Samstag, 2. Januar 2016

Hintermänner







  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 04.11.2015
  • Verlag : Styria Premium
  • ISBN: 9783222135217
  • Flexibler Einband 256 Seiten 






Viel mehr als nur ein Wirtschaftskrimi!


Mit folgender Beschreibung wurde ich zum Lesen diesens Krimis verleitet:

Sie ließen Superjachten auf den Weltmeeren verschwinden und die österreichische Montana-Maritim-Bank dafür bezahlen. Sie kassierten bei dem Geldinstitut 40 Millionen für Baugenehmigungen auf Inseln, die es gar nicht gab, und überließen der Bank Immobilien als Sicherstellung, die ihnen nicht gehörten. Der Politiker aus Wien sprach kryptisch von montenegrinischen Piraten. Kein Wunder, dass Commissario Bruno Vossi ihn nicht gleich beim Wort nahm. Denn keine Bank würde sich so einfach um Millionen prellen lassen. Doch jetzt liegt der Wiener in seinem Kingsize-Bett in der Edelabsteige von Grado - erdrosselt mit einer Seidenschnur. Neben ihm die Karte eines renommierten Londoner Detektivbüros, dessen wichtigstes Zugpferd steifgefroren an einem Fleischerhaken im Kühlhaus des Marktamtes hängt. Vossi steht am Anfang komplizierter Ermittlungen und schon spürt er den Flügelschlag der Geier, die sich beim Kehraus der Montana-Maritim um das millionenschwere Aas der Bank zerfleischen.

Ich erwartete einen gut recherchierten Wirtschaftskrimi eines Journalisten der sich auskennt.

Ich erhielt einen sehr gut geschriebenen Krimi mit ausgesprochen sympathischen Ermittler, der fast nur noch von seiner slowenischen Frau Jelena getoppt wird und ergänzt von seinen Assistenten Rita und Roberto (kurz RR = Rolly Royce). Wobei auch den Sidekicks wirklich Leben eingehaucht wird. Aber auch weitere Nebendarsteller sind mir ans Herz gewachsen, wie der engl. Privatermittler Mr. Jenkins oder die slowenischen Schwiegereltern.

Etwas irritiert war ich von den vielen italienischen Begriffen und Ortsnamen. Auf dem Cover klebt der Sticker: eine Krimi aus Österreich und es begann auch mit einem Landeshauptmann aus Österreich und einer Bank in Klagenfurt. Aber eigentlich spielt der Fall in Italien, im Grenzgebiet zu Österreich und Slowenien (nehme ich zumindest an, eine Karte wäre äußerst hilfreich gewesen, und mit dem Kinderatlas konnte ich die Lokalität nur bedingt erahnen).

Dadurch bekam ich außer einer gewissen Anfangsirritation, wirklich interessante Einblicke in das Leben im ital. Grenzbereich nach dem Zerfall von Tito-Jugoslawien. Denn neben der montenegrinischen Mafia, Bankenskandal und faulen Krediten, geht es in diesem Buch um viel mehr. Es geht um Völkermord und Kriegverbrechen und deren Aufarbeitung noch viele Jahre nach Kriegsende. Bei den hervorragend herausgearbeiteten Zusammenhängen kommt man automatisch ins Grübeln, über Nachkriegsdeutschland, Ost-Deutschland nach der Wende, die Staaten nach Zerfall des Ostblocks, das Pulverfaß im Nahen Osten.... um Macht, Politik...... Sehr real und damit keine unbedingt leichte Kost. Dennoch gut genießbar durch die Charaktere die Brunetti und Co. in Nichts nachstehen und den spannenden Schreibstil mit etwas süffisant trockenem Humor. Für mich als Deutsche gab es noch das zusätzliche Vergnügen des heiteren Wörter Ratens. Da es kein Vokabelverzeichnis gibt, bin ich über die Leserunde froh, so daß ich meine 5 ungeklärten Vokabeln einer ö stereichischen Mitleserin übermitteln kann. Wobei ich mir nicht immer sicher bin, ob es ital. oder österr. Begriffe sind: Krida, Sponsion, Veduten, Bora.... Ich mag es auch festzustellen, daß unsere Vernehmung die Einvernahme ist, die Beförderung die Verrückung. Das hat für mich Charme und besticht mich neben der Spannung, der Intelligenz, dem hohen Informationsgehalt und den sympathischen Personen.

Ein außergewöhnicher Krimi, wenn auch keine leichte Kost und dennoch eine absolute Leseempfehlung!