Donnerstag, 5. Mai 2016

Das Shakespeare-Geheimnis







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 10.05.2016
  • Verlag : Amazon Publishing
  • ISBN: 9781503992757
  • Flexibler Einband: 390 Seiten 
  • Genre: Historischer Roman






London 1592: Alice ist 15 und die Tochter eines reichen Kaufmanns, als sie mit Stephen Compton verheiratet wird – wegen dessen Adelstitel. Dabei würde sie viel lieber Theaterstücke oder Gedichte schreiben. Sie beneidet ihre Brüder, denen die Welt offen steht, würde gern einer von ihnen sein. Alice ist einfach nicht so unterwürfig und angepasst, wie es sich für eine junge Frau ihres Standes geziemt.
Schon beim ersten Kennenlernen hat sie das Gefühl, dass sie für Stephen nicht mehr ist als ein weiterer Besitz, ein Stück Vieh, das sich ihm komplett unterzuordnen hat. Und dieses Gefühl trügt sie leider nicht. Stephen prügelt ihr den Gehorsam immer wieder ein. Als sie es nicht mehr aushält, flieht sie nach London. 80 Meilen zu Fuß. Verkleidet als junger Mann. Immer getrieben von ihrer Angst vor Stephen.
In London wendet sich das Blatt. Sie hat Glück: Christopher Marlow nimmt sie in sein Ensemble auf. Endlich kann sie ihren Traum leben und auf der Bühne stehen!
Als die Pest ausbricht, beschließt das Ensemble über Land zu ziehen. Alice hat Angst vor Entdeckung durch ihre Gefährten und ihren Mann, geht aber trotzdem mit. Sie liebt dieses Leben, die Freiheit, die es ihr bietet, schon viel zu sehr. Außerdem hat sie ihre große Liebe gefunden ... Doch Stephen ist ihr auf den Fersen, denn er will sie um jeden Preis zurück!

Christiane Lind beschreibt in diesem Roman sehr eindrucksvoll das Leben zu Shakespeares Zeiten und gewährt uns einen Blick hinter die farbenprächtigen Kulissen des Theaters. Frauen wie Alice hatten sich willenlos unterzuordnen und keinerlei Rechte gegenüber ihrem Ehemann – es lag natürlich an ihr, wenn er sie züchtigte.
Den Schauspielern ging es ähnlich. Sie galten als „Vaganten“, Heimatlose. Waren darauf angewiesen, ihr Theater einem einflussreichen Gönner zu unterstellen, der sie vor der Obrigkeit schützte und auch bei gewagten Stücken verteidigte – zu schnell konnte ein falsches Wort als Hochverrate ausgelegt werden. Außerdem waren die Schauspieler ausnahmslos Männer, die Frauenrollen wurden von Knaben vor dem Stimmbruch gespielt.
Die Stücke wurden nach „Schema F“ geschrieben: sie dauern max. 2 Stunden; es gab nur so viele Rollen, wie die Schauspieler verkörpern konnten und man musste deren vorhandenen Talente beachten. Marlows Tipp, um im Theaterbetrieb Erfolg zu haben: „Heirate reich und werde glücklich.“ Nicht nur die Schauspieler, auch ein Autor verdiente nämlich nicht besonders gut! Und trotzdem übt das elisabethanische Theater auch heute noch einen großen Reiz auf uns aus.
Auch über die „Weltstadt London“ wird uns jede Illusion genommen: Es ist laut, dreckig und stinkend. Die Pest grassiert immer wieder und die Menschen müssen um ihr Überleben kämpfen. An jeder Ecke gibt es Bordelle und Tierkämpfe.

Das Shakespeare-Geheimnis“ hat mich regelrecht gefesselt. Die Autorin spielt mit dem Leser Verwirrspiele wie auf der Bühne. Man hetzt mit Alice atemlos von Ort zu Ort, getrieben von der Furcht vor ihrem Mann und leidet dabei mit ihr. Jedes Mal, wenn sie sich gerade erholt und etwas emanzipiert hat, taucht er wieder auf und sein perfides Spiel beginnt von vorn.
Und auch Marlow flieht vor den Geistern seiner Vergangenheit (zusammen mit seinem Kater Achates, den er mit Salzhering bestechen muss ;-)), die ihn immer wieder einzuholen drohen. Gibt es doch gleich 2 Parteien, die sich seiner als Spion bedienen wollen.
Besonders gemein fand ich übrigens, dass die Autorin den Buchtitel erst im letzten Satz erklärt. Ich hab den ganzen Roman über mitgerätselt! Eigentlich ein guter Kniff von ihr - also ja nicht zuerst das Ende lesen!

Erwähnen möchte ich noch kurz den London Stadtplan dieser Zeit, den Querschnitt durch ein elisabethanisches Theater, das Personenverzeichnis, das Glossar, die Literaturempfehlungen und die Ausführungen zum historischen Hintergrund, welche das Buch abrunden.

Von mir gibt es für diesen tollen, hervorragend recherchierten historischen Roman, der mich sehr gut unterhalten hat, 5 Sterne!

Vielen Dank an Christiane Lind für das Rezensionsexemplar. Und wenn ich Euch jetzt neugierig gemacht habe, könnt ihr Euch noch bis zum 8. Mai hier für die Leserunde bei Lovelybooks.de bewerben.