ich kann nur sagen, dass die Autorin sie wunderbar zu etwas eigenständigem, neuen verflochten hast. Hut ab!

Mein Fazit: Ein wunderbarer, spannender Roman, dessen toller Schreibstil mich gleich von der ersten Seite an gefangen genommen hat. Ganz unterschiedliche Schweizer Sagen zu nehmen und zu etwas Neuem zu verweben, ist nicht nur eine interessante Idee, sie wurde auch mit viel Können umgesetzt. Daher kann ich Carmen Capitis neuen Roman allen ans Herz legen und empfehlen, die sich für Sagen und Legenden interessieren oder auch einfach nur phantastische Romane lieben.