Mittwoch, 3. Februar 2016

Ich warte auf dich, jeden Tag

Die nicht gelebte Liebe des Lebens – oder das kleine Glück

Autor: Clarissa Linden
Format: Taschenbuch
Verlag: Droemer-Knaur
Erschienen am: 02.02.2015
Umfang: 480 Seiten
ISBN: 978-3-426-51605-8
Preis: 9,99 €


Diese Geschichte geht zu Herzen, bewegt und macht nachdenklich. Ich musste den Inhalt des Buches erst einmal sacken lassen, um mit dieser Rezension zu beginnen; denn es handelt sich hier um eines der wenigen Bücher, die einen sofort ergreifen, die man förmlich inhaliert, von denen man enttäuscht ist, dass sie zu ende gehen, weil man ewig weiterlesen möchte, die schließlich nachhallen und deren Tiefgang sich erst einmal setzen muss.
Auf zwei Zeitebenen erzählt  Clarissa Linden - im Hier und Jetzt sowie in der Vergangenheit zur Zeit der Machtergreifung Adolf Hiltlers – ihren Roman, wobei sie behutsam die beiden Ebenen so entwickelt, dass sie sich förmlich ineinander verweben.
Ende des 20. Jahrhunderts in Amerika  steht Erin, eine Frau Anfang 40, deren Ehe gescheitert ist und deren Sohn in Europa studiert, nun - wie sie meint - vor den Trümmern ihres Lebens. Durch einen Zufall findet sie auf dem Dachboden ihrer Eltern einen Brief und ein altes Flugticket. Zwei Hinweise, die sie sehr nachdenklich machen, aber eher zögerlich veranlassen, sich auf die Spurensuche nach der Vergangenheit ihres verstorbenen und zu Lebzeiten eher unnahbaren Großvaters zu begeben, um dem Menschen, der eventuell hinter der kühlen Fassade steckte, näher zu kommen.
In der zweiten Zeitebene blicken wir ins Jahr 1933 in Deutschland. Hier erfahren wir von der sich zunächst widersprüchlich und zart entwickelnden Liebe zwischen zwei Studenten - der Widerstandskämpferin und aus Arbeiterkreisen stammenden Lily sowie des in Wohlstand groß gewordenen Alexander. Die unterschiedlichen Wurzeln und die politischen Entwicklungen stellen die Liebe vor extreme Herausforderungen.
Erin wird durch ihre Freundin und Chefin Charlotte immer wieder motiviert, ihre Suche fortzusetzen und ein ums andere Mal über ihren Schatten zu springen. Hierbei gibt sie Erin regelmäßig literarische Rätsel und Hausaufgaben aus Klassikern der Weltliteratur, die sie bei ihrer Entwicklung unterstützen und ihrer Recherche vorantreiben. Wir dürfen sie hierbei quer durch Europa begleiten.
Ob sie die Spuren ihres Großvaters findet und welche Hürden und Entwicklungen sie auf ihrer nicht einfachen Suche nehmen muss, ob die Liebe zwischen Lily und Alexander Bestand hat, möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen.  Eines aber wird sie mitnehmen:
"Glück in den kleinen Dingen zu finden und sie schützen, wie sie es verdienen."
Die Charaktere der Protagonisten werden wunderbar in ihrer Vielschichtigkeit ausgearbeitet und entwickelt, auch wenn man den ein oder anderen manchmal am liebsten wach rütteln würde, was aber wiederum zeigt wie lebensnah und authentisch alles wirkt. Ebenso gibt es zahlreiche Wegbegleiter, die einem ebenfalls sehr ausgereift, manchmal eckig und kantig, manchmal einfühlsam, aber willensstark und lebensbejahend begegnen. Gerade hierdurch gewinnt die Geschichte ungemein.
Mich hat der Roman regelrecht in seinen Bann gezogen. Denn abgesehen von der stimmigen Storyline finden sich in der Geschichte immer wieder Gedanken, die einen nachdenklich machen und innehalten lassen. Auch die geschichtlichen Hintergründe, die Orte der Reise und Geschehnisse sind wundervoll recherchiert und entführen einen an die jeweiligen und äußerst unterschiedlichen Schauplätze. Zudem beginnen die Kapitel regelmäßig mit Anfangssätzen aus bekannten Klassikern der Weltliteratur – hierzu wird auch im Anhang noch einmal Bezug genommen. Eine wundervolle Idee, wie ich finde und das Herz eines jeden Literaturliebhabers höher schlagen lässt. Die Kapitel selber sind eher kurz und der Schreibstil klar, flüssig, eloquent, grandios.
Eines war von vornherein klar: Diese Rezension kann diesem großartigen Buch, das so viel Weisheit enthält, nicht gerecht werden. Ich hoffe jedoch, meine Begeisterung zum Ausdruck gebracht zu haben und den ein oder anderen Leser zur Lektüre animieren zu können, da diese sich wahrhaft lohnt.

Fazit:
Dieses Buch ist für mich ein Must Have, das sicher noch lange nachhallt und ich wahrscheinlich noch einmal lesen werde! Gäbe es sechs Sterne, dieses Buch hätte sie verdient. Eine Ode an das kleine Glück, eine Hymne an die eine große Liebe!