Freitag, 5. Februar 2016

Das Schlossgespinst








  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 14.01.2016
  • Verlag : DuMont Buchverlag
  • ISBN: 9783832163488
  • Flexibler Einband 320 Seiten 






Das Schlossgespinst ist ein Regionalkrimi der im beschaulichen Meinigen in Thüringen spielt. Das Leben ist dort so beschaulich, daß selbst die Anwälte ermitteln.

Dies ist Band 3 einer Reihe und ich bin sicher, hätte ich mit Band 1 angefangen, wären mir die Protagonisten inzwischen zu ans Herz gewachsen, daß es locker für 5 Sterne gereicht hätte.

Dieser Krimi reiht sich in Serien wie Mord mit Aussicht, die Rosenheim Cops und Co. gepaart mit Liebling Kreuzberg oder Edel & Starck ein.

Skurrile, witzige Unterhaltung, mit ein paar juristischen Schmankerln und schrägen Fußnoten gepaart (die sicher keinen Plagiatsvorwurf aufkommen lassen) aus der Kleinstadtsociety von Thüringen.

Auch wenn ich mich noch an die DDR erinnern kann, war ich erst nach dem Mauerfall dort, so daß mich dieses Buch immer wieder mit seinen Anspielungen und Hinweisen auf die DDR Gepflogenheiten und Orginalen schmunzeln ließ. Auch stilistisch ist dieses Werk eines Juristen würdig ;) Einige Absurditäten des Lebens kann man halt nur mit einer gesunden Prise schwarz/schrägem Humors wegstecken.

So kommt es auch, daß Anwalt Fickel, während der Gluthitze eines Jahrhunderthochs in Badelatschen und Hawaiihemd bei Gericht sitzt und wartet, ob nicht doch ein Lohn bringender Termin sich aufdrängen könnte. Und siehe da, die 97 jährige "rote Elfriede" stets überzeugte Kommunistin und ehemalige Bürgermeisterin von Meinigen, braucht im Kampf vor Gericht, gegen den höchst unsympathischen Schlossverwalter Bornkessel anwaltliche Unterstützung. Und siehe da, auch ein blindes Huhn.... Der Fickel gewinnt und der Historische Verein dem der fiese Bornkessel auch vorsteht, muß Fickels Mandantin eine verschollene Original Brahmspartitur herausgeben.

Doch lange wehrt die Freude der alten Dame nicht, denn fast zeitgleich mit Fickels Zwangsvollstreckungsversuch während der Weltpremiere dieses Stückes verstirbt die aufrechte Kommunistin!
Na ja, mit 97 Jahren eigentlich nicht verwunderlich, aber irgendwie will sich das Bauchgefühl des Kriminalrats Recknagel mit einem natürlichen Tod der roten Elfriede nicht so recht anfreunden.....

Neben Kriminalrat Recknagel, lernt der Leser noch Fickels Ex-Frau die Oberstaatsanwältin Gundelwein mit ihren 1,90 m kennen, ihren Chef den leitenden Oberstaatsanwalt Siebenthaler mit seiner nicht ganz standesgemäßen Gattin, die persönliche Assistentin der roten Elfriede, sowie deren Schoßhündchen Erich (Honecker).

Die Spannung ergibt sich mehr aus dem ungewöhnlichen Schreibstil mit Fußnoten (stets mehr augenzwinkernd als akademisch korrekt) und den nicht ganz alltäglichen Persönlichkeiten. Es schwingt ein wenig Ostalgie mit, wenn die Oberstaatsanwältin beim Vorstellungsgespräch bei der Generalstaatsanwaltschaft auf eine Legende des DDR-Fernsehens trifft, Schnatterinchen alias Generalstaatsanwalt Schnatterer. Dieses Vorstellungsgespräch war eines meiner persönlichen Highlights, wobei auch das Ende nicht zu verachten ist, denn es kommt mal wieder alles ganz anders als man denkt!

Der arme Anwalt heißt leider immer nur "der Fickel" obwohl ich zuversichtlich bin, daß auch in der DDR Vornamen vorgeschrieben waren..... aber sonst kann ich nur sagen, eine vergnügliche Lektüre, mit einem schrägen, etwas überdrehten Humor, bei der es sich sicher lohnt mit Band 1 anzufangen. Der Quereinstieg ist vom Verständnis her absolut unproblematisch, aber für die Entwicklung der Liebe zu den Personen sicher absolut von Vorteil. Daß diese Thüringer Urgesteine süchtig machen können, kann ich mir gut vorstellen.