Dienstag, 8. Dezember 2015

Sei mir ein Vater


 
  • Audio CD (6 Stück)
  • Verlag: Argon Verlag; Auflage: 1 (26. November 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839814405
  • ISBN-13: 978-3839814406


Lillie Argutte ist fast 40, alleinerziehend in Paris. Noch immer leidet sie darunter, daß sie alleine mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern aufwuchs, während ihr Vater als Hallodri mal hier war und mal dort. Aber zu Hause nur, wenn er Geld brauchte. Als Teenager wurde sie von ihrer Mutter in eine Gastfamilie an den Niederrhein geschickt und lernte dort in der Pampa mit Hanna und Herrmann eine Ersatzfamilie kennen, der sie ein Leben lang verbunden bleibt.
Eines Tages kommt sie nach Hause und überrascht Einbrecher in ihrer bescheidenen Wohnung. Sie wird mit einem Gemälde, einem Familienerbstück ihres Vaters niedergeschlagen. Kurz darauf ruft Hanna aus Deutschland an, und bittet sie zu kommen, da ihr Vater bald seinem Krebsleiden erliegen wird.

Lillie läßt ihren Sohn bei ihrer Mutter, nimmt das ramponierte Gemälde aus dem Rahmen, packt es ein und macht sich auf zu ihrem sterbenen Ersatzvater. Dieser ist völlig fasziniert von dem Gemälde des früh verstorbenen Vaters der als Malerin bekannteren Vorfahrin Georgette Argutte. Hermann möchte das Rätsel um das Gemälde lösen, um sich selbst noch zum Schluß ein Abenteuer zu gönnen, von seinem bevorstehenden Tod abzulenken und hoffentlich Lillie und ihren kleinen Sohn finanziell abzusichern. Eine abenteuerliche Reise in die Pariser Umgebung und nach Grenoble auf den Spuren von Lillies Vorfahren dem damaligen Glamour-Paar Semblant-Argutte beginnt, die den Hörer auch in die Belle Epoque in die Entwicklung der modernen Kunst und die politischen Wirren vor Ausbruch des 1. Weltkrieges entführt. Die Einblicke machen neugierig. Die Geschichte um Georgette Argutte und ihre große Liebe der sozialistische Jurist Marcel Semblat fand ich faszinierender, gerade auch durch die Einblicke in die Welt des Impressionismus und des Postimpressionismus. Kaum ein berühmter Maler, der nicht vorkommt, allerdings sind einige wirklich interessante Anekdoten für das Hörbuch herausgekürzt worden. Bei Hören fällt dies jedoch nicht wirklich auf, lediglich im direkten Vergleich zum Buch.

Die Geschichte huldigt einem einstigen bedeutenden Glamourpaar, das viel für die Kunstförderung und den Sozialismus in Frankreich getan hat und dennoch in Vergessenheit geriet. Es erzählt aber auch die Geschichte von Lillies Selbstfindung, mit einem gleichfalls traurigem (Hermanns unausweichlichem Tod) Ende, als auch einem offenen Teil, der jedem Romantiker Raum für rosa Wolken läßt, ohne kitschig abstoßend zu sein.

Das Hörbuch ist angenehm gefühlvoll gesprochen, auch in der französischen Aussprache. Anregende und auch entspannende Unterhaltung auf die Ohren, die zum Museumsbesuch einlädt und zur Internetrecherche.