Dienstag, 23. Februar 2016

Das Mittwochszimmer







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 04.02.2016
  • Aktuelle Ausgabe : 04.02.2016
  • Verlag : Langen-Müller
  • ISBN: 9783784433929
  • Fester Einband 320 Seiten 





Eine etwas andere Lovestory


Conny ist fast 60 und Vico ihr Anker, ihr Licht in dunkler Nacht. An ihn denkt sie zuerst, wenn ihr etwas Schönes widerfährt, ihn ruft sie an, wenn es Probleme gibt. Aber er ist nicht etwa ihr Mann, sondern ihr Geliebter – seit 43 Jahren! Sie haben zusammen „Das Mittwochszimmer“, eine Einzimmerwohnung, in der sie sich – wie der Name schon sagt - jeden Mittwochnachmittag treffen und die Welt ausschließen. Natürlich hofft sie die ganze Zeit, dass er sie doch irgendwann heiratet, aber in der Zwischenzeit „passiert“ das Leben und sie lehnt alle anderen ab Bewerber ab. Auch ihre große Liebe?

Die Geschichte fängt natürlich früher an: 1968 werden in der Neujahrsnacht in Hamburg-Niendorf zwei Cornelias im gleichen Krankenhaus geboren. Obwohl sie aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen kommen - Nelli hat ein reiches Elternhaus, Connys Mutter ist ledig (ein Skandal) und ihre Onkel sind kriminell (ein noch größerer Skandal) - verbindet das Schicksal die Mädchen ab diesem Augenblick.

„Das Mittwochszimmer“ ist eines der Bücher, in dem man gleich ohne große Vorrede  ankommt. Wir begleiten Conny und Nelli fast ihr ganzes Leben. Nichts Menschliches wird ausgespart und man erlebt so ganz nebenbei auch 60 Jahre deutsche Geschichte mit.

Nelli, wird in ihrer Familie immer bedauert, da sie im Gegenteil zu ihren großen Schwestern nicht hübsch genug ist und wohl nie einen Mann finden wird. Keiner nimmt sie so richtig ernst.
Conny ist dagegen wunderschön und begabt, aber ihre Herkunft wird ihr immer wieder angekreidet, obwohl sie in Tante Eva und Tante Ala (nicht ihre richtigen Tanten) zwei wunderbare herzensgute Förderinnen findet, die sie unter ihre Fittiche nehmen und ihr so ganz nebenbei eine sehr gute Allgemeinbildung und ordentliches Benehmen zuteil werden lassen.
Als Vico in ihr Leben tritt, könnte alles perfekt sein. Aber sie ist nicht standesgemäß für ihn. Also baut sie sich ein eigenes Leben, eine Kariere, ohne ihn auf, immer um ihn herum, immer auf sein Zeichen wartend ...
So groß auch die Unterschiede zwischen Conny und Nelli sind – sie halten ihr ganzes Leben lang zusammen - wie Pech und Schwefel.

Die Geschichte lebt natürlich auch durch die „Nebendarsteller“. Da haben wir zum Beispiel Connys Onkel Uwe, einen sehr coolen sympathischen Kleinkriminellen mit großem Herzen. Oder Nellis Freund Damian - er ist für mich DIE Verkörperung des schnöseligen Genies, irgendwie stelle ich ihn mir wie Leonard Hofstadter (The Big Bang Theory) vor.

Ich fand das Buch sehr faszinierend; traurig, romantisch, gefühlvoll und dramatisch. Und das alles ohne große Worte, ohne Pathos.