Sonntag, 14. Februar 2016

Papa -Probetraining



Witzig selbstironische und dennoch ernste Autobiographie


Autor: Ben Weber
Format: Taschenbuch

Umfang: 224 Seiten

Verlag: BoD

ISBN 978-3-7386-9769-8

Preis: 8,90 €


Diese autobiografische Geschichte von Ben Weber, die erstmalig im Dezember 2013 vom Droemer–Knaur Verlag als E- Book veröffentlicht wurde, nimmt den Leser mit auf eine einmalig humorvolle, aber auch äußerst emotionale Reise. Ich beziehe mich auf die mittlerweile bei BoD erschiene Printversion.

Herrlich an diesem Buch ist zum einen die Selbstironie, mit der Ben Weber sein eigenes Verhalten unter die Lupe nimmt, und zum anderen die lebendige und emotionale Schilderung der Begegnungen mit dem Pflegekind Leo, das in seinem Leben schon viel hin und hergeschoben wurde.

Ben selbst ist ein - mit Ende vierzig - nicht mehr ganz taufrischer Fitnesstrainer, der recht glücklich und zufrieden in einer – zwar unfreiwillig, aber mittlerweile akzeptierten – kinderlosen Ehe mit der Grundschullehrerin Susanne lebt. Susanne bringt eines Tages den neunjährige Leo, einen Schüler aus ihrer Klasse mit nach Hause. Nichts Böses ahnend findet Ben den Jungen unvorbereitet in seiner Küche. Er ist Kinder nicht gewöhnt und seine Frau gerade nicht zugegen, so dass Ben sich ein wenig hilflos fühlt…

Leo ist ein Pflegekind, das aus seiner aktuellen Pflegefamilie wieder in ein Kinderheim abgeschoben werden soll. Doch Susanne hat einen Narren an dem Jungen gefressen. Als er tatsächlich wieder ins Kinderheim zurück muss, lässt dies Susanne keine Ruhe. Mit absolut großem weiblichen Geschick bringt sie den Jungen Leo und ihren Mann Ben Schritt für Schritt näher - und das ach so geordnete und beschauliche Leben von Ben erhält unerwartete Impulse und Turbulenzen. Denn Ben erlebt bei den Kinderheimbesuchen und Ausflügen mit dem pfiffigen Jungen so manche prekäre oder gar peinliche Situation. Doch er meistert sie letztendlich alle irgendwie und der Junge wächst ihm, auch wenn er es sich nicht so recht eingestehen will, immer weiter ans Herz.

Trotzdem Ben anfänglich alles andere als begeistert ist, dass der kleine Junge nach und nach so viel Raum in seinem Leben einnimmt und er sich immer mehr um ihn kümmern soll, stellt er jedes Mal fest, dass der Junge Freude, Spaß und Abwechslung in sein Leben bringt. Er beginnt sogar den Jungen zu vermissen, als er ihn eine Zeit lang nicht sieht. Als es dann darum geht, dass Leo in eine neue Pflegefamilie soll, weckt das sogar unerwartete Widerstände in ihm.

Spätestens an dieser Textstelle wird klar, wie sehr Leo Ben bereits ans Herz gewachsen ist:
„Der Junge sah so wunderbar entspannt und zufrieden aus, dass mir spontan das Wort `glücklich´ in den Sinn kam. Im gleichen Moment wurde mir bewusst, dass sich diese Stimmung auf mich übertrug. Vielleicht war es das, was man von Kindern zurück bekam? Ein Stück vom Glück…“

Dieser autobiographische Roman vermittelt einerseits humorvoll, andererseits einfühlsam, welche starken und tiefen Gefühle man für ein fremdes Kind entwickeln kann, deckt aber auch schonungslos die großen Herausforderungen auf. Dieses langsame aneinander Gewöhnen ist beispielhaft, denn Pflegeeltern übernehmen eine große Verantwortung. Die Abschiebung Leos durch die anderen Pflegeeltern ist ein harter emotionaler Einschnitt für den kleinen Jungen. Die behutsam aufgebaute emotionale Bindung, die Ben und Susanne vollziehen, stellen eine gute Grundlage für den einschneidenden Schritt, ein neues Familienmitglied aufzunehmen, dar.


Fazit:
Humorvolle und emotionale Unterhaltung - nicht nur für (potentielle) Pflegeeltern! Absolute Leseempfehlung!!!