Donnerstag, 17. Dezember 2015

Frühstück mit Sophie






  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 30.11.2015
  • Aktuelle Ausgabe : 30.11.2015
  • Verlag : Ullstein Taschenbuch Verlag
  • ISBN: 9783548287522
  • Flexibler Einband 304 Seiten 





Auf der sicheren Seite parken lauter silberne Audi TT

Valentinstag, ein romantisches Restaurant, Steffen und Louisa sind seit Jahren ein eingefahrenes Paar. „Der Alltag kommt mir dann vor wie eine Plastikfolie, die über allem liegt. Wie in einem Geisterhaus, in dem man die Möbel abgedeckt hat: Es ist alles da, und doch nimmt es nicht am Leben teil.“ Aber gerade deshalb rechnet sie ganz fest mit einem Heiratsantrag. Blöd nur, dass alles anders kommt und sie sich am Ende des Abends auch noch beim Kellner entschuldigt, weil sie entgegen ihres Versprechens an ihn (es sind schon genug durchgedrehte Pärchen im Raum) doch emotional geworden ist.
Ab da überschlagen sich die Ereignisse. Bevor Louisa auch nur einen klaren Gedanken fassen oder einen neuen Plan machen kann (und sie liebt Pläne!) wird sie von ihrer neuen Bekannten Lea (eine Fernsehreporterin) mehr oder weniger freiwillig in die Studenten-WG von Sophie und Paul umgezogen. Die Studenten sind übrigens schon über 70, züchten auf dem Balkon Cannabis, schmeißen regelmäßig Partys und wollen leben, nachdem sie im Monat davor endlich ihr Bafög abgezahlt haben.
Apropos Mitbewohner: Lea wohnt in einer WG im selben Haus zusammen mit Tine, einer Therapeutentochter, die wirklich alles analysiert; dazu kommen noch der ewig nörgelnde Vermieter Willy Brandt; im Keller haust Fluffy (ein wütender Papagei) und dann ist da noch der undurchsichtige vorbestrafte aber sehr schnuckelige Nachbar Ben – also genau das Gegenteil von Louisas Traummann.
In dieser doch recht ungewöhnlichen Hausgemeinschaft wirft Louisa bald alle Regeln, Pläne und bisherige Vorstelllungen über Bord und fängt endlich an zu leben, denn: „Die guten Möglichkeiten kommen eben, wann sie kommen ... Man darf sie nur nicht vertun.“

„Frühstück mit Sophie“ ist mein erster Roman der Autorin Jennifer Bentz und wird sicher nicht mein letzter bleiben. Ihr frischer, herrlich trockener Humor hat mir sehr gut gefallen. Sie hat dem „typischen Frauenroman“ damit neues Leben eingehaucht und ihre ganz eigene Art gefunden, diesen Stoff zu transportieren. Sicher verwendet sie überspitze Klischees, aber im richtigen Kontext machen sie sehr viel Spaß.
Auch mit ihren Protagonisten hat sie bei mir voll ins Schwarze getroffen. Steffen ist so ziemliche der langweiligste Mensch, den man sich vorstellen kann und Louisa steht ihm in nichts nach. Sie kann sich eigentlich kein anderes Leben als das mit ihm durchgeplante im Reihenhaus vorstellen. Doch als sie erst mal ausgebrochen ist, merkt sie schnell, was es ihr noch so zu bieten hat. Schön fand ich auch, dass sie a la Bridget Jones so ziemlich jedes Fettnäpfchen mitnimmt, das sich in ihrer Nähe auch nur ansatzweise auftut.
Sophie und Paul sind ein Traumpärchen: beide über 70 und total erschüttert, als ihnen der Arzt beim Check-up trotz ihrer ungesunden Lebensweise noch einen lange Zukunft voraussagt. Haben sie doch nie Rücklagen gemacht und nichts geplant – gut leben und bald sterben war die geplante Devise. Jetzt müssen sie sich also Zukunftssorgen machen und eine neue Karriere aufbauen, das läuft natürlich nicht ohne Probleme ab ("Ich bin befördert worden, Sophie. Ich in ab morgen Barkeeper! Ich werde ganz fett Karriere machen!" "Aber zum Mittagessen bist Du wieder da!"). Dafür teilen sie ihre Lebensweisheiten gern mit der jüngeren Generation.
Louisas „Retterinnen“ Lea und Tine sind die besten Freundinnen, die sich eine Frau nur wünschen kann und rücken ihr immer mal wieder den Kopf zurecht, wenn sie sich nach dem alten Leben sehnt. Dabei verläuft das Zusammenleben der beiden grundverschiedenen Charaktere selbst nicht besonders harmonisch und sorgt immer wieder für Aufregung.
Und Ben – sagen wir mal, er ist nicht ganz so vorhersehbar, wie man es in einem Frauenroman erwartet ;-) ...

Fazit: Ich habe mich sehr gut amüsiert und würde gern wieder mal mit Sophie frühstücken gehen.

PS: Die Cannabis-Pflanzen auf dem Cover hab ich übrigens erst am Ende erkannt. Was das wohl über mich aussagt???