Montag, 15. Februar 2016

Blaubeermorde






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.02.2016
  • Verlag : Knaur Taschenbuch
  • ISBN: 9783426516997
  • Flexibler Einband 288 Seiten
  • Sprache: Deutsch







Der Titel Blaubeermorde klingt lecker, das Cover sieht ansprechend aus und 2 interessante Rezepte sind auf separaten Seiten enthalten.

Ein vielversprechendes Debut, daß ich fast von selbst liest.

Jana 63 ist Landärztin und will nach dem Tod ihres Vaters als einziges Kind, ihren Ruhestand etwas vorziehen und im Haus ihrer Eltern als deren einziges Kind in Ruhe ihrer Töpferleidenschaft im dem wunderbaren Anwesen an einem See, irgendwo im Nirvana von Schleswig Holstein nachgehen......
Doch als sie mit Freunden ihre Habseligkeiten in das Haus der verstorbenen Eltern bringt, taucht aufeinmal der beste Freund seines Vaters, Berthold 83, Notar und Erbsenzähler auf und erklärt, daß dies vor der Testamentseröffnung am Montag nicht ginge, sie müsse ihre Sachen wieder rausschaffen....

Bei der Testamentseröffnung lernt sie Tessa, 32 Journalistin aus der Metropole Berlin kennen, ihre bislang unbekannte Halbschwester, von deren Existenz sie keinen blassen Schimmer hatte. Die Crux: Beide Schwestern erben nur, wenn sie 1 Jahr gemeinsam in dem Haus leben, andernfalls geht alles an Wuff & Co.

Die Schwestern scheint nichts zu verbinden, bis auf den gemeinsamen Erzeuger... Als dann noch eine Leiche in "ihrem" See auftaucht, zeigt sich doch, die verbindende Neugierde. Die ermittelnden Beamten stellen sich so unbeholfen bzw. so ignorant an, daß die Schwestern sich quasi gezwungen fühlen, zu ermitteln.

Das Buch ist ein echter Wohlfühlkrimi, mit Betonung auf dem Wohlfühlen. Es liest sich locker, leicht, geschmeidig und es bleibt bei dem schönen Ende (nein, keine Hochzeit) ein gutes Gefühl zurück.

Was habe ich mit Tessa und ihrer verzweifelten Suche nach anständigem Kaffee in einem Dorf in Norddeutschland gelitten! Wie gut konnte ich Jana verstehen, die sich kein Grinsen verkneifen konnte, als die toughe Großstädterin nicht ohne Licht schlafen konnte...

Liebevoll waren auch die Nebenfiguren gezeichnet. Dorfpolizist Martin, der beim Backen am besten denken kann und mit seinen Backwunderwerken den absolut widerlichen Kripomann Kettel, seinen ehemaligen Ausbilder, ruhig stellt. Was ihm an Erfahrung fehlt, macht er mit Offenheit gegenüber seinen örtlichen Hobbyermittlerinnen wider wett, anders als der ihm aus gegebenen Anlaß vor die Nase gesetzte Kettel, der ignorant nicht die Wahrheit, sondern nur einen einfachen Abschluß des Verfahrens sucht.

Örtliche Gegebenheiten und Dorfklatsch kommen ebenso wenig zu kurz, wie die Beschreibung der Gegend und der Kontrast Land/Großstadt. Die Entwicklung der ungleichen Schwestern hat mir ebenso gefallen, wir der fluffige Schreibstil.

Etwas gestört haben mich Kleinigkeiten: das Nur-Notariat, kommt im Norden eigentlich nicht vor, er müßte auch Anwalt sein. Und, der beurkundende Notar darf nicht Testamentsvollstrecker sein! Daß wüßte ein derart erfahrener Notar. Erbrechtlich habe ich auch so einige Bedenken....

Aber ehrlich, mit Erbrecht habe ich in deutschen Krimis fast immer ein Problem ;)

Es sind diese Ungereimtheiten, die ich nicht alle aufzählen will, um nicht zu viel zu verraten, die mich persönlich stören, was aber eine Berufskrankheit meinerseits ist. Ander störten sich an mangelndem Krimifeeling, trotz mehrerer Toten. Das hat mich nicht gestört, auch wenn die Spannung recht sanft war, war die Unterhaltung ein Selbstläufer.

Daher 4,5 Sterne auch wenn der halbe nicht sichtbar ist. Ein durchaus lesenswertes Debut, daß dem angekündigten Nachfolger entgegensehnen läßt!