Dienstag, 2. Februar 2016

Nur ein Tag








  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 25.01.2016
  • Verlag : Dressler
  • ISBN: 9783791527024
  • Fester Einband





Meiner kleinen Tochter lese ich gerade ein Buch über das Sterben vor. Die Große will es nicht mitlesen, es gefällt ihr nicht. Aber ich finde das Thema wichtig, denn kein Leben ohne Tod.

Das Buch schien dafür optimal zu sein.

Und tatsächlich - hatte ich erst mal begonnen, diese Geschichte vorzulesen, durfte ich nicht mehr aufhören.

Ein Wildschwein und ein Fuchs sitzen am See und beobachten eine Eintagsfliege beim Schlüpfen. Eigentlich wollen sie nix mit ihr zu tun haben, denn sie lebt ja nur so kurz, wenn sie sie liebgewinnen, müssen sie ja abends wieder um sie trauern. Und wie sollen sie ihr klarmachen, das sie nur 24 Stunden hat?

Die kleine Fliege ist aber so süß als sie geschlüpft ist, daß alle guten Vorsätze dahin sind. Die Fliege merkt aber, daß mit den Zweien etwas nicht stimmt, und möchte wissen, weshalb sie so traurig sind? Da erzählen die Zwei einfach wahrheitswidrig, daß der Fuchs nur 24 Stunden zu leben hätte. Oh, denkt die Fliege, also wenn man nur 24 Stunden zu leben hat, dann muß das ganze Glück eines Lebens in diese 24 Stunden gepackt werden!

Das heißt, Ausbildung, Heirat, Kinder kriegen, gemeinsam alt werden und nicht alleine sterben ...

Flugs organisiert die kleine Eintagsfliege alles, um dem verdutzten Fuchs den schönsten Tag seines Lebens zu bieten.

Das Buch ist sowohl wunderschön bunt illustriert, als auch sehr poetisch geschrieben, voller Sätze der Wärme und der Weisheit. Und dabei urkomisch! Eigentlich basiert das Buch auf einem Theaterstück und daher sind Dialogpassagen in verschiedenen Farben gedruckt, so daß es wunderbar zum Vorlesen geeignet ist. Als Vorleser sieht man sofort, wann man welche Figur sprechen muß. Das führte dazu, daß meine Töchter 6,5 und 8,5 Jahre bei 2/3 des Buches auf dem Boden lagen vor Lachen, wenn die Fliege in Aktion tritt. Mein Mann war schon ganz eifersüchtig ;-). Die Tiefe der Dialoge ist ihnen dabei wohl etwas entgangen, so daß ich es ihnen einfach noch einmal vorlesen werde, leider aus aktuellem Anlass (vorgestern ist der Vater eines ehemaligen Mitschülers plötzlich im Schwimmbad ertrunken und es war ein großes Thema in der Schule). Die Kopfnüsse, die das Wildschwein dem Fuchs stets verpasst, mögen nicht jedermanns Sache sein, meine 2 fanden es witzig (wissen sie eigentlich, was das ist?).

Durch das Vorlesen in Dialogform haben die Kinder auch unbekannte Begriffe wie Capice gut verstanden. Sie gingen vollkommen in der Geschichte auf, so daß ich sie erinnern mußte, daß die 3 ja eigentlich das ganze Leben in einem Tag nur spielen. Zu sehr, waren sie in dem Vater-Mutter-Kind-Spiel der Dreien gefangen.

Im letzten Drittel wird es düsterer und dunkler. Die Fliege erfährt, daß gar nicht der Fuchs nur noch kurze Zeit zu leben hat, sondern sie. Dadurch eröffnet sich wunderbar der Dialog zu der Frage, was macht man, wenn man weiß, daß man bald stirbt? Sollte man nicht versuchen, daß Leben, daß einem noch bleibt zu genießen, mit seinen wahren Freunden, statt zu streiten? Die Fliege fühlt sich nämlich verkauft und verraten!

Aber am Ende wird alles gut! Sie muß nicht alleine sterben und sie schafft es auch noch, ihre Lebensaufgabe zu erfüllen. Zum Glück habe ich das Ende morgens vorgelesen. Denn nun haben wir nicht mehr Tränen gelacht, sondern geweint. Die Kleine, konnte keinen weiteren Kakao mehr trinken, weil sie doch so traurig war, daß die kleine Fliege, in die sie sich so verliebt hatte, starb! Also haben wir darüber geredet, daß sie doch ein ganz tolles Leben mit ganz tollen Freunden hatte und Sterben muß sie ja nunmal! Aber sie war nicht allein und hatte ganz viel Spaß!

"Niemand weint über das Leben und deshalb sollte auch keiner über den Tod weinen!"

Dieses und ähnlich wunderbare Worte helfen den Kinder hoffentlich Leben und Sterben besser zu verstehen, auch wenn es weh tut.

Ein wirklich wunderbares Buch. Sehr kindgerecht, witzig und wertvoll. Selbst ich als Erwachsene habe die kleine Fliege beweint und zuvor Tränen gelacht.

Ein Buch, daß man zu Hause haben sollte und nicht nur ausleihen.... Wie allgegenwärtig das Thema ist, mußten wir leider selbst während des Lesens erfahren.