Freitag, 12. Februar 2016

Im fahlen Licht des Mondes

Das Schicksal einer jungen Cheyenne Indianerin

Der nackte Kampf ums Überleben

Autor: Kerstin Groeper

Format: Taschenbuch (Klappenbroschur); 578 Seiten

Altersempfehlung: ab 16 Jahren

Preis: 16,90 €

Verlag: Traumfänger Verlag

ISBN: 9783941485488

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 13.11.2015


Schon lange wollte ich ein Buch der Autorin Kerstin Groeper, die vielen Lesern, die sich für die indianische Kultur und Geschichte interessieren, sicher bekannt sein dürfte, lesen. Nun durfte ich ihre neueste Veröffentlichung „Im fahlen Licht des Mondes“, im November 2015 erschienen im Traumfänger Verlag, rezensieren und bin schier weg begeistert. Kerstin Groeper besitzt nicht nur ein sagenhaft umfassendes Wissen über das Leben und die Kultur der Indianerstämme, sondern sie versteht es darüber hinaus, dieses Wissen in einen spannenden und mitreißenden Plot zu packen.
Wir dürfen das Schicksal der Protagonistin dieses Historienromans, die junge Cheyenne Moekaé, was Grasmädchen bedeutet, über etwa zwei Jahre begleiten. Hierbei erfahren wir nicht nur zahlreiche Details über die Deportation in die Forts und Reservationen, sondern außerdem auch viel über die indianische Kultur und deren Riten sowie erhalten Einblicke in besonders bedeutsame Orte. Interessant sind auch die Vorurteile sowohl der Weißen gegenüber den Indianern, als auch die der Indianer gegenüber den Weißen, genau wie die unerwarteten Parallelen sowie Gegensätze in den Wertewelten.

„Manchmal war ein Flüstern zu hören, nur die lauten Stimmen der Soldaten übertönten die Ruhe, wenn sie ihre Anweisungen brüllten. Die Kinder zuckten jedes Mal zusammen, denn ihre Eltern sprachen leise mit ihnen, um ihre jungen Ohren nicht zu beleidigen. Soldaten schienen zu glauben, dass die Cheyenne taub wären.“

Die Geschichte beginnt im Winter des Jahres 1876. Die Schlacht am Fluss Little-Bighorn ist vorüber, General Custer hat gesiegt. Die Cheyenne haben sich in ihre Winterlager zurückgezogen und ausreichend Vorräte angelegt. Der Leser erhält direkt einen Blick auf Moekaé, die Protagonistin dieses Buches, die sich auf die Winterruhe freut. Doch genau in diese Ruhe schlagen unerwartet Kugeln ein – direkt in ihr Tipi - und so beginnt für die noch nicht einmal 20 jährige, jung Verheiratete eine verzweifelte Flucht unter gnadenloser Hetzjagd der weißen Soldaten. Zahlreiche Verluste sind zu beklagen und dabei wird weder Rücksicht auf Kinder, Frauen oder Alte genommen. Wahllos wird gemeuchelt, geschändet und niedergemetzelt.
Nach mehreren erbitterten Kämpfen werden die Cheyenne unausweichlich zunächst in Forts und schließlich in Indianer-Reservate im Süden deportiert. Dort sollen sie zivilisiert werden. Doch bar ihrer eigentlichen Aufgaben, siechen vor allem die Männer und Krieger vor sich hin. Die Lebensbedingungen sind schlichtweg untragbar. Viele verfallen dem Alkohol und verändern ihr Wesen.
Daher bricht Moekaé mit ihrem Mann Heskovetse und einigen anderen Entschlossenen auf, um wieder in den Norden zurückzukehren. Doch auch diese Flucht ist hart und folgenschwer. Schutzlos mitten im Winter sind die meisten Cheyenne so geschwächt, dass sich ein Teil – unter anderem Moekaé und ihr Mann - ergibt und ins Fort Robinson bringen lässt. Und wieder sind die Bedingungen untragbar, so dass die Cheyenne einen weiteren verzweifelten Ausbruch unternehmen – auch die mittlerweile hochschwangere Moekaé. Sie folgt den Stimmen ihrer Ahnen und schleppt sich mit letzter Kraft auf geheiligtes Indianer Territorium, als sie eine Kugel eines weißen Siedlers trifft und sie beinahe tötet. Nun beginnt eine große Wende im Leben der Indianer Squaw und der weißen Siedler Familie …

Ein Buch voller Weisheit und Wahrheit, das in bildhaftem Schreibstil alle Emotionslagen durchspielt und den Leser an die Handlungsorte versetzt. Ob Thriller taugliche Spannung gesteigert bis hin zum Grauen. Mystik, Romantik oder sogar Humor, dieses Buch enthält sämtliche Nuancen, die ein umfassendes Leseerlebnis garantieren. Dabei bleibt Kerstin Groeper aber stets glaubwürdig. Das Buch steckt voller Herzblut und erreicht die Seele des Lesers.
Die fiktive Geschichte um Moekaé ist eingebettet in die tatsächlichen historischen Hintergründe der Indianer-Deportationen. Keine leichte Kost und auch keine Lektüre für zwischendurch, jedoch für mich ein echter Page-Turner, der mich in seinen Bann zog und mir die Indianer-Kultur wieder ein Stück näher brachte!

Toll sind auch die Charakterzeichnungen. Natürlich fiebert man vom ersten Moment mit der beeindruckenden jungen Moekaé mit, die trotz ihres jungen Lebensalters solch eine Reife aufweist. Schonungslos wird der schwankende Charakter ihres indianischen Mannes Heskovetse aufgezeigt. Der stolze Krieger, der sich selbstlos vor Frauen, Kinder und Alte stellt, ohne den Tod zu fürchten; aber in den desaströsen Lagerbedingungen dem Alkohol zuspricht und sich sogar zu Schandtaten gegenüber unschuldigen Weißen hinreißen lässt und schließlich sein Gewissen spürt.

„Heskovetse spürte die Scham, als er sich von dem Haus entfernte, und er fürchtete sich davor, in Moekaés Augen zu blicken.“
Hingegen ist das kleine, an Mutterstatt angenommene Mädchen „Rotes Blatt“, die Tochter von Moekaés getöter Schwester, ein Beispiel an Anpassungsfähigkeit, Unvoreingenommenheit und Lebensfreude. Toll werden zudem die stolzen, nachdenklichen Stammesältesten dargestellt.

„"... Mahéo hat uns gelehrt, Mitleid zu empfinden und Großmut zu zeigen. Wir haben uns weit von dem entfernt, was es heißt, Cheyenne zu sein."

Aber auch bei den weißen Siedlern und den Soldaten finden sich die unterschiedlichsten Charakter und Charakterentwicklungen, ob die gutherzige Klara, ihre ebenso sympathischen Söhne Josh und Collins oder ihr griesgrämiger, bärbeißiger und vorurteilsgeladener Mann Theodor, der im tiefsten Inneren - gut versteckt - einen feinen Kern trägt.
Fazit:
Grandiose historische Literatur über die Deportation der Cheyenne. Ein echtes Lese-Highlight, dass ich nur jedem empfehlen kann, der sich ein wenig für die Ureinwohner Amerikas interessiert.