Freitag, 11. Dezember 2015

Flederzeit - Sturz in die Vergangenheit


Tolle Charaktere und fesselnder Stil




Broschiert: 308 Seiten
Verlag: VA - Verlag Aretz 
ISBN-13: 9783944824437





Nachdem sein kleiner Sohn bei einem Unglück verstarb, hat der Schriftsteller Matthias auch Jahre später Elias‘ Tod noch nicht verarbeitet und fühlt sich immer noch schuldig. Daher fasst er den Entschluss sich auf seine Berghütte zurückzuziehen und sich alles von der Seele zu schreiben. Während er dort ist, besucht er auch erstmals die Unglücksstelle. Dabei geschieht das Unglaubliche: mit einem Male findet sich Matthias im Mittelalter wieder und trifft dort auf Lida und ihren Sohn Ilya, die Elias und seiner Exfrau zum Verwechseln ähnlich sehen und dringend seine Hilfe benötigen. Kann das wirklich nur ein Traum sein?

„Flederzeit – Sturz in die Vergangenheit“ ist mein erster Roman vom Autorenduo Runa Winacht und Maria G. Noel. Gleich mit der ersten Seite hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen. Der Schreibstil ist für mich sehr angenehm, flüssig und fesselnd.

Die beiden Autorinnen scheinen es mit Leichtigkeit zu schaffen die Umgebung, vor allem aber auch die Charaktere vor meinem inneren Auge aufleben zu lassen. Ich konnte mir nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch die Nebencharaktere gut vorstellen. Sie wirken allesamt authentisch und ungekünstelt und bedienen nicht einfach nur Klischees. Besonders hervorheben möchte ich Ilya sowie Johann. Ilya konnte ich regelrecht durch die Wiesen hüpfen sehen und vor sich hinplappern hören. Gerade die Sprache des Kleinkindes ist sehr gut eingefangen und hat mich regelmäßig an meinen eigenen Sohn erinnert. Johann finde ich sehr gelungen, da sein Charakter sehr vielschichtig ist und er sich nicht so leicht in eine Schublade stecken lässt. Während man bei Matthias immer weiß, woran man ist, wirkt er mal sympathisch und dann wieder ist er der Fiesling schlechthin.

Da ich mich nicht allzu gut im Mittelalter auskenne, kann ich nicht sagen, ob der Zeitgeist gut eingefangen wurde, auf mich wirkt es jedenfalls sehr authentisch. Vor allem auch die Reaktionen auf Dinge wie Handys oder Kameras, die Matthias und vorherige Zeitreisende mitbringen, ist in meinen Augen sehr realistisch. 

Bei Lidas Ausdrucksweise bin ich zwar ein, zweimal über vermeintliche Fehler wie z:B. „impfiziert“ gestolpert, aber eigentlich runden diese Worte ihren Charakter wunderbar ab. Durch den Kontakt mit Zeitreisenden lernt sie viel, aber nicht alles merkt sie sich korrekt. Ich denke, dass ist jedem von uns auch schon passiert, gerade wenn es um Dinge ging, von denen wir absolut keine Ahnung haben.

Mein Fazit: Der erste Band der Flederzeit-Reihe macht Spaß zu lesen und besticht vor allem durch seine tollen Charaktere und seinen fesselnden Stil. Da es drei Teile gibt, werden natürlich nicht alle Fragen geklärt, dennoch hat mich auch das Ende dieses Teils überzeugt und ich bin schon gespannt auf die folgenden Bände. 4,5 Sterne von mir und ich empfehle den Roman sehr gerne weiter.