Samstag, 19. März 2016

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag





  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 22.01.2016
  • Aktuelle Ausgabe : 22.01.2016
  • Verlag : Der Audio Verlag
  • ISBN: 9783862316823
  • Audio CD
  • Genre: Jugendbuch 




An dem ehrwürdigen Irving Institute einem amerikanischen Elite-Internat werden Tradition und Freundschaft großgeschrieben. Es ist Brauch, daß die Abgänger beim Räumen ihres Zimmers für Ihre Nachfolger einen Schatz zurücklassen.

Duncan erhält das angeblich schlechteste Zimmer, das jedoch versteckte Vorzüge bereit hält, wie z.B. einen Sonderservice durch den Englisch Lehrer M. Simon oder das Geheimfach im Schrank. Darin findet er einen Stapel von seinem Vorgänger dem Albino Tim MacBeth besprochener CD’s und einen Schlüsselring mit 3 Schlüsseln. Fasziniert legt er die 1. CD ein und ist direkt in den Bann geschlagen, denn die Geschichte berührt ihn teilweise auch. Gerade der tragische Ausgang eines Ausflugs im Februar des Vorjahres verfolgt ihn noch immer.

Neben der eigentlichen Geschichte verrät Tim noch wichtige Hilfen für die Jahresabschlußarbeit im Fach Englisch bei M. Simon über die Tragödie in der Literatur. Während er sich auf die Arbeit vorbereitet und die von ihm miterlebte Tragödie sich auf den CD’s immer weiter entfaltet, nimmt das Gehörte auch immer weiter Einfluß auf sein Leben.

Die zwei Erzählstränge werden zur deutlichen akustischen Unterscheidung von 2 verschiedenen Sprechern mit deutlich unterschiedlichen Stimmen gelesen. Beide lesen wirklich gut, aber während ich von Andreas Fröhlich absolut überzeugt bin, finde ich die Stimme von Nicolas Artajo einfach zu alt klingend für eine Geschichte aus Sicht zweier Teenager.

Sehr gut gefallen hat mir der Einblick in das Internatsleben und die typische Trennung zwischen den beliebten Superstars und den Losern. Durch ein Schneechaos am Flughafen lernt der Albino Tim die tolle Vanessa kennen und stellt zu seinem Erstaunen fest, daß sie bereits Schülerin von Irving ist, die Schule, die er nun neu besuchen soll. Die Geschichte der Beiden  erinnerte einen ein wenig an die Schöne und das Biest. Wobei Tim nur in seiner Selbstwahrnehmung ein abschreckendes Ungeheuer ist. Geschmeichelt von Vanessas ehrlich gezeigter Sympathie trifft er eine Menge falscher Entscheidungen. An dieser Stelle kann man sehr schön den Aufbau der Tragödie erkennen. Ordnung, Chaos, Ordnung, wobei das Chaos meist durch einen Charakterfehler des tragischen Helden ins Rollen gebracht wird. Tim MacBeth fehlt es erheblich an Selbstvertrauen. Wie oft wollte ich ihn zu gerne schütteln und dachte nur! Mein Gott, das kann doch jetzt nicht wahr sein.

Aber auch Duncan steht seinem Glück oft selbst im Weg und über die Langmut seiner Freundin Daisy war ich echt erstaunt, andernfalls wäre das Glück sicher schnell wieder zu Ende gewesen….

Die Personen polarisieren und die Erzählweise ist interessant, ungewöhnlich. Aber das Ende ist mir leider zu abrupt, da bleibt mir noch einiges zu unklar, nicht bei Duncan, sondern bei MacBeth.

Ich habe einiges wieder über die Tragödienstruktur in Erinnerung gerufen bekommen, sowie über die Katharsis, durch die Beichte/Geständnis. Duncan hat es erlöst, ob es auch so befreiend für Tim war, vermag ich nicht zu beurteilen. Gut gefallen hat mir das Namensspiel Duncan/MacBeth.

Da mich das Ende aber nicht völlig emotional gepackt hat und ich den zweiten Sprecher nicht ganz optimal fand 4 von 5 Sternen. Aber Vorsicht, es ist eine Tragödie, keine leichte Teenieromanze!