Mittwoch, 20. Januar 2016

Die dunkle Talion

Packend, düster und eigenwillig

 

Format: Kindle Edition
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 276 Seiten
Verlag: Books on Demand
ASIN: B018UFK1H8





Als in einer Baugrube ein Toter gefunden wird, tauchen für Pierre Larut immer mehr Geister aus der Vergangenheit auf und mit ihnen das schlechte Gewissen. Denn vor Jahren gab es schon einmal eine Leiche an dieser Stelle, ebenfalls mit Schüssen in den Hinterkopf hingerichtet. Damals war Larut Polizeichef und obwohl Kommisar Ranfort sogar bis nach Algerien reiste, um seine Unschuld zu beweisen, wurde er für den Mord verurteilt. Noch immer quält Larut der Gedanke, dass Ranfort inzwischen seit zwölf Jahren unschuldig im Gefängnis sitzt und er damals nicht mehr für ihn getan hat. Inzwischen im Ruhestand, versucht Larut dennoch erneut im alten und neuen Fall zu ermitteln. Sein Weg führt ihn nach Marseille, wo alle Fäden zusammen zu laufen scheinen, und er sich bald in einem Strudel aus Intrigen, Gewalt und Machtkämpfen wiederfindet.

Auch wenn ich den Vorgängerband („Der algerische Hirte“) nicht kenne, wurde ich sofort in die Geschichte hineingezogen und hatte keine größeren Verständnisschwierigkeiten. Die Atmosphäre ist über weite Teile düster und eher beklemmend und es dauert seine Zeit, bis sich das Dunkel lichtet. 
Geschickt hat Wolfgang Haupt einen Thriller konstruiert, der seine Fäden bis in den Algerienkrieg ausstreckt und mit heutigen Anschlägen verbindet. Historische Fakten und Fiktion werden miteinander verwoben und mitten drin steht Larut, den ich trotz seiner Eigenheiten mochte. Es ist spannend zu verfolgen, wie sich immer mehr Puzzleteile zusammenfügen und Laruts Hartnäckigkeit das Geschehen immer weiter vorantreibt.

Die meisten Charaktere sind nicht gerade Sympathieträger und mehr als einmal habe ich mich gefragt, wem man eigentlich trauen kann und ob die vermeintlichen Opfer wirklich Opfer sind. Ein Thriller, den man bewusst lesen sollte, da er sehr vielschichtig ist.

Wolfgang Haupts Schreibstil war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Weite Ausschweifungen sucht man vergebens, dafür gibt es kurze prägnante Sätze, die teils fast abgehackt wirken. Dadurch fühlte ich mich anfangs stellenweise regelrecht durch den Roman gehetzt. Doch nach wenigen Kapiteln hatte ich mich daran gewöhnt und konnte den Stil sogar genießen. Er trägt dazu bei die einzigartige Atmosphäre des Thrillers zu erzeugen.

Mein Fazit: Ein düsterer Thriller, der durch seinen eigenwilligen Stil und die schwer einzuschätzenden Charaktere besticht und der bis zur letzten Seite fesselt. Eine klare Leseempfehlung für alle, die sich nicht scheuen, sich auf einen Thriller einzulassen, der irgendwie anders aber dennoch sehr spannend ist.