Donnerstag, 31. März 2016

Jane Eyre - Ein Hörspiel



Vertonung des literarischen Emanzipations-Klassikers

Autor: Charlotte Brontë
Genre: Roman, Klassiker

Verlag: Der Hörverlag

Preis: € 19,99 (empf. VK-Preis)

Hörbuch CD: 3 CDs

Laufzeit: 3h 50

ISBN: 978-3-8445-2067-5

Erschienen am: 25.01.2016



 
Dieser im Jahr 1847 unter dem Pseudonym Currer Bell erschienene und mit autobiographischen Zügen ausgestattete Roman von Charlotte Brontë, gehört zu den Klassikern der victorianischen Literatur. Jane Eyre, das wohl berühmteste Kindermädchen des 19.Jahrhunderts, war durch ihre emanzipierte Haltung für damalige Verhältnisse revolutionär. Daher musste ich die Gelegenheit rechtzeitig zum 200. Geburtstag der Autorin nutzen, das Hörspiel genießen zu dürfen, beim Schopfe packen.
Der Originaltitel „Jane Eyre. An Autobiography gibt nicht nur den Hinweis auf die Erzählperspektive der Ich-Erzählerin Jane Eyre, sondern impliziert aus meiner Sicht auch, dass die Autorin eigene Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet hat.

Die Protagonistin Jane Eyre erlebt eine schwere Kindheit. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wächst das Waisenmädchen zwar im Haushalt ihres Onkels, dem Bruder ihrer Schwester, auf Gateshead auf; jedoch behandeln sie die inzwischen verwitwete Tante, Mrs. Reed und die hochnäsigen, verwöhnten Cousinen sowie der unsäglich freche und dreiste Cousin dermaßen schlecht, dass Jane mehr als deutlich spürt, dass sie nicht wirklich dazu gehört. Trotz ihres Wohlstandes stellen die Reeds Jane auf eine niedrigere soziale Stufe. Durch Janes Intelligenz, ihren inbrünstigen Gerechtigkeitssinn sowie ihre offene und direkte Art wird sie für Mrs. Reed ein immer größerer Dorn im Auge. Als die Situation schließlich eskaliert, wird das Kind in das Mädchenpensionat Lowood geschickt, das unter der strengen, aber zweifelhaften Führung des widersprüchlich-heuchlerischen Mr. Brocklehurst steht, der Bescheidenheit, Demut und Keuschheit predigt, jedoch selber mit seiner Frau und Tochter ein luxuriöses Leben in Pomp führt. Doch trotz Hunger, Kälte und Erniedrigung bietet das Pensionat Jane eine Chance auf Bildung und zudem den Kontakt zu wertvollen Menschen, wie der Mitschülerin Helen Burns und der Lehrerin Miss Temple.
Von der fleißigen, gebildeten und äußerst intelligenten, aber auch sehr frommen Helen lernt die impulsive Jane Geduld und Demut kennen, denn Helen erträgt die ungerechten Behandlungen im Internat geradezu stoisch. Schließlich stirbt sie an der Schwindsucht ohne je mit ihrem Schicksal zu hadern.
Die liebevolle und fürsorgliche Miss Temple wird zu einer Art Mentorin für Jane. Schließlich ermöglicht sie der begabten Schülerin sogar selber Lehrerin in Lowood zu werden. Doch als Miss Temple schließlich heiratet und das Internat verlässt, sucht Jane sich eine Stelle als Hauslehrerin und Gouvernante. Auf Thornfield Hall kümmert sie sich um das französisch stämmige Mündel des Hausherren Mr. Rochester, den Jane allerdings zunächst nicht zu Gesicht bekommt. Die alte Hauswirtschafterin, Mrs. Fairfax, ist vorerst ihre Ansprechpartnerin.
Die spätere Begegnung mit dem zuweilen bärbeißigen Mr. Rochester ist sowohl eine Herausforderung als auch Bereicherung für Janes Leben, fordert er doch ihren Intellekt und respektiert sie trotz seiner eigenwilligen Umgangsformen als gleichwertigen Gesprächspartner. Schnell wird klar, dass sich zwischen der jungen Frau und dem wesentlich älteren Gutsherren eine enge Beziehung entspinnt. Allerdings wird diese durch unheimliche Vorkommnisse im Haus und ein durch Rochester veranstaltetes Verwirrspiel auf die Probe gestellt.
Die leiderprobte Jane trifft nach einem dramatischen Ereignis wieder einmal die Entscheidung sich selber treu zu bleiben und verlässt Thornfield Hall, um sich mittellos in eine unbekannte Zukunft zu begeben. Das Schicksal führt sie in das Pfarrhaus von St. John Rivers, wo ihre Persönlichkeit und Selbständigkeit weiter heranreift und ihr Schicksal schließlich eine weitere entscheidende Wendung erfährt.

Dieser revolutionäre Roman befasst sich neben der Liebe mit den spannenden Motiven der sozialen Klasse, den Geschlechterrollen und der Religion, die für Jane zu Beschränkungen und Herausforderungen werden. Jane setzt sich damit auseinander und überwindet alle drei mit Willens- und Charakterstärke, aber auch mit eigenem Glück und dem unglücklichem Schicksal anderer.

Die Umsetzung als Hörspiel ist grundsätzlich geglückt. Während mir die ausgebildeten Sprecher, wie Sascha Icks als Jane Eyre, Christian Redl als Mr. Rochester oder Witta Pohl als Mrs. Fairfax – um nur ein paar zu nennen - in diesem Hörspiel sehr gut gefielen, empfand ich die musikalische Untermalung in ihrer teilweise dominant einfältigen Art jedoch eher als störend und ablenkend bis irritierend, denn als Bereicherung. Vor allem die einfachen Posaunentöne muteten für mich mehr nach Sendung mit der Maus an – wobei ich diese sehr mag (!), als nach klassischer und anspruchsvoller literarischer Unterhaltung an. Die akustische Untermalung ging meiner Meinung nach nicht mit Text und Inhalt einher.


Fazit:
Interessante und hörenswerte Umsetzung des Literaturklassikers um die charakterstarke und Unabhängigkeit suchende Jane Eyre.