Montag, 15. Februar 2016

Ich sehe was, was Du nicht liebst



Rausgerissen aus dem Alltag und zur Tatenlosigkeit verdammt


Autor: Heike Abidi
 
Taschenbuch: 254 Seiten
 
Verlag: Amazon Publishing
 
Erschienen am: 8. Dezember 2015
 
Preis: 9,99 €
 
ISBN: 978-1503954526




Dieser „Hausfrauen-Roman“ von Heike Abidi ist Chick-Lit vom Feinsten – nicht nur für alle stressgeplagten Mütter!
Marlene, kurz Lene, ist Mitte 30, glücklich mit Phil, einem gutaussehenden und erfolgreichen Bauunternehmer verheiratet. Neben der Haushaltsführung im großen Haus, der intensiven Pflege des Gartens, der Betreuung der drei verwöhnten Kinder sowie des inkontinenten Hundes, kümmert sie sich klaglos auch noch um die verhasste Buchhaltung der Firma ihres Mannes – natürlich ohne Gehalt und Position.

Die immer aktive, treu-fürsorgliche Marlene ist von jetzt auf gleich zur Tatenlosigkeit verbannt. Hat sie doch eigentlich nur kurzfristig das von ihrer erfolgreichen und kinderlosen Freundin Jennifer – mehr oder weniger gegen ihren Willen - geplante Wellness-Wochenende abgesagt, was diese recht gelassen hinnimmt, da sie annimmt, dass Lene stark erkältet ist und sich extrem schnell mit der Absage abfindet. Doch Lene ist gar nicht krank. Sie hat nur schlichtweg ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrer Familie. Doch kaum hat sie abgesagt, stellt sie fest, dass sie plötzlich unsichtbar ist.
Die Familie wähnt sie im Wellness Wochenende und ist recht verärgert, dass Lene sie nun mit dem Haushalt im Stich gelassen hat. Doch als Lene auch nach dem vermeintlichen Wellness Wochenende nicht wiederkehrt, gehen ihre „Lieben“ davon aus, dass sie ihre nicht ernst gemeinte Drohung, zur Meditation ins Kloster zu gehen, in die Tat umgesetzt hat.
Im Haushalt läuft natürlich alles drunter und drüber … Für die Buchhaltung stellt Phil kurzerhand die attraktive Blondine Jennifer ein und für den Haushalt und die Kinderbetreuung kommt Oma Ella ins Haus …
All dem muss Lene tatenlos und stellenweise schier ohnmächtig zusehen und nach und nach wächst in der sonst so friedfertigen Lene eine unbekannte Wut …
Sehr scharf sind die Charakterzeichnungen. Die Ich-Erzählerin Lene ist anfangs an gutmütiger Selbstlosigkeit, die schon in eine sklavenhafte Haltung übergeht, nicht zu übertreffen, ihr mangelndes Selbstwertgefühl unübersehbar. Ihr Ehemann Phil, der erfolgreiche und gutaussehende Unternehmer, sticht mit Ignoranz und nicht wertschätzendem sowie beinahe patriarchischem Verhalten hervor. Die 16-jährige Teenagerin Emily ist manipulativ und verwöhnt, ihr Bruder Daniel ein 12-jähriger Hochbegabter und der 5-jährige Nachzügler Noah ein betreuungsintensives Kindergartenkind – vom inkontinenten Hund ganz zu schweigen. Dann kommt auch noch die unausstehliche Schwiegermutter, Oma Ella, die keinerlei Hehl daraus macht, dass sie Lene für eine schlechte Wahl hält und kein gutes Haar an ihr lässt. Hinzu gesellt sich die schnell drohende Gefahr in Gestalt des vordergründig lieblichen und patenten, aber tatsächlich blonden, hinterhältigen und manipulativen Giftes namens Patricia. Interessant ist auch die sogenannte „Freundin“ Jennifer, die sich weder während noch nach dem Wochenende nach dem Wohlbefinden Lenes erkundigt und erst durch Lenes Mann Phil Wochen später von deren Verschwinden erfährt. Doch unerwartet gibt es Außenimpulse von zwei Nebendarstellern, der Boutique-Besitzerin Bianca und dem früher so unattraktive Mitschüler und Tanzpartner Oliver, der sich extrem gemausert hat.

Was uns dieser Roman lehrt, ist, dass auch Wut eine positive Energie entwickeln kann und ein wenig Egoismus und weniger Service positive Entwicklungsschübe bei Ehemännern, Kindern und Teenagern auslösen können.

Fazit:
Unterhaltsame und lehrreiche Chick-Lit, die witzig, aber logisch verpackt in eine fantasievolle „Unsichtbarkeitsgeschichte“ gebettet wurde. Nette, leicht und schnell lesbare Lektüre – nicht nur für Frauen ;o).